Acheuléen - Steinwerkzeuge

Kategorie:


Schon zu einem frühen Zeitpunkt in der Geschichte der Steinwerkzeuge machte man Fortschritte bei der Formgebung und Gestaltung. Bereits vor 1,6 Millionen Jahren erscheint in Afrika das Muster einer zweiseitigen (bifacialen) Arbeitsweise. Dabei wurden von zwei gegenüberliegenden Seiten eines Steins Splitter herausgeschlagen, so dass eine Schneide entstand. Bei Choppern (Hackwerkzeugen) verläuft diese Schneide entlang eines Teils des Gesamtumfangs, wobei sie bei Discoiden (Rundformen) rundum verläuft. Es ist nicht sicher, ob diese Chopper und Discoide gezielt hergestellt wurden oder ob einige nicht viel mehr als Kerne waren, die dieses Muster dadurch bekamen, dass man Splitter dort abschlug, wo der geringste Widerstand" war. Dennoch deutet die symmetrische Form einiger Stücke bereits auf die späteren Entwicklungen in der Werkzeugherstellung hin, so dass viele Exemplare sicherlich bewusst geformt wurden. Die Zahl solcher bifacialen Werkzeuge steigt im späteren, "Entwickelten" Oldowan, wie in der Olduvai Schlucht (Olduvai Bed II), stark an.

Der nächste große Schritt in der Entwicklung kam mit der Einführung einer deutlichen Längsachse bei den Werkstücken. Diese erscheinen wie ein Quantensprung in den archäologischen Aufzeichnungen - plötzlich findet man entwickelte Werkzeuge wie die so genannten Faustkeile, bei denen die Längsachse wie bei einer Walnuss verläuft und die Schneidkante der beiden zweiseitig bearbeiteten Flächen den größten Teil oder sogar den gesamten Rand des Werkzeugs bildet. Diese Faustkeile müssen ihren Zweck sehr gut erfüllt haben, denn sie wurden über mehr als eine Million Jahre hergestellt und ihre grundsätzliche Form hat sich in dieser Zeit kaum verändert. In der Alten Welt vor mehr als 100.000 Jahren gehören sie zu den zahlreichsten Fundstücken.

Faustkeile wurden vermutlich zum Zerlegen von großen Tieren und zur Bearbeitung von Holz verwendet, worauf Analysen mikroskopisch kleiner Abnutzungsspuren hinweisen. Die Werkzeuge des Acheuléen wurden meist aus Feuer- und Flintstein, Lava oder Quarzit hergestellt und sind in der Regel zweiseitig bearbeitet (Bifaces). An einigen Fundstellen sind die Werkzeuge nur grob behauen, an anderen sehen sie recht elegant und eher länglich aus.

Alle Faustkeil-Industrien werden als Acheuléen Tradition bezeichnet, nach dem französischen Fundort Saint-Acheul in der Region Picardie. Weit ältere Fundorte des Acheuléen als in Europa befinden sich in Afrika, wo die frühesten Fundstellen rund 1,5 Millionen Jahre alt sind - wie die Stellen Olduvai Bed II und Peninj, beide in Tansania, beweisen. Faustkeile findet man in Ostafrika an unterschiedlichen Fundorten wie Kariandusi, Kilombe, Isamila, Olorgesaillie und Kalambo Falls, die es der Forschung ermöglichen, ähnliche Gestaltungsideen der Menschen über einen sehr langen Zeitraum zu verfolgen. Von den Kalambo Fällen in Sambia stammen einige der ältesten erhaltenen hölzernen Werkzeuge, einschließlich einer möglichen Keule, die wahrscheinlich etwa 200.000 Jahre alt sind.

Das Acheuléen unterscheidet sich vom Oldowan durch spezialisiertere Steingeräte für bestimmte Aufgaben. Die neuen Werkzeuge bestehen aus spitzen Faustkeilen, Pickel und Spaltkeilen (Cleaver) mit gerader Schneide. Komplizierte Arbeitsgänge waren nötig, um solche Artefakte herzustellen. Das beginnt schon mit dem Auffinden geeigneter Steine und reicht bis zu den komplizierten Techniken des Abschlagens, des Formens und des Ausdünnens der Steine, bis schließlich ein spitzer Faustkeil oder die breite Schneidefläche eines Cleavers entstanden ist.

Alle Faustkeil-Industrien werden als Acheuléen Tradition bezeichnet, nach dem französischen Fundort Saint-Acheul in der Region Picardie. Weit ältere Fundorte des Acheuléen als in Europa befinden sich in Afrika, wo die frühesten Fundstellen rund 1,5 Millionen Jahre alt sind - wie die Stellen Olduvai Bed II und Peninj, beide in Tansania, beweisen. Faustkeile findet man in Ostafrika an unterschiedlichen Fundorten wie Kariandusi, Kilombe, Isamila, Olorgesaillie und Kalambo Falls, die es der Forschung ermöglichen, ähnliche Gestaltungsideen der Menschen über einen sehr langen Zeitraum zu verfolgen. Von den Kalambo Fällen in Sambia stammen einige der ältesten erhaltenen hölzernen Werkzeuge, einschließlich einer möglichen Keule, die wahrscheinlich etwa 200.000 Jahre alt sind.

Das Acheuléen unterscheidet sich vom Oldowan durch spezialisiertere Steingeräte für bestimmte Aufgaben. Die neuen Werkzeuge bestehen aus spitzen Faustkeilen, Pickel und Spaltkeilen (Cleaver) mit gerader Schneide. Komplizierte Arbeitsgänge waren nötig, um solche Artefakte herzustellen. Das beginnt schon mit dem Auffinden geeigneter Steine und reicht bis zu den komplizierten Techniken des Abschlagens, des Formens und des Ausdünnens der Steine, bis schließlich ein spitzer Faustkeil oder die breite Schneidefläche eines Cleavers entstanden ist.

Das Acheuléen ist auch im Nahen Osten, in Teilen des indischen Subkontinents, in der Mongolei und in Korea weit verbreitet. Weitgehend abwesend ist es in China. In Asien gibt es nördlich einer Linie vom Kaukasus bis in die Mongolei nur wenige Beweise für die menschliche Besiedlung, die älter als 100.000 Jahre sind. Auch den Weg nach Südostasien fanden Acheuléen Werkzeuge offenbar nie, möglicherweise weil dort den Menschen Bambus oder ähnliche Rohstoffe zur Werkzeugproduktion reichlich zur Verfügung standen. Vielleicht verhinderten auch geographische Barrieren den kulturellen Austausch der Menschen untereinander. Im Unteren Paläolithikum scheint es in allen Teilen der alten Welt erhebliche kulturelle Unterschiede gegeben zu haben, wobei die Faustkeile des Acheuléen mit Ausnahme von einigen Regionen fast überall gefunden werden.

Vor etwa 150.000 Jahren beginnt die große Faustkeiltradition zu verschwinden, vermutlich wegen innovativer Entwicklungen in der Abschlagtechnik, die mindestens 100.000 Jahre zuvor begonnen hatten, und der damit einhergehenden Spezialisierung auf Abschlagwerkzeuge. Die wichtigste Neuerung ist die Levallois-Technik, nach einem Ort in Frankreich benannt. Dazu gehört die sorgfältige Gestaltung eines Kerns durch die Entfernung vieler Abschläge von einer Fläche, mit dem Ziel der Herstellung eines ganz speziellen Abschlags, der zuletzt abgetrennt wird. Die neue Technik kam möglicherweise aus Afrika, wo sehr große Abschläge genommen wurden, um daraus Faustkeile herzustellen. Diese wurden aus großen Geröllen ​​herausgeschlagen und dann die vorbereitende Levallois-Technik angewendet, um die richtige Form zu gewährleisten.

Es ist nicht leicht, das Alter solcher Artefakte zu bestimmen, da sie für eine Kalium-Argon Datierung zu spät auftauchen und dummerweise auch außerhalb der Möglichkeiten einer Radiokohlenstoff-Datierung liegen. Dennoch ist der Trend klar: kleinere und feinere Faustkeile, sorgfältiger geformte und retuschierte Abschlagwerkzeuge und die Anwendung der Levallois-Technik in Regionen mit geeigneten Rohmaterialien.

Bei Kapthurin in der Nähe des Baringosees in Kenia, vor rund 200.000 Jahren, werden große Faustkeile aus Levallois-Abschlägen von langen klingen-ähnlichen Abschlägen begleitet. Bei Gademotta in Äthiopien sind ähnliche Entwicklungen vor etwa 160.000 Jahren zu beobachten. Etwa zur gleichen Zeit erscheinen auch rund um das Mittelmeer und in Westeuropa Industrien mit feinen, langen Abschlägen. Bakers Hole im südöstlichen England und Rocourt in Belgien sind zwei solcher Fundstellen.


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
KNM-ER 35232
KNM-ER 35232

Australopithecus anamensis

Elemente: L. LM1

Allia Bay, Kenia

09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet..
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden..
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
P.
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert..
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
S.
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
B.
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis 1.150 v..
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht..
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien..
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen..
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können.
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.
09.04.2020
Landwirtschaft begann im Amazonas vor 10.000 Jahren
Wie eine neue Studie zeigt, begannen die Menschen vor mehr als 10’000 Jahren im Südwesten des Amazonas mit dem Anbau von Maniok und Kürbissen, 8'000 Jahre früher als bisher angenommen..
27.03.2020
Auch Neandertaler aßen Muscheln, Fisch und Robben
Bereits die Neandertaler ernährten sich vor über 80.000 Jahren regelmäßig von Muscheln, Fisch und anderen Meeresbewohnern..
03.03.2020
Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache
So verzückt Eltern auch sind, wenn ihr Kleines das erste Mal „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“ brabbelt – ehe daraus Sätze entstehen, muss noch viel passieren..
25.02.2020
Ausgewandert
Sibirische Neandertaler stammten von verschiedenen europäischen Populationen ab
25.02.2020
Jede Mittelmeerinsel hat eigenes genetisches Muster
Schon vor der Zeit der mediterranen Seefahrerzivilisationen gab es prähistorische Wanderungen aus Afrika, Asien und Europa auf die Mittelmeerinseln..
18.02.2020
Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren
Aus prähistorischer Zeit liegen bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Ernährung der damaligen Tiere und Menschen vor..
18.02.2020
2.700 Jahre alter Tempel im äthiopischen Hochland entdeckt
E.
05.02.2020
Prähistorisches Skelett in Südmexiko entdeckt
Ein prähistorisches menschliches Skelett, das in Südmexiko geborgen werden konnte, ist mindestens 10.000 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der letzten Eiszeit..
28.01.2020
Neandertaler gingen für ihre Werkzeuge ins Wasser
Neandertaler sammelten Muschelschalen und Bimsstein aus den Küstengewässern, um sie als Werkzeuge zu benutzen.
06.01.2020
Forscher bestimmen das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus
Ein internationales Forscherteam hat das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus bestimmt, einem der direkten Vorfahren des modernen Menschen..
29.11.2019
Affen informieren Gruppenmitglieder über Gefahren
Menschen stehen oft vor der Wahl, ob sie zum Allgemeinwohl beitragen oder sich egoistisch verhalten und andere sich verausgaben lassen möchten..
25.11.2019
Menschliche Musikalität verbindet alle Kulturen: Kognitionsbiologen erforschen universelle Eigenschaften der Weltmusik
Ist Musik wirklich eine "universelle Sprache"? Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science unterstützen die These, dass Musik auf der ganzen Welt – trotz vieler Unterschiede – große Gemeinsamkeiten aufweist..