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Die Sprache des Neandertalers

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Der Neandertaler lebte in einer sprachlosen Welt - zu dieser Einsicht konnte man zumindest gelangen, wenn man die zahlreichen Analysen seiner Schädelbasis betrachtete, denn die Schädelwölbungen zeigten, dass der Kehlkopf höher im Hals gelegen haben muss, was die Vielfalt seiner Laute erheblich einschränken musste. Beim modernen Menschen sitzt der Kehlkopf tief unten im Hals und ermöglicht uns so ein breites Spektrum von Lauten. Dass die Neandertaler über eine Sprache miteinander kommunizierten, hielten viele Forscher deshalb für wenig wahrscheinlich.

Wie aber hätten die frühen Menschen ihr Überleben in der freien Natur ohne das entscheidende Mittel der Kommunikation sichern können? Homo neanderthalensis war perfekt an seine eiszeitliche Umwelt angepasst. Seine Steinwerkzeuge waren mit großem Können angefertigt, er machte Jagd auf Großwild wie etwa Mammuts oder Auerochsen, er nähte sich Kleidung und natürlich beherrschte er das Feuer. Wie hätten solche Überlebenstechniken von Generation zu Generation weitergegeben werden können, wenn nicht über Sprache?

Nur ein einziger fossiler Fund, als harter Beweis sozusagen, kann bis heute die Annahme für die Sprechfähigkeit der Neandertaler untermauern: das Zungenbein aus der Kebara-Höhle in Israel. Der unscheinbare kleine Knochen wurde 1983 in einem Grab eines erwachsenen Neandertalers gefunden. Die Überreste des Mannes sind etwa 60.000 Jahre alt, Brustkorb, Wirbelsäule, Arme und Hände sind erhalten - und eben diese kleine, knöcherne Struktur, die etwas über die Sprachfähigkeit der Neandertaler verrät.

Am Zungenbein, das die Form eines Hufeisens besitzt (siehe Bild rechts), setzen viele Bänder und Muskeln an, welche der Zunge ihre Beweglichkeit verleihen - die sie vor allem beim Reden braucht.

Konnten die Neandertaler also doch sprechen? Zumindest eine primitive Lautsprache trauen Paläoanthropologen unseren Vettern zu - ob H. neanderthalensis allerdings auch eine komplexe Sprache beherrschte, lässt sich aus den anatomischen Analysen des Neandertaler-Zungenbeins nicht ableiten.

Das Zungenbein aus der Kebara Höhle dient vielen Forschern als Beweis der Sprechfähigkeit der Neandertaler.

„Wissenschaftler wenden oft unterschiedliche Standards für Neandertaler und den frühen Homo sapiens an“, kritisiert der Wissenschaftler Francesco d'Errico von der Universität von Bordeaux. Er ist zusammen mit seiner Kollegin Marie Soressi vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie bei Ausgrabungen auf Mangan-Pigmentstücke gestoßen, die, so die Forscher, von Neandertalern zur Körperbemalung benutzt wurden. Auch trugen sie wie Homo sapiens Schmuckstücke in Form von Ketten aus Perlen. Beweise für den Sinn für Schönes, Bestattungen, Fürsorge für die Schwachen und soziale Zusammenarbeit würden stets unterschiedlich interpretiert. „Manche Archäologen bringen diese Eigenschaften beim frühen Homo sapiens gerne mit Sprache in Verbindung, verneinen den Zusammenhang allerdings im Fall des Neandertalers“, so Anthropologe Erik Trinkaus von der Washington University.

Neue Hinweise auf die Sprechfähigkeit von Neandertalern liefern indes auch genetische Untersuchungen von Wissenschaftlern um Johannes Krause und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Sie haben das Sprach-Gen FOXP2 (eng. Abkürzung für Forkhead-Box P2) bei Homo neanderthalensis sequenziert und ein Vergleich mit den Aminosäure-Sequenzen des Proteins von modernen Menschen zeigte, dass die Eiweiße von Homo sapiens und Neandertaler tatsächlich identisch sind. FOXP2 ist das einzige bislang bekannte Sprach-Gen, das vermutlich den Menschen befähigt, sich klar zu artikulieren und die Wörter beim Zuhören zu verstehen.

„Wissenschaftler wenden oft unterschiedliche Standards für Neandertaler und den frühen Homo sapiens an“, kritisiert der Wissenschaftler Francesco d'Errico von der Universität von Bordeaux. Er ist zusammen mit seiner Kollegin Marie Soressi vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie bei Ausgrabungen auf Mangan-Pigmentstücke gestoßen, die, so die Forscher, von Neandertalern zur Körperbemalung benutzt wurden. Auch trugen sie wie Homo sapiens Schmuckstücke in Form von Ketten aus Perlen. Beweise für den Sinn für Schönes, Bestattungen, Fürsorge für die Schwachen und soziale Zusammenarbeit würden stets unterschiedlich interpretiert. „Manche Archäologen bringen diese Eigenschaften beim frühen Homo sapiens gerne mit Sprache in Verbindung, verneinen den Zusammenhang allerdings im Fall des Neandertalers“, so Anthropologe Erik Trinkaus von der Washington University.

Neue Hinweise auf die Sprechfähigkeit von Neandertalern liefern indes auch genetische Untersuchungen von Wissenschaftlern um Johannes Krause und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Sie haben das Sprach-Gen FOXP2 (eng. Abkürzung für Forkhead-Box P2) bei Homo neanderthalensis sequenziert und ein Vergleich mit den Aminosäure-Sequenzen des Proteins von modernen Menschen zeigte, dass die Eiweiße von Homo sapiens und Neandertaler tatsächlich identisch sind. FOXP2 ist das einzige bislang bekannte Sprach-Gen, das vermutlich den Menschen befähigt, sich klar zu artikulieren und die Wörter beim Zuhören zu verstehen.

Um die Gene vergleichen zu können, mussten die Forscher an die DNA eines Neandertalers gelangen. Dazu nahmen sie Knochen von Überresten eines Neandertaler-Skeletts, das in der Höhle von El Sidrón in Nordspanien gefunden worden war. Unter sterilen Bedingungen wurden diese Knochen ausgegraben und vor Ort eingefroren, bevor sie ins Labor transportiert wurden. Dort wurden sie dann extrahiert und die Sequenzen analysiert. Um sicherzustellen, dass keine DNA eines Forschers sich mit der eines Neandertalers vermischt, untersuchten die Wissenschaftler auch das Y-Chromosom. Dieses unterscheidet sich nämlich von dem eines heutigen Mannes.

Das Forscherteam hat mit seinen Ergebnissen nicht nur die Evolution der Sprache in ein neues Licht gerückt. Gleichzeitig gelang es überhaupt, ein einzelnes Gen eines Neandertalers zu entschlüsseln. In ihrem Artikel, der in in einer Online-Ausgabe der Zeitschrift „Current Biology“ erschien, legen die Wissenschaftler nahe, dass die Anthropologie mittels Genanalyse vor dem Durchbruch stehe, die Sprachevolution des modernen Menschen und des Neandertalers zu enträtseln.

Allerdings räumt das Team auch ein, dass es möglicherweise andere Erklärungen für ihre Resultate gibt: Die gesammelten Proben könnten von Nachkommen von Neandertalern und Menschen, die gemeinsam Nachkommen gezeugt haben, stammen, so dass die modernen Gene vom Sapiens-Elternteil vererbt wurden. Es könnte auch sein, dass das FOXP2 durch Kontamination an der Fundstelle oder im Labor in die Proben gelangte.

Sollten Neandertaler tatsächlich gesprochen haben, bedeutet das jedoch nicht, sie hätten ähnlich wie moderne Menschen kommuniziert. In der Forschung gäbe es keinen Hinweis, dass sie jemals ein ähnlich hohes kulturelles Niveau erreicht hätten, wie Homo sapiens, erklärt der Linguist Phillip Lieberman von der Brown University. „Neandertaler besaßen Sprachvermögen, aber in ihren sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten waren sie den modernen Menschen unterlegen, die ihnen nachfolgten.“

Und Krause meint: „Bezogen auf dieses Gen gibt es also keinen Grund, warum der Neandertaler nicht die Fähigkeit zur Sprache gehabt haben sollte. Allerdings könnte die Sprachfähigkeit noch durch weitere, bislang unbekannte Gene beeinflusst werden“.


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