Australopithecus africanus

Kategorie:


Australopithecus africanus ist ein ausgestorbener, aufrecht gehender Vormensch aus der Unterfamilie Australopithecinae (innerhalb der Familie Hominidae), der in Süd- und Ostafrika verbreitet war.

Historisches

Die Art Australopithecus africanus wurde im Februar 1925 von Raymond Dart in einer Ausgabe der Zeitschrift Nature ins Leben gerufen. Dart war einer der Pioniere der Paläoanthropologie und verursachte ziemlichen Aufruhr, als er einen fossilen Kinderschädel aus Taung - das Taung-Baby - als Hominiden bezeichnete. Weitere Funde von Australopithecus africanus stammen aus den Höhlen von Sterkfontein und Makapansgat. Diese Fossilien spielen seit langem eine wichtige Rolle in unserem Verständnis der frühen Evolution des Menschen (z. B. Tobias, 1983).

Die vorherrschende Meinung des wissenschaftlichen Establishments zur Zeit Darts war, dass man die Vorfahren des Menschen nur in Europa finden könnte und dass diese trotz aller zu erwartender Primitivität schon ein höher entwickeltes Gehirn besessen haben mussten.

Diese Einstellung ist besser zu verstehen, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass in jenen Tagen die einflussreichsten Wissenschaftler (Keith, Smith-Woodward) soeben dem Piltdown-Schwindel aufgesessen waren. Darts Behauptung, das Kind von Taung sei ein Hominide gewesen, wurde hauptsächlich von jenen abgelehnt, die in dem Fundmaterial lediglich einen jungen Schimpansen oder Gorilla sahen. Auch das ist verständlich, denn obendrein stammten die Überreste von einem Kind - und juvenile Fossilien eignen sich eben nicht besonders gut, um daraus Rückschlüsse auf das erwachsene Individuum zu ziehen. So glaubten viele Forscher, dass sich das Kind von Taung lediglich zu einem gewöhnlichen Schimpansen entwickelt hätte.

Aufgrund der ablehnenden oder gar feindseligen Haltung seiner Kollegen hat Raymond Dart die Ausgrabungen bei Taung nie fortgeführt, und so ist das Kind von Taung das einzige Fossil geblieben, das jemals an diesem Ort gefunden wurde. Erst zwanzig Jahre später bestätigten Fundorte wie Sterkfontein Darts Ideen.

Obwohl die Gattungsbezeichnung Australopithecus ein Mischwort aus Latein ("australo") und Griechisch ( "pithecus") ist, wurde der Name beibehalten. Er bezeichnet jene Gruppe von Vormenschen in Afrika, die sich dort vor etwa 4½ bis 2 Millionen Jahren tummelten. Den Namen Australopithecus africanus tragen heute über tausend Fundstücke aus Südafrika. Dart schloss einzig aufgrund der Position des Foramen magnum - das ist die Öffnung an der Unterseite des Schädels, durch die das Rückenmark führt - dass Australopithecus africanus aufrecht ging. Dies wurde später eindrucksvoll durch Fossilien wie STS 14 bestätigt. Einen direkten Hinweis auf den aufrechten Gang der Australopithecinen gaben die von Mary Leakey entdeckten "Laetoli Footprints", eine ungefähr 20m lange, in frischer Vulkanasche hinterlassene Fußspur.

Aufgrund der ablehnenden oder gar feindseligen Haltung seiner Kollegen hat Raymond Dart die Ausgrabungen bei Taung nie fortgeführt, und so ist das Kind von Taung das einzige Fossil geblieben, das jemals an diesem Ort gefunden wurde. Erst zwanzig Jahre später bestätigten Fundorte wie Sterkfontein Darts Ideen.

Obwohl die Gattungsbezeichnung Australopithecus ein Mischwort aus Latein ("australo") und Griechisch ( "pithecus") ist, wurde der Name beibehalten. Er bezeichnet jene Gruppe von Vormenschen in Afrika, die sich dort vor etwa 4½ bis 2 Millionen Jahren tummelten. Den Namen Australopithecus africanus tragen heute über tausend Fundstücke aus Südafrika. Dart schloss einzig aufgrund der Position des Foramen magnum - das ist die Öffnung an der Unterseite des Schädels, durch die das Rückenmark führt - dass Australopithecus africanus aufrecht ging. Dies wurde später eindrucksvoll durch Fossilien wie STS 14 bestätigt. Einen direkten Hinweis auf den aufrechten Gang der Australopithecinen gaben die von Mary Leakey entdeckten "Laetoli Footprints", eine ungefähr 20m lange, in frischer Vulkanasche hinterlassene Fußspur.

Zähne und Ernährung

Von Australopithecus africanus kennt man sehr viele Zähne, wenn auch nicht so viele wie von Australopithecus afarensis. Sie zeigen im Vergleich zu A. afarensis mehrere wichtige Unterschiede. Vergleicht man die Größe der Zähne, beginnend mit Australopithecus anamensis über Australopithecus afarensis bis zu Australopithecus africanus (ohne Verwandtschaftsverhältnisse ausdrücken zu wollen), so nimmt die Größe der Eckzähne kontinuierlich ab, die Größe der Backenzähne hingegen nimmt in dieser Reihenfolge leicht zu.

Im Verhalten waren sich Australopithecus africanus und A. afarensis wahrscheinlich sehr ähnlich. Die Bedeutung der Eckzähne als Waffen, wie bei den Menschenaffen üblich, nimmt also immer mehr ab. Die größer werdenden Mahlzähne deuten darauf hin, dass A. africanus seine Nahrung stärker kauen mußte als A. afarensis. Allgemein ernährten sich beide von weicherer, weniger grober Kost als der spätere Australopithecus robustus. Es scheint so, als ob die Nahrungsmittel der südafrikanischen Homininen saisonal unterschiedlich war, wobei der Schwerpunkt auf einer aus Früchten bestehenden Nahrung liegt, die mit Samen und anderen harten Pflanzenteilen zerkaut wurde.

Schädel

Es gibt eine gewisse Anzahl gut erhaltener Schädel von Australopithecus africanus, die genauere Aussagen über Beziehungen zu anderen Arten zulassen. Einige der besser bekannten Stücke sind STS 5 (Mrs. Ples), ein 2,5 Millionen Jahre alter Schädel eines männlichen Erwachsenen mit einem Gehirnvolumen von 485 Kubikzentimeter, STS 71, ein 2,5 Millionen Jahre alter, männlicher Teilschädel mit einem geschätzten Gehirnvolumen von 428 Kubikzentimeter, STW 505, ein Individuum mit einem geschätzten Gehirnvolumen von 625 Kubikzentimeter, und das Typusexemplar für Australopithecus africanus, das Taung-Baby. Das Gesicht der africanus Schädel ist eine Mischung aus modernen und archaischen Merkmalen, mit Ähnlichkeiten (und Unterschieden) zu Australopithecus afarensis.

Die Beziehung zu A. afarensis

Der Australopithecus africanus wird von verschiedenen Forschern aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Einige sehen in ihm eine regionale Variante - oder Unterart - von Australopithecus afarensis. Andere vermuten, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche Arten handelt, und einige meinen, Australopithecus africanus ist der Nachfahre von Australopithecus afarensis. Weitere wichtige Fragen sind, ob die Fossilien zu zwei oder mehr Arten gehören, ob sie von einer einzigen Art mit ausgeprägtem sexuellen Dimorphismus stammen, oder ob sie von einer einzigen Art stammen, die sehr variabel war. Es scheint sich die Ansicht durchzusetzen, dass A. afarensis und A. africanus den Status der getrennten Arten verdienen, sowohl wegen der offensichtlichen Unterschiede im Fundmaterial als auch wegen der geografischen Entfernung von beiden. Eine weitere sehr wichtige Frage in der Debatte ist, ob und in welcher Verwandtschaftsbeziehung Australopithecus africanus zum modernen Menschen steht.

Literatur

Raymond A. Dart: Australopithecus africanus: The man-ape of South Africa. Nature, Band 115 (1925), S. 195-199 (Der Artikel als pdf)

Tobias P. V.1983. Hominid evolution in Africa. Can. J. Anthropol. 3:163-190

McHenry H. M. 1986. The first bipeds: A comparison of the A. afarensis and A. africanus postcranium and implications for the evoluion of bipedalism. Journal of Human Evolution. 15:177-191

Tobias, P.V. 1992. "New researches at Sterkfontein and Taung with a note on Piltdown and its relavence to the history of paleo-anthropology." In Transactions of the Royal Society of South Africa, vol. 48, pp. 1-14.

Johanson, D., und B. Edgar. 2000, Lucy und ihre Kinder. Spektrum akad. Verlag ISBN: 3-8274-1049-5


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
MNHNP-TER M
MNHNP-TER M

Theropithecus oswaldi

Elemente: R. LM2

Ternifine, Algerien

09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet..
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden..
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
P.
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert..
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
S.
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
B.
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis 1.150 v..
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht..
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien..
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen..
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können.
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.
09.04.2020
Landwirtschaft begann im Amazonas vor 10.000 Jahren
Wie eine neue Studie zeigt, begannen die Menschen vor mehr als 10’000 Jahren im Südwesten des Amazonas mit dem Anbau von Maniok und Kürbissen, 8'000 Jahre früher als bisher angenommen..
27.03.2020
Auch Neandertaler aßen Muscheln, Fisch und Robben
Bereits die Neandertaler ernährten sich vor über 80.000 Jahren regelmäßig von Muscheln, Fisch und anderen Meeresbewohnern..
03.03.2020
Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache
So verzückt Eltern auch sind, wenn ihr Kleines das erste Mal „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“ brabbelt – ehe daraus Sätze entstehen, muss noch viel passieren..
25.02.2020
Ausgewandert
Sibirische Neandertaler stammten von verschiedenen europäischen Populationen ab
25.02.2020
Jede Mittelmeerinsel hat eigenes genetisches Muster
Schon vor der Zeit der mediterranen Seefahrerzivilisationen gab es prähistorische Wanderungen aus Afrika, Asien und Europa auf die Mittelmeerinseln..
18.02.2020
Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren
Aus prähistorischer Zeit liegen bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Ernährung der damaligen Tiere und Menschen vor..
18.02.2020
2.700 Jahre alter Tempel im äthiopischen Hochland entdeckt
E.
05.02.2020
Prähistorisches Skelett in Südmexiko entdeckt
Ein prähistorisches menschliches Skelett, das in Südmexiko geborgen werden konnte, ist mindestens 10.000 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der letzten Eiszeit..
28.01.2020
Neandertaler gingen für ihre Werkzeuge ins Wasser
Neandertaler sammelten Muschelschalen und Bimsstein aus den Küstengewässern, um sie als Werkzeuge zu benutzen.
06.01.2020
Forscher bestimmen das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus
Ein internationales Forscherteam hat das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus bestimmt, einem der direkten Vorfahren des modernen Menschen..
29.11.2019
Affen informieren Gruppenmitglieder über Gefahren
Menschen stehen oft vor der Wahl, ob sie zum Allgemeinwohl beitragen oder sich egoistisch verhalten und andere sich verausgaben lassen möchten..
25.11.2019
Menschliche Musikalität verbindet alle Kulturen: Kognitionsbiologen erforschen universelle Eigenschaften der Weltmusik
Ist Musik wirklich eine "universelle Sprache"? Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science unterstützen die These, dass Musik auf der ganzen Welt – trotz vieler Unterschiede – große Gemeinsamkeiten aufweist..