Ghedoghedo / Wikimedia Commons

Die Datierung von Fossilien und Artefakten

Kategorie:


Nur wenn man das Alter paläontologischer und archäologischer Funde abschätzen kann, läßt sich für die Evolution ein zeitlicher Ablauf rekonstruieren. Glücklicherweise kennt man mehrere Methoden, von denen Geologen oder Geochronologen in der Regel an jeder Fundstelle mindestens eine anwenden können. Die ersten gut dokumentierten Fossilien von Primaten stammen aus der späten Kreidezeit. Paläontologen, die sich mit der Evolution der Primaten beschäftigen, werden also in erster Linie an Techniken interessiert sein, die man zur Altersbestimmung von Fossilien der letzen 70 Millionen Jahre heranziehen kann.

Man kennt zwei Gruppen solcher Techniken: die relative und die absolute Datierung. Die relativen Methoden besagen, dass ein bestimmtes Fossil oder Artefakt jünger oder älter ist als ein anderes. Sie geben aber kein Alter in Jahreszahlen an, beispielsweise sind Gesteine oder Sedimente in einer senkrechten Schichtenfolge um so jünger, je weiter oben sie liegen -vorausgesetzt, die Anordnung wurde nicht gestört. Das ist das geologische Prinzip der Überlagerung, das im 19. Jahrhundert von Nicolaus Steno formuliert wurde.

Biostratigraphie

Eine bekannte Methode aus der Gruppe der relativen Datierung ist die Biostratigraphie. Manchmal ist diese Methode die einzigte Möglichkeit, um das Alter weit voneinander entfernter Fossilfundstellen zu vergleichen. Sie bedient sich der fossilen Überreste weit verbreiteter Tierarten, die sich im Laufe der Evolution deutlich verändert haben. In Afrika und dem Nahen Osten sind dies vor allem Nagetiere, Elefanten, Antilopen und Schweine.

Mit der Biostratigraphie konnte man eine Zeittafel für die fossilreichen südafrikanischen Kalksteinhöhlen von Swartkrans und Sterkfontein aufstellen, wo es kein geeignetes vulkanisches oder radioaktives Gestein für die absolute Datierung gibt. Außerdem ist die Biostratigraphie ein gutes Gegengewicht zu der eher technisch orientierten absoluten Datierung. So erkannte man zum Beispiel durch die Untersuchung von Schweinezähnen einen Fehler in der Kalium-Argon-Datierung des KBS-Tuffsteins in Koobi Fora in Kenia, so dass man das Alter von Fossilien wie KNM-ER 1470 um über eine halbe Million Jahre korrigieren mußte.

Die genauere Methode zur Altersbestimmung von Fossilien und Artefakten ist die absolute Datierung. Meist handelt es sich um radiometrische Methoden, die sich den gleichmäßig fortschreitenden Zerfall bestimmter Isotope - das sind Varianten eines chemischen Elements - zunutze machen. Fossile Knochen selbst kann man nur selten präzise datieren - gelungen ist dies nur in wenigen Fällen bei Fundstücken aus dem Holozän oder dem späten Pleistozän. Im Allgemeinen kann man das Alter von derart alten Fundstücken nur bestimmen, wenn man den geologischen Fundkontext in Augenschein nimmt und Gesteinsproben aus dem Fundhorizont des Fossils entnimmt.

Die Datierung von Fossilien beginnt in also der Regel damit, die geologische Gegebenheiten in der Umgebung der Fundstelle zu bestimmen und danach die Funde datierbaren Gesteinsschichten zuzuordnen. Sobald dies gelungen ist, können Geologen das Alter von Fossilien durch die Altersbestimmung von darunterliegenden oder darüberliegenden stratigraphischen Abschnitten einschätzen.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Ingenieure und Wissenschaftler verschiedene Techniken zur Altersbestimmung von Gesteinen und Mineralien entwickelt. Diese kann man in drei Kategorien einteilen:

  • Radiometrische Methoden:

  • Techniken, die auf langsamen chemischen Prozessen basieren:

    • beispielsweise Aminosäure Racemisierung

  • Methoden, die eine genaue Kalibrierung durch radioaktive oder chemische Standards erforden:

    • beispielsweise Paläomagnetismus, Biochronologie und Tephrochronologie.

Jede dieser Techniken kann nur auf einen bestimmten Zeitabschnitt oder für bestimmte Materialien angewendet werden, außerdem braucht man ein Ereignis, um die "geologische Uhr" zu stellen. Jede Technik, die man in den entsprechenden Fachbereichen anwendet, birgt auch eine gewisse Unsicherheit im Ergebnis.


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
KNM-SO 540
KNM-SO 540

Proconsul gordoni

Elemente: R. MAN (dm2)

Songhor, Kenia

06.08.2020
Langer Hals half Saurier bei Unterwasserjagd
Sein Hals bestand aus dreizehn extrem verlängerten Wirbeln und war dreimal so lang wie sein Rumpf: Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus lebte vor 24...
06.08.2020
Ein Riesenkranich aus dem Allgäu
Forschungsteam beschreibt rund elf Millionen Jahre alten Vogelschädel von der Fundstelle Hammerschmiede als frühesten Nachweis eines großen Kranich...
04.08.2020
Jonah’s Mausmaki: Internationales Forscherteam entdeckt in Madagaskar neue Primatenart
Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus sechs Ländern hat in Madagaskar eine neue Mausmaki-Art entdeckt. Das Forscherte...
31.07.2020
Bisher älteste Bissspuren von Säugetieren auf Dinosaurierknochen entdeckt
Forschungsteam der Universität Tübingen belegt, dass kleine Säuger aus dem Nordwesten Chinas vor 160 Millionen Jahren Aas nicht verschmähten.
30.07.2020
Wie die Landwirtschaft ins Ammertal einzog
Forschungsprojekt erstellt geoarchäologisches Archiv der ersten Mensch-Umwelt Interaktionen in Tübinger Region: Landschaft wandelte sich vom Feuchtg...
30.07.2020
55 Millionen Jahre altes Skelett einer Eule
Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat mit Kollegen aus Belgien und den USA eine neue fossile Eulenart beschrieben. Das Skelett von Primoptynx po...
25.07.2020
Kluge Köpfe entwickeln geschickte Hände
Affenarten mit grossen Gehirnen beherrschen schwierigere Handgriffe als solche mit kleinen Hirnen. Doch das Erlernen feinmotorischer Fähigkeiten wie ...
25.07.2020
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Schmerz wird durch spezielle Nervenzellen übertragen, die aktiviert werden, wenn potenziell schädliche Einflüsse auf verschiedene Teile unseres Kö...
20.07.2020
Werkzeug-Satz aus Elfenbein
Meißel aus Mammutstoßzähnen wurden vor 38.000 Jahren multifunktional eingesetzt – Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgesc...
16.07.2020
Schwanz wog zweieinhalb Tonnen
Ein Forscherteam unter der Leitung von Verónica Díez Díaz, Postdoktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Museum für Naturkunde Be...
14.07.2020
Katzen: Unabhängig seit 6000 Jahren
Forschende des Senckenberg Centers for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team die Na...
14.07.2020
Dem Vergessen entrissen – 57 Jura-Muschelarten in fränkischer Tongrube entdeckt
Paläontologen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) in München und der Universität Erlangen untersuchten 7.00...
09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet. Das belegen Analysen eines fast v...
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden. Denn dort herrscht...
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
Protokolle zur Umwandlung von pluripotenten Stammzellen (iPSC) in Organoide, Mini-Organe, ermöglichen es Forschern Entwicklungsprozesse in verschiede...
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert. Einer dieser beiden Neandertaler stammte aus der Vind...
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
Schon vor mehr als 3000 Jahren gab es Krieg: Der nun abgeschlossene LOEWE-Schwerpunkt „Prähistorische Konfliktforschung“ von Goethe-Universität ...
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
Bislang ältester Grünkernfund: Forschung der Uni Hohenheim weist erstmals nach, dass es sich bei Funden aus Keltensiedlung von Hochdorf um bis heute...
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis ...
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger...
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien. Diese wurden auf ein Alter ...
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen. Die Wurzeln der für die Sprache entsche...
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden kö...
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.