Kniegelenk - AL-129

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FUNDFUNDORTALTERENTDECKERDATUM
Kniegelenk eines ErwachsenenHadar, Äthiopien3,4 Millionen JahreDonald C. Johanson30. Oktober 1972
VERÖFFENTLICHUNG
Johanson, D. C. und T. Taieb, 1976. A preliminary anatomical diagnosis of the first plio/pleistocene hominid discoveries in the central Afar, Ethiopia.Am. J. Phys. Anthropol. 45: 217-234. DOI: 10.1002/ajpa.1330450209

Ein internationales Forscherteam hielt sich im Jahr 1972 nur wenige Tage im Gebiet von Hadar in Äthiopien auf. Um so überraschender ist es, dass sie auf eine unglaubliche Zahl gut erhaltener, durch Erosion geologischer Schichten freigelegter Fossilien stießen. Die Auswertung der Fundstücke, hauptsächlich Elefanten und Schweine, legte ein Alter von weit mehr als drei Millionen Jahren nahe. Bis zu diesem Jahr kannte man nur wenige derart alte Fossilien von Homininen und das Team hoffte deshalb nun solche Stücke auch in Hadar finden zu können. Für das Jahr 1973 plante man also mit großen Erwartungen eine erste Erkundungsexpedition.



Die Mitglieder des International Afar Research Project, wie man die Expedition nannte, begannen mit der systematischen Erkundung der Oberschichten in der einsamen Gegend von Hadar. Das Ziel war zweifelsohne das Auffinden von menschlichen Fossilien oder ihrer Vorfahren. Neue Funde konnten zu dieser Zeit unschätzbare neue Erkenntnisse über einen wenig bekannten Zeitraum der menschlichen Evolution erbringen. Der Zufall wollte es, dass der erste bedeutende Fund von Hadar tatsächlich in einer der ältesten geologischen Schichten lag.

Ein kleines Bruchstück eines fossilen Knochen, das aus den weichen Sedimenten herausragte, war in einer Weise zerbrochen, dass ein Querschnitt durch den Knochen frei lag. Der wichtigste Teil - das Ende des Gelenkkopfes – wurde als das obere Ende eines Schienbeins (Tibia) identifiziert und man vergab die Fund-Nummer AL. 129-1 b. Das Stück war so winzig, dass es leicht mit dem Schienbein eines kleinen Primaten verwechselt werden konnte.

Der Knochen wurde zunächst an der genauen Stelle belassen, an der man ihn fand. Als die Forscher weiter suchten, zum Teil auf Knien oder auf allen Vieren, fand man auch das Gegenstück, das distale untere Ende eines Oberschenkelknochens (Femur), der heute die Bezeichnung A.L. 129-1 a trägt. Die Färbung beider Fossilien ist identisch, darüber hinaus konnte man beim Zusammenfügen beider Teile erkennen, dass sie einst offensichtlich zu ein und demselben Individuum gehörten, denn man konnte die Gelenkflächen genau einander anpassen, so wie sie während des Lebens dieses vor 3,4 Millionen Jahren dahingeschiedenen Homininen gepasst hätten.

Die anatomischen Besonderheiten des Knies lieferten dann auch erstaunliche Hinweise auf die Fortbewegungsart: Anhand einer Vielzahl von typischen Merkmalen war man in der Lage zu behaupten, dass dieses Knie einem aufrecht gehenden Lebewesen gehörte. Drei Eigenschaften führen die Forscher als Beleg an:

  1. Der Schaft des Oberschenkelknochens stand in einem Winkel, durch den der obere Gelenkkopf ins Becken passte.
  2. Die seitliche Kondyle (eine der beiden Verdickungen, die auf dem Schienbein aufliegen) war abgeflacht und von vorn nach hinten verlängert, was beim Gehen eine bessere Übertragung des Körpergewichts auf das Schienbein ermöglicht.
  3. Die Vertiefung für die Patella (Kniescheibe) am Oberschenkelknochen hatte einen erhöhten Rand, so dass sich die Kniescheibe nicht verschieben konnte.

Der Knochen wurde zunächst an der genauen Stelle belassen, an der man ihn fand. Als die Forscher weiter suchten, zum Teil auf Knien oder auf allen Vieren, fand man auch das Gegenstück, das distale untere Ende eines Oberschenkelknochens (Femur), der heute die Bezeichnung A.L. 129-1 a trägt. Die Färbung beider Fossilien ist identisch, darüber hinaus konnte man beim Zusammenfügen beider Teile erkennen, dass sie einst offensichtlich zu ein und demselben Individuum gehörten, denn man konnte die Gelenkflächen genau einander anpassen, so wie sie während des Lebens dieses vor 3,4 Millionen Jahren dahingeschiedenen Homininen gepasst hätten.

Die anatomischen Besonderheiten des Knies lieferten dann auch erstaunliche Hinweise auf die Fortbewegungsart: Anhand einer Vielzahl von typischen Merkmalen war man in der Lage zu behaupten, dass dieses Knie einem aufrecht gehenden Lebewesen gehörte. Drei Eigenschaften führen die Forscher als Beleg an:

  1. Der Schaft des Oberschenkelknochens stand in einem Winkel, durch den der obere Gelenkkopf ins Becken passte.
  2. Die seitliche Kondyle (eine der beiden Verdickungen, die auf dem Schienbein aufliegen) war abgeflacht und von vorn nach hinten verlängert, was beim Gehen eine bessere Übertragung des Körpergewichts auf das Schienbein ermöglicht.
  3. Die Vertiefung für die Patella (Kniescheibe) am Oberschenkelknochen hatte einen erhöhten Rand, so dass sich die Kniescheibe nicht verschieben konnte.

Darüber hinaus zeigen die fossilen Knochen an der Vorder- und Rückseite Absplitterungen, die vermutlich von einer großen Katze oder einer Hyäne stammen, die sich an dem noch frischen Knochen gütlich tat. Noch interessanter finden Johanson et al. (1976), dass das linke rumpfnahe Oberschenkelfragment etwa 18 Meter von den anderen Stücken entfernt lag, was die Forscher vermuten ließ, dass ein urtümlicher Räuber die Überbleibsel unseres nahen Verwandten über die vorgeschichtliche Landschaft verteilt hat.

Das Kniegelenk von Hadar ist heute vielleicht nicht mehr der älteste Beweis für ein aufrechtes Formbewegungsverhalten unserer frühen Ahnen, doch seine Entdeckung rechtfertigte weitere Feldstudien - nicht nur bei Hadar, sondern auch in vielen anderen Regionen Äthiopiens.

Literatur

Johanson, D. C., Lovejoy, C. O, Heiple, K. G. 1976. Functional implications of the Afar knee joint. Am. J. Phys. Anthropol. 45, p. 180

DOI: 10.1016/S0047-2484(86)80044-6


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