Die wissenschaftliche Revolution

Kategorie:


Die Saat der neuen, wissenschaftlichen Denkweise keimte in den Köpfen griechischer Denker. Der Athener Philosoph Plato (427 bis 347 v. Chr.) sah das Denken als eine von schwankenden sinnlichen Wahrnehmungen unabhängige Quelle der Erkenntnis. Er und seine Anhänger beschrieben die Welt als harmonisches, unveränderliches Gebilde, in dem beobachteter Wandel auf Illusionen beruhe: Allein begriffliches Denken erlaube den Vorstoß zu den Urbildern einer rein geistigen Wirklichkeit, zu den Ideen.

Aristoteles, der von 384 bis 322 v. Chr. lebende Schüler Platos (und Lehrer Alexanders des Großen), setzte sich über das statische Weltbild seines Meisters hinweg und griff den Gedanken von einer auf ein Ziel gerichteten Entwicklung auf: Alle Dinge sind unterwegs zur Verwirklichung ihres einwohnenden Wesens, ihrer Idee. Der große Philosoph erkannte als erster, dass zwischen der embryonalen Entwicklungsgeschichte eines einzelnen Menschen (der Ontogenese) und dem verschieden hohen Entwicklungsstand unterschiedlicher Tierarten (der Phylogenese) eine auffällige Ähnlichkeit besteht. Aristoteles' Genie läßt, mehr als 2000 Jahre vor Darwin, an grobe Züge der Evolutionstheorie denken, wenn er die Tiere nach der zunehmenden Perfektion ihrer Fortpflanzung in fünf Gruppen - von den Insekten bis zu den Säugetieren - einteilt und die Entwicklung des menschlichen Embryos von einem «pflanzenhaften» Stadium bis hin zum Eintritt einer «rationalen Seele» beschreibt. Aristoteles bemerkte die körperliche Ähnlichkeit von Affen und Menschen - und er erkannte den entscheidenden Unterschied zwischen Mensch und Tier: «Von allen Tieren hat der Mensch im Verhältnis zu seiner Größe das größte Gehirn

Die Erkenntnisse der griechischen Denker dienten rund zwei Jahrtausende lang als Richtlinien für die gelehrte Welt. Während Europa nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs ins Mittelalter verdämmerte, bewahrten Gelehrte in den neu entstandenen geistigen Zentren des Islam das große Erbe der Griechen, entwickelten sie Mathematik und Astronomie weiter. Erst als die Seefahrer Spaniens und Portugals zu neuen (geographischen) Ufern aufbrachen, stießen auch die Denker der Renaissance zu neuen (geistigen) Gestaden vor.

Das Jahr 1543 markiert den Aufbruch der Wissenschaft mit drei bedeutsamen Buch-Veröffentlichungen: Die erste Übersetzung der Mathematik und Physik des genialen griechischen Technikers Archimedes (ca. 287 bis 212 v.Chr.) erschien; der Anatom Andreas Vesalius gab seine bis dahin unerreicht korrekten Zeichnungen der menschlichen Anatomie in dem revolutionären Band »De humani corporis fabrica« heraus; Nikolaus Kopernikus veröffentlichte sein bahnbrechendes Werk, das die Sonne als den Mittelpunkt des Universums beschrieb. Unter dem Ansturm der sezierenden und analysierenden Gelehrten zerbröselte das schöne Bild von der wohlgeordneten Schöpfung Gottes, das den Menschen und seine Erde in den Mittelpunkt des kosmischen Geschehens gestellt hatte.


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
KNM-MW 56
KNM-MW 56

Proconsul africanus

Elemente: LP4

Mfwangano, Kenia

24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...
03.09.2020
Künstliche Intelligenz hilft in der Archäologie
Künstliche Intelligenz ist besser als bisherige Softwareanwendungen in der Lage, den Ursprung archäologischer Funde aus naturwissenschaftlichen Unte...
26.08.2020
Bronzezeit: Fremde Ernährungstraditionen in Europa
Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit beeinflusste auch ein neues Lebensmittel die ökonomische...
26.08.2020
Wie sich Neandertaler an das Klima anpassten
Klimaveränderungen kurz vor ihrem Verschwinden lösten bei den späten Neandertalern in Europa eine komplexe Verhaltensänderung aus: Sie entwickelte...
17.08.2020
Radiokarbonuhr zur C-14 Datierung neu geeicht
Die Radiokarbondatierung wird genauer als je zuvor: Als Teil eines internationales Forschungsteam trug die Universität Hohenheim dazu bei die Technik...
06.08.2020
Langer Hals half Saurier bei Unterwasserjagd
Sein Hals bestand aus dreizehn extrem verlängerten Wirbeln und war dreimal so lang wie sein Rumpf: Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus lebte vor 24...