Eiszeitkunst - Höhepunkt prähistorischer Kreativität

Kategorie:


Die phantastischen Malereien auf den Wänden der Höhle von Lascaux im Südwesten Frankreichs zeigen lebensnahe Formen von Pferden, Hirschen und Rindern. Sie scheinen herauszuspringen aus der glänzenden kristallinen Oberfläche, auf die sie vor 14.000 Jahren gemalt wurden. Es sind keine sorgfältigen Porträts ruhig verharrender Tiere, sondern kühne Bilder voller unbändiger Kraft, Bewegung und Lebensfülle.

Gleichsam als wolle sie vor der seltsamen, gehörnten, einem Zauberer gleichenden Gestalt in der Nähe des Eingangs fliehen, galloppiert eine Herde urgeschichtlicher Tiere dem tieferen Hintergrund der Höhle zu. Vier riesige weiße, schwarz eingefasste Stiere beherrschen die Höhle an der Stelle, wo sie sich zu einer weiten Rundung öffnet, der »Halle der Stiere«. Eine Unmenge kleinerer Tiere läuft den großen zwischen den Beinen herum. Trabende Pferde, angespannt verhoffende Hirsche und ausgelassene Fohlen heben sich von Decke und Wänden in Schwarz, Rot und Gelb ab, hier in kräftigen Umrissen, dort nur als geheimnisvolle Andeutung. Einige Bilder verdecken andere; manche sind riesig, manche winzig. Ein prächtiges purpurrotes Pferd mit üppig wehender schwarzer Mähne scheint in wilder Karriere zwei großen Stieren entgegenzuspringen.

Geometrische Figuren und Reihen schwarzer Punkte erhöhen den geheimnisvollen Eindruck der "Halle der Stiere". Man verläßt Lascaux, geblendet von der Helle der kleinen baumbestandenen Lichtung, die den Höhleneingang umgibt, in dem Bewußtsein, eine uralte und außergewöhnliche Welt hinter sich zu lassen. Man bewundert die künstlerische Fertigkeit, die sich in diesen alten Bildern offenbart. Am stärksten jedoch werden die Gedanken zurückgelenkt durch die Jahrtausende zu den Menschen, die diese Bilder schufen. Was bewegte sie? War die Höhle ein geweihter Ort oder ein Heiligtum? Wurden jagdzauberische Szenen aufgeführt? Wurden vor den gerade vollendeten Bildern jahreszeitliche oder der Stammesgemeinschaft dienende Kulthandlungen vollzogen? Oder schwelgten diese Menschen ganz einfach in dem sinnlichen Genuß ihrer künstlerischen Schöpfungen?

Lascaux und das als erstes unter den ausgemalten Höhlen entdeckte Altamira sind zweifellos die großartigsten Zeugnisse prähistorischer Kunst in Europa. Die Höhlenkunst bildet meistens Tiere ab, doch gibt es auch einige abstrakte Motive, wie Gruppen von Punkten, Mäandermuster, Gittermuster, bei denen mitunter die einzelnen Felder in verschieden Farben angelegt sind. Das weitaus am häufigsten dargestellte Tier ist das Wildpferd, gefolgt von Wisent und Wildrind, die zusammen beinahe sechzig Prozent aller Tierbilder ausmachen. Der Rest besteht vor allem aus Rotwild, Mammut und Steinbock, dazu noch Rentier, gewisse Antilopen, Ziege, Wildschwein, Nashorn und eine Anzahl von Raubtieren, wie Löwe, Hyäne, Fuchs und Wolf.

Nur selten finden sich Vögel oder Fische. Seltsam ist auch, dass es nur ganz wenige Darstellungen von Menschen gibt. Diese wenigen sind fast ausnahmslos skizzenhafte Umrisse, die die menschliche Form nur andeuten, und nicht naturgetreue Porträts, deren die Eiszeitkünstler, wie wir wissen, wohl fähig gewesen wären. Nur in der bemerkenswerten Höhle von La Marche in Westfrankreich finden sich Bilder, die geradezu an Porträtskizzen heranreichen, wobei aber viele eigentlich schon Karikaturen sind. Was es jedoch öfter gibt, sind Farbabdrücke von Händen und in vielen Fällen auch Umrisse, die dadurch entstanden sind, dass die Hand flach an die Höhlenwand gedrückt und dann darum herum gemalt wurde. Sie scheinen sagen zu sollen: »Ich bin hier gewesen.«

Lascaux und das als erstes unter den ausgemalten Höhlen entdeckte Altamira sind zweifellos die großartigsten Zeugnisse prähistorischer Kunst in Europa. Die Höhlenkunst bildet meistens Tiere ab, doch gibt es auch einige abstrakte Motive, wie Gruppen von Punkten, Mäandermuster, Gittermuster, bei denen mitunter die einzelnen Felder in verschieden Farben angelegt sind. Das weitaus am häufigsten dargestellte Tier ist das Wildpferd, gefolgt von Wisent und Wildrind, die zusammen beinahe sechzig Prozent aller Tierbilder ausmachen. Der Rest besteht vor allem aus Rotwild, Mammut und Steinbock, dazu noch Rentier, gewisse Antilopen, Ziege, Wildschwein, Nashorn und eine Anzahl von Raubtieren, wie Löwe, Hyäne, Fuchs und Wolf.

Nur selten finden sich Vögel oder Fische. Seltsam ist auch, dass es nur ganz wenige Darstellungen von Menschen gibt. Diese wenigen sind fast ausnahmslos skizzenhafte Umrisse, die die menschliche Form nur andeuten, und nicht naturgetreue Porträts, deren die Eiszeitkünstler, wie wir wissen, wohl fähig gewesen wären. Nur in der bemerkenswerten Höhle von La Marche in Westfrankreich finden sich Bilder, die geradezu an Porträtskizzen heranreichen, wobei aber viele eigentlich schon Karikaturen sind. Was es jedoch öfter gibt, sind Farbabdrücke von Händen und in vielen Fällen auch Umrisse, die dadurch entstanden sind, dass die Hand flach an die Höhlenwand gedrückt und dann darum herum gemalt wurde. Sie scheinen sagen zu sollen: »Ich bin hier gewesen.«


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
BP 1304
BP 1304

Sivapithecus darwini

Elemente: L. LP3

,

09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet..
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden..
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
P.
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert..
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
S.
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
B.
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis 1.150 v..
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht..
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien..
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen..
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können.
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.
09.04.2020
Landwirtschaft begann im Amazonas vor 10.000 Jahren
Wie eine neue Studie zeigt, begannen die Menschen vor mehr als 10’000 Jahren im Südwesten des Amazonas mit dem Anbau von Maniok und Kürbissen, 8'000 Jahre früher als bisher angenommen..
27.03.2020
Auch Neandertaler aßen Muscheln, Fisch und Robben
Bereits die Neandertaler ernährten sich vor über 80.000 Jahren regelmäßig von Muscheln, Fisch und anderen Meeresbewohnern..
03.03.2020
Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache
So verzückt Eltern auch sind, wenn ihr Kleines das erste Mal „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“ brabbelt – ehe daraus Sätze entstehen, muss noch viel passieren..
25.02.2020
Ausgewandert
Sibirische Neandertaler stammten von verschiedenen europäischen Populationen ab
25.02.2020
Jede Mittelmeerinsel hat eigenes genetisches Muster
Schon vor der Zeit der mediterranen Seefahrerzivilisationen gab es prähistorische Wanderungen aus Afrika, Asien und Europa auf die Mittelmeerinseln..
18.02.2020
Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren
Aus prähistorischer Zeit liegen bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Ernährung der damaligen Tiere und Menschen vor..
18.02.2020
2.700 Jahre alter Tempel im äthiopischen Hochland entdeckt
E.
05.02.2020
Prähistorisches Skelett in Südmexiko entdeckt
Ein prähistorisches menschliches Skelett, das in Südmexiko geborgen werden konnte, ist mindestens 10.000 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der letzten Eiszeit..
28.01.2020
Neandertaler gingen für ihre Werkzeuge ins Wasser
Neandertaler sammelten Muschelschalen und Bimsstein aus den Küstengewässern, um sie als Werkzeuge zu benutzen.
06.01.2020
Forscher bestimmen das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus
Ein internationales Forscherteam hat das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus bestimmt, einem der direkten Vorfahren des modernen Menschen..
29.11.2019
Affen informieren Gruppenmitglieder über Gefahren
Menschen stehen oft vor der Wahl, ob sie zum Allgemeinwohl beitragen oder sich egoistisch verhalten und andere sich verausgaben lassen möchten..
25.11.2019
Menschliche Musikalität verbindet alle Kulturen: Kognitionsbiologen erforschen universelle Eigenschaften der Weltmusik
Ist Musik wirklich eine "universelle Sprache"? Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science unterstützen die These, dass Musik auf der ganzen Welt – trotz vieler Unterschiede – große Gemeinsamkeiten aufweist..