Homo ergaster

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Der Art Homo ergaster - was soviel wie "der Handwerker" bedeutet - werden von vielen Forschern die frühen afrikanischen Fossilien des Homo erectus mit einem Alter von 1,8 bis 1,5 Millionen Jahren zugeordnet. Wahrscheinlich ist, dass die Art aus einer der älteren Arten Homo rudolfensis oder Homo habilis entstand.

Aufgrund der klimatischen Verhältnisse in Afrika war Homo ergaster größer und graziler gebaut, als seine mutmaßlichen europäischen und asiatischen Nachfahren (Homo heidelbergensis und Homo erectus).

Homo ergaster taucht in den letzten Jahren in der anthropologischen Fachliteratur immer häufiger auf, ist aber unter den sonst allgemein anerkannten Menschenarten als eher etwas problematisch anzusehen. Das liegt daran, dass sich viele Forscher - die Homo ergaster als legitimes Taxon zwar anerkennen - uneins sind, welche Fundstücke der Art zugeschrieben werden sollten und welche nicht. Viele Forscher bestreiten gar jegliche Gültigkeit der Spezies und andere sehen zu wenig Unterschiede zwischen Homo ergaster und Homo erectus, die eine Abtrennung der älteren afrikanischen Funde von der Homo erectus Linie rechtfertigen könnten.

So kann als allgemeine Faustregel gelten, dass die meisten, dem Homo ergaster zugeschriebenen Fundstücke, frühe und geografisch auf Afrika beschränkte Vertreter der Spezies Homo erectus sind.

Homo ergaster wurde erstmals 1975 von C. Groves und V. Mazak beschrieben. Als Typusexemplar, anhand dessen die Art wissenschaftlich beschrieben wurde, diente ein isoliert gefundener Unterkiefer mit der Katalognummer KNM-ER 992. Seit der Erstbeschreibung der beiden Wissenschaftler wurden von verschiedenen Autoren viele weitere Fundstücke dem Homo ergaster zugeschrieben. Doch wie oben erwähnt, es scheiden sich die Geister, da wieder andere Forscher, nach Untersuchung der gleichen Fossilien, eine Zugehörigkeit zu Homo erectus erkennen wollen. Diejenigen, die Homo ergaster als Taxon anerkennen, sehen eine große Ähnlichkeit mit dem frühen Homo sapiens, größer noch als die Ähnlichkeit zwischen erectus und sapiens. Sie neigen dazu, Homo ergaster als direkten Vorfahren des modernen Menschen anzusehen, wobei Homo erectus nur eine evolutionäre Sackgasse darstellen solle. Viele Anhänger der Out-Of-Africa Hypothese sehen in Homo ergaster einen Beweis, dass Gruppen des asiatischen und europäischen Homo erectus nicht zum Genom des modernen Menschen beigetragen haben.

Groves und Mazak sind der Ansicht, dass sich der Kiefer KNM-ER 992 wesentlich vom Typus Homo erectus unterscheidet und es daher angebracht erscheint, ihn einer eigenen Art zuzuschreiben. Das Stück wurde jedoch nicht mit Homo habilis verglichen, und so sind einige Forscher der Meinung, man sollte den Kiefer eher letzterem zuordnen. Der Kieferknochen zeigt Anzeichen von Parodontose, wie man an der Knochenabsorption um die Wurzeln der Zähne sehen kann. Der Unterkiefer zeigt ausgeprägte Ansatzstellen für den Musculus digastricus (lat. : zweibäuchiger Muskel - wichtig für Schlucken und Lauterzeugung), worin manche Forscher den Beweis für eine gewisse Sprachfähigkeit schon vor 1,8 Millionen Jahren sehen.

Eine der spektakulärsten und wichtigsten paläoanthropologischen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts war der Turkana Boy (KNM WT - 15000). Er wurde von Kamoya Kimeu entdeckt, Mitglied eines Teams aus Wissenschaftlern und Fossiliensuchern, die 1984 unter Leitung von Richard Leakey und Alan Walker am Turkanasee nach Fossilien suchten. Dieser Fund stellt den vollständigsten frühen Homininen dar, der jemals gefunden wurde, bestehend aus dem kompletten Schädel mit fast dem gesamten intakten postkranialen Skelett. Es handelt sich dabei um einen etwa 9 - 12 Jahre alten Jungen, wobei viele - wiederum - den Fund Homo erectus zuordnen. Andere wichtige Exemplare, die man Homo ergaster zuschreibt, sind die Fundstücke mit den Katalognummern KNM-ER 3733, SK 847 und KNM - ER 3883.

Mehrere Forscher haben versucht, die Unterschiede zwischen Homo ergaster und Homo erectus zu definieren - P. Andrews und B. Wood gehören dabei zu den bekanntesten. Andrews definierte sieben Merkmale, die charakteristisch für Homo erectus sein sollen, aber Homo ergaster fehlen. Allerdings hat Günter Bräuer aus Hamburg gezeigt, dass diese definierten Merkmale in Wirklichkeit eben nicht charakteristisch für Homo erectus sind, da beispielsweise einzelne Fundstücke keineswegs über diese Merkmale verfügen, einige von Homo ergaster und Homo habilis aber schon.

Bernard Wood von der George Washington Universität nennt einige Merkmale (A. Bilsborough und B. Wood, 1988), die Homo ergaster mit Homo sapiens in Verbindung bringen, aber von Homo erectus unterscheiden sollen. Dies sind u.a. eine vergrößerte Breite des Schädels im Bereich des Scheitelbeins (lat. Os parietale), ein verlängertes Hinterhauptbein (lat. Os occipitale oder kurz Occiput), breitere Nasenöffnungen, eine kürzere Schädelbasis, eine entwickeltere Symphyse (eine Verbindung von zwei Knochen durch Faserknorpel) des Unterkiefers, sowie schmälere Molaren und kürzere Eckzähne.

Aber diese Synapomorphien (in der Evolutionsbiologie abgeleitete oder weiterentwickelte Eigenschaften innerhalb eines Taxons) sind überzeugend in Frage gestellt worden, da man zeigen konnte, dass diese Merkmale auch bei einigen asiatischen Populationen des Homo erectus vorkommen. Neuere Analysen anderer Forscher scheinen darüber hinaus zu zeigen, dass, auch wenn man Homo ergaster als ein von Homo erectus eigenständiges Taxon betrachtet, letzterer kladistisch immer noch näher beim modernen Menschen steht, als Homo ergaster.

Kurzum, die Bezeichnung "Homo ergaster" scheint wegen mehrerer Faktoren keine Artbezeichnung auf Dauer zu sein. Es gibt zu wenig Unterschiede zu Homo erectus, die eine separate Spezies rechtfertigen würden.

Literatur

Colin Groves, Vratislav Mazák: An approach to the taxonomy of the Hominidae: Gracile Villafrancian hominids of Africa. In: Casopis pro Mineralogii Geologii 20, 1975, S. 225–247

Bräuer, G., and E. Mbua. 1992. "Homo erectus features used in cladistics and their variability in Asian and African hominids." In Journal of Human Evolution, vol. 22, no. 2, pp. 79-108.

Johanson, D., und B. Edgar. 2000, Lucy und ihre Kinder . Spektrum akad. Verlag ISBN: 3-8274-1049-5


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