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Australopithecus ist der Gattungsname von mehreren aufrechtgehenden Menschenaffen, die ab dem späten Miozän in Afrika verbreitet waren. Eine der uns heute bekannten Arten steht in dringendem Verdacht - um es einmal kriminalistisch auszudrücken - der direkte Vorfahr der Gattung Homo, also von uns selbst, zu sein. Dringend tatverdächtig sind Spezies wie A. garhi, A. sediba oder A. afarensis.

Die meisten Funde von Australopithecus stammen aus dem südlichen und östlichen Afrika (es gibt nur einen einzigen Fund, der weit westlich des ostafrikanischen Rift-Valley liegt). Die frühesten Spezies sind von Fundstellen bekannt, die zwischen 4,5 und 3 Millionen Jahre alt sind, z.B. aus Tansania, Kenia und Äthiopien. Die jüngsten Mitglieder der Gattung lebten bis in das Pleistozän vor 1,5 Millionen Jahren. Ihre Überreste wurden ebenfalls in Süd- und Ostafrika gefunden.

Alle Arten der Australopitecinen haben im Vergleich zum modernen Menschen große Zähne und kleine Gehirne. Alle Mitglieder sind kleiner als der durchschnittliche moderne Mensch. Das kleinste Individuum wog etwa 30 Kilogramm, das größte etwa 85 Kilogramm. Die Arten der Gattung Australopithecus unterscheiden sich erheblich in ihrer Schädel- und Zahnanatomie. Je älter die Arten sind, umso mehr ähneln sie heute lebenden Menschenaffen.

Die jüngsten Arten sind sehr spezialisiert - in mancher Hinsicht spezialisierter als die frühen Menschen. Im Vergleich zu heute lebenden Menschenaffen haben alle Arten des Australpithecus im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht kleine Schneide- und Eckzähne (Kay, 1985). Die unteren vorderen Prämolaren dienen nicht als Schleifstein für die oberen Eckzähne. Die Backenzähne von Australopithecus variieren von groß bis sehr groß und sind mit dickem bis sehr dickem Schmelz überzogen. Sie weisen bauchige Höcker auf, ein Merkmal, das sie mit Sivapithecus aus dem Miozän teilen (ohne Verwandschaftsverhältnisse ausdrücken zu wollen).

Der Unterkiefer ist dick und hat einen hohen aufsteigenden Ast. Die Schädelproportionen von Australopithecus erinnern mit dem großen Gesicht und dem relativ kleinen Gehirn an einen Menschenaffen. Auf der anderen Seite sind die relativ kurze Schnauze (in Verbindung mit reduzierten Frontzähnen) und das ventral gelegene Foramen magnum (in Verbindung mit dem aufrechten Gang) sehr menschenähnlich.

Männer haben häufig große Nacken- und Sagittalkämme, die sich weit nach vorn erstrecken. Details der Morphologie des Gehirns von Australopithecus sind seit der ersten Entdeckung der Gattung teils heftig diskutiert worden, denn es gibt Probleme bei der Abschätzung der Körpergröße der Arten und es sind nur wenige deutliche Abdrücke an der inneren Oberfläche des Schädels erhalten.

Im Allgemeinen scheint es, dass ihre Gehirne relativ größer als die der anderen, nicht-menschlichen Primaten waren, aber viel kleiner als die der späteren Homininen oder gar der heute lebenden Menschen. Morphologisch sind ihre Gehirne in der Regel menschenaffenähnlich, mit einigen wenigen menschlichen Merkmalen (Falk, 1987).

Von fast allen Arten gibt es vereinzelte Skelettelemente und von einigen sogar relativ vollständige Skelette, besonders von A. afarensis, einer der frühesten Spezies. Wie alle späteren Hominiden war Australopithecus ein Zweibeiner. Dies ist durch viele Aspekte seines Skeletts belegt, darunter die relativ langen Beine, das kurze und breite Darmbein (Ilium) und die Winkelung des Kniegelenks. Außerdem wurde der aufrechte Gang der Australopithecinen recht drastisch durch eine ca. 20m langer Abfolge von Fußspuren bei Laetoli in Tansania bestätigt. Trotzdem sind die frühen Arten von Australopithecus in vielen Eigenschaften des Skeletts, einschließlich Schulter, Hand, Fuß und auch in Einzelheiten des Beckens, Femurs und der Tibia heutigen Menschenaffen ähnlicher als dem Menschen.

Die Anatomie des Skeletts von Australopithecus ist in vielerlei Hinsicht ein Mittelding zwischen Menschenaffen und Menschen, was darauf hindeutet, dass diese frühen Homininen zwar hauptsächlich terrestrische (bodenlebende) Zweibeiner waren, aber durchaus noch geschickt in den Bäumen klettern konnten. Die Vielfalt der lokomotorischen Fähigkeiten der einzelnen Arten von Australopithecus ist schwierig zu rekonstruieren, da es bei vielen Arten an Skelett-Material mangelt und es Probleme bei der Entwicklung von Modellen mit nur einer vorhandenen Analogie, uns selbst, gibt.

Systematik und Biogeographie der Gattung Australopithecus werden durch die gleichen Faktoren erschwert, die auch bei den meisten anderen Gruppen von fossilen Primaten für Verwirrung sorgen: Schwierig zu datierende Fundorte, fragmentarische Überreste, sexueller Dimorphismus und unterschiedliche taxonomische Philosophien.

Die meisten Fachautoren erkennen fünf bis sechs Arten von Australopithecus an, dazu gehören die drei älteren und primitiveren Arten A. anamensis und A. afarensis aus Ostafrika und A. africanus aus Südafrika, sowie die stärker spezialisierten "robusten" Arten A. robustus aus dem südlichen Afrika, A. boisei und A. aethiopicus aus Ostafrika. Die robusten Arten (robustus, boisei, aethiopicus) werden oft in eine eigene Gattung Paranthropus gestellt, da es immer mehr Anzeichen dafür gibt, dass sie eine separate Linie der Homininen repräsentieren, die erst vor etwa einer Million Jahren ausstarben, als es schon lange Menschen gab.

Literatur

D. Falk. 1987. Hominid paleoneurology. Annu. Rev. Anthriopol. 16:13-30

R. F. Kay. 1985. Dental evidence for the diet of Australopithecus. Ann. Rev. Anthropol. 14:315-342


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