Die Besiedlung der Erde - Homo sapiens

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Beringia lag vor etwa 200.000 Jahren während der Riß-Eiszeit ebenso trocken wie in den beiden Phasen der Würm-Eiszeit vor 65.000 bis 50.000 Jahren und vor 30.000 bis 12.000 Jahren. Zur Zeit der größten Vereisung vor etwa 20.000 Jahren, als der Meeresspiegel um rund 135 Meter tiefer lag als heute, waren Amerika und Asien über eine mehr als 1000 Kilometer breite, baum- und eisfreie Landbrücke verbunden. Über diese sich öffnende und wieder schließende Verbindung wanderten schubweise Tiere aus der Alten Welt hinüber in die Neue — Wollmammut ebenso wie Bison, Elch und Bär. Menschen überquerten die Beringia-Brücke mit Sicherheit erst in der letzten Phase, die vor 30.000 Jahren begann.

Einige amerikanische Forscher glauben sogar, Hinweise auf eine frühere Invasion gefunden zu haben. Auf jeden Fall gab es mehrere Einwanderunsschübe, wie unter anderem manche physiologische Unterschiede zwischen verschiedenen heute lebenden Indianerstämmen zeigen. Die erste Einwanderungswelle konnte nicht sehr groß gewesen sein, da weder einschneidende Veränderungen in der Tierwelt noch besonders viele menschliche Überreste gefunden wurden. Als ältester Skelettfund gilt eine — vermutlich weibliche — Schädeldecke aus der kalifornischen Stadt Los Angeles, deren Alter auf 26.000 Jahre geschätzt wird. Erfolgreicher nahmen die Vorfahren der heutigen Indianer von Amerika Besitz, nachdem sie vor vielleicht 15.000 Jahren die Beringstraße und den Eiskorridor entlang der Rocky Mountains überwunden hatten.

Eine Gruppe von nur 1.000 altindianischen Großwildjägern hätte, wie der amerikanische Forscher Paul Martin errechnete, von Edmonton im Zentrum der kanadischen Provinz Alberta aus eine Eroberungswelle einleiten können, die in nur 1.000 Jahren Feuerland an der Südspitze Südamerikas erreicht haben könnte. Martin vermutet, dass Alt-Indianer leichte Beute unter den amerikanischen Großtieren machten, die ja noch keine "Erfahrung" mit Menschen hatten. Dies hatte ein sehr rasches Bevölkerungswachstum zur Folge — und das Ende einer ganzen Reihe von Tierarten, die sich von dem prähistorischen "Overkill" nicht wieder erholten und ausstarben: Riesenfaultiere, nordamerikanische Kamele, Mammuts.

Vor 11.000 Jahren, als die Eiszeit zu Ende ging, lebten Menschen in Feuerland, und das Meer trennte wieder Sibirien und Alaska. Erst dann überquerten die Vorfahren der modernen Eskimos die Beringstraße per Kajak oder Eisscholle. Anders als in Amerika, wo die Route der Einwanderer klar zu sein scheint, glauben die Forscher in Australien zwar den Zeitpunkt der ersten Besiedelung durch Homo sapiens zu kennen (Homo erectus könnte auch schon dort gewesen sein), während die Route noch immer rätselhaft ist. Denn auch zur größten Vereisung trennte stets ein mindestens 100 Kilometer breiter Streifen offener Ozean den abgelegenen Kontinent von der Insel Timor, dem am weitesten vorgeschobenen Pfeiler der indonesischen Landbrücke.

Offensichtlich überwand mindestens eine Gruppe Frauen und Männer der eben erst nach Indonesien eingewanderten Spezies Homo sapiens vor rund 60.000 Jahren die Timor-See mit Einbäumen oder Flößen — absichtlich, wie die Anthropologen vermuten, da die vorherrschende Nord-Süd-Meeresströmung eine ungewollte Reise nach Osten kaum ermöglicht hätte. Auf jeden Fall siedelten moderne Menschen schon vor 32.000 Jahren (als in Europa eben die ersten Höhlenmalereien begonnen wurden) am südost-australischen Lake Mungo. Eine weitere Einwanderungswelle vor rund 10.000 Jahren brachte moderne Steinwerkzeuge sowie Hunde nach Australien.

Doch dann blieben die Bewohner des Südkontinents bis zur Wiederentdeckung vor kaum mehr als 200 Jahren vom Rest der Welt getrennt. In Neuguinea dagegen, das gegen Ende der Eiszeit durch das steigende Meer wieder von Australien abgeschnitten wurde, vermischte sich die australische Urbevölkerung mit neuen Einwanderern aus der südostasiatischen Inselwelt. Dieser Menschenschlag lernte bei den Sprüngen von Insel zu Insel die Geheimnisse des Hochsee-Segelns: Vor 2.000 Jahren erreichten Seefahrer Samoa, weitere 300 Jahre später siedelten sie auf den mitten im Pazifik liegenden Eilanden von Hawaii und auf der Osterinsel, vor 1.000 Jahren schließlich schlossen die Südsee-Insulaner vom Stamm der Maori mit der Entdeckung Neuseelands die Eroberung der letzten noch unbesiedelten, aber bewohnbaren Landmasse durch Homo sapiens ab.


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