Australopithecus garhi

Kategorie:


Australopithecus garhi wurde im April 1999 auf der Bouri-Halbinsel in Äthiopien ausgegraben. Die Bouri-Halbinsel ist eine geologische Formation und besteht aus drei geologischen Einheiten, die im Englischen "Member" genannt werden. Aus ihnen stammen Fossilien und Artefakte aus verschiedenen Epochen der menschlichen Evolution. Die unterste der drei Schichten nennt man Hatayae Member (2,5 Millionen Jahre), in der die Überreste des Australopithecus garhi gefunden wurden.

Neben Schädel-, Gebiss- und Langknochenresten wurden im selben Fundhorizont auch Steinwerkzeuge entdeckt. Dies wirft die Frage auf, ob die Werkzeugkultur bereits bei Australopithecinen einsetzte oder ob die Funde zur Gattung Homo gerechnet werden müssen.

Die Region, in der man die Überreste fand, ist eine anthropologische Fundgrube. Von hier stammt auch das berühmte, 3,2 Millionen Jahre alte Skelett von Lucy. Lucy und ihre Artgenossen sind denn vermutlich auch Vorfahren des Australopithecus garhi. Vorgestellt wurde der "Überraschungs-Südaffe" - so die direkte Übersetzung des Speziesnamens - in einer Ausgabe der Zeitschrift "Science". In Vergleichen mit andern vormenschlichen Fossilien aus Ostafrika kommt das Autorenteam zu dem Schluss, dass Australopithecus garhi eine eigene Spezies darstellt. Es schreibt dem Fund mehr Ähnlichkeit mit unserer Gattung Homo zu als anderen Australopithecinen. Aber nach den Worten der Forscher haben sie sich für eine "konservative" vorläufige Klassifizierung entschieden und ihn doch der Gattung der Australopithecinen, der Südaffen, zugerechnet.

Die Entdecker von Australopithecus garhi sind der Überzeugung, dass dieser Vormensch ein direkter Vorfahre von Homo ist.

Anatomie

In seinen anatomischen Merkmalen sieht Australopithecus garhi dem Australopithecus afarensis recht ähnlich, dazu gehört eine Schädelkapazität von rund 450 cm³, ein ähnliches Gesichtsprofil, und - wenn die Beinknochen richtig zugeordnet sind - ähnliche Körperproportionen mit kurzen Beinen und kurzem Rumpf, aber relativ langen Armen.

Es gibt jedoch auch einige Merkmale, die sich signifikant von früheren Australopithecinen unterscheiden. Dazu gehören die weit vorne positionierten Wangenknochen, ovale, große Vorbackenzähne (Prämolare) und riesige Backenzähne (Molare), sowie die Kombination seiner Merkmale, z.B. die extreme Größe der Zähne, besonders der hinteren, mit einer primitiven Schädel-Morphologie. Einige in der Nähe gefundene Überreste könnten zur selben Spezies gehören. Sie zeigen menschenähnliche Proportionen von Femur und Humerus, aber affenähnliche Proportionen von Ober- und Unterarm.

Australopithecus anamensis, A. afarensis, A.africanus und A. garhi sind wegen ihres relativ leichten Körperbaus, speziell im Bereich des Schädels und der Zähne, als grazile Australopithecinen bekannt. (Grazil bedeutet "schlank", und in der Paläoanthropologie wird dieses Wort als Antonym zu "robust" gebraucht.) Trotzdem waren sie noch robuster als moderne Menschen. Eigentlich teilt A. garhi keine eindeutigen Merkmale mit Homo, und einige Forscher vermuten, dass es entweder eine Art von Praeanthropus (Pr. Garhi) oder vielleicht eine neue Gattung und Art darstellt.

Es gibt jedoch auch einige Merkmale, die sich signifikant von früheren Australopithecinen unterscheiden. Dazu gehören die weit vorne positionierten Wangenknochen, ovale, große Vorbackenzähne (Prämolare) und riesige Backenzähne (Molare), sowie die Kombination seiner Merkmale, z.B. die extreme Größe der Zähne, besonders der hinteren, mit einer primitiven Schädel-Morphologie. Einige in der Nähe gefundene Überreste könnten zur selben Spezies gehören. Sie zeigen menschenähnliche Proportionen von Femur und Humerus, aber affenähnliche Proportionen von Ober- und Unterarm.

Australopithecus anamensis, A. afarensis, A.africanus und A. garhi sind wegen ihres relativ leichten Körperbaus, speziell im Bereich des Schädels und der Zähne, als grazile Australopithecinen bekannt. (Grazil bedeutet "schlank", und in der Paläoanthropologie wird dieses Wort als Antonym zu "robust" gebraucht.) Trotzdem waren sie noch robuster als moderne Menschen. Eigentlich teilt A. garhi keine eindeutigen Merkmale mit Homo, und einige Forscher vermuten, dass es entweder eine Art von Praeanthropus (Pr. Garhi) oder vielleicht eine neue Gattung und Art darstellt.

Die Steinwerkzeuge trug Australopithecus garhi allem Anschein nach mit sich, denn es gibt - anders als bei andern Fundstätten - am Fundort auf der Bouri-Halbinsel keine Anzeichen der Herstellung vor Ort. Sonst hätte man auch Ansammlungen von Abfall finden müssen, wie etwa Splitter und misslungene oder weggeworfene Stücke. In der näheren Umgebung gab es auch keine Silexvorkommen. Dieser stahlharte Feuerstein wurde von den Altsteinzeitmenschen und -vormenschen als Material für die Werkzeuge verwendet.

Ob Australopithecus garhi selber jagte, Fallen stellte oder einfach die Kadaver verstorbener Tiere nutzte, lässt sich aus den Fossilien nicht ersehen. Aktive Jagd, allerdings ohne künstliche Waffen, kennt man jedoch von den nächsten Verwandten des Menschen, den heutigen Schimpansen und Bonobos. Das gleichzeitige Vorkommen einer Steinwerkzeug- und einer höheren Technik der Fleischgewinnung wertet die Forschungsgruppe als mögliches Anzeichen der Entstehung der Gattung Homo in Ostafrika aus dem Vorläufer Australopithecus afarensis.

Der "Überraschungs-Südaffe" lebte, wie die geologischen und ökologischen Daten ergeben haben, am Ufer eines Sees. Dort weideten Herden von Huftieren, und im Wasser tummelten sich unter anderem viele Welse. Australopithecus garhi könnte bereits ein Dasein gefristet haben, das sich nur wenig von demjenigen der Vertreter der alt-steinzeitlichen Olduvai-Kultur im ostafrikanischen Tansania unterschied.

Literatur

Tages Anzeiger, Zürich; 23.04.1999

Asfaw B, White T, Lovejoy O, Latimer B, Simpson S, Suwa G. 1999. Australopithecus garhi: a new species of early hominid from Ethiopia. Science 284(5414), pp629-35. DOI: 10.1126/science.284.5414.629

de Heinzelin, J., Clark, J. D., White, T., Hart, W., Renne, P., WoldeGabriel, G., Beyenne, V., Vrba, E. 1999. Environment and behavior of 2.5-million-year-old Bouri hominids. Science, 284(5414), pp. 625-629. DOI: 10.1126/science.284.5414.625


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
KNM-RU 1982f
KNM-RU 1982f

Proconsul nyanzae

Elemente: LI2-C

Rusinga Island, Kenia

09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet..
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden..
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
P.
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert..
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
S.
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
B.
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis 1.150 v..
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht..
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien..
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen..
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können.
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.
09.04.2020
Landwirtschaft begann im Amazonas vor 10.000 Jahren
Wie eine neue Studie zeigt, begannen die Menschen vor mehr als 10’000 Jahren im Südwesten des Amazonas mit dem Anbau von Maniok und Kürbissen, 8'000 Jahre früher als bisher angenommen..
27.03.2020
Auch Neandertaler aßen Muscheln, Fisch und Robben
Bereits die Neandertaler ernährten sich vor über 80.000 Jahren regelmäßig von Muscheln, Fisch und anderen Meeresbewohnern..
03.03.2020
Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache
So verzückt Eltern auch sind, wenn ihr Kleines das erste Mal „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“ brabbelt – ehe daraus Sätze entstehen, muss noch viel passieren..
25.02.2020
Ausgewandert
Sibirische Neandertaler stammten von verschiedenen europäischen Populationen ab
25.02.2020
Jede Mittelmeerinsel hat eigenes genetisches Muster
Schon vor der Zeit der mediterranen Seefahrerzivilisationen gab es prähistorische Wanderungen aus Afrika, Asien und Europa auf die Mittelmeerinseln..
18.02.2020
Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren
Aus prähistorischer Zeit liegen bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Ernährung der damaligen Tiere und Menschen vor..
18.02.2020
2.700 Jahre alter Tempel im äthiopischen Hochland entdeckt
E.
05.02.2020
Prähistorisches Skelett in Südmexiko entdeckt
Ein prähistorisches menschliches Skelett, das in Südmexiko geborgen werden konnte, ist mindestens 10.000 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der letzten Eiszeit..
28.01.2020
Neandertaler gingen für ihre Werkzeuge ins Wasser
Neandertaler sammelten Muschelschalen und Bimsstein aus den Küstengewässern, um sie als Werkzeuge zu benutzen.
06.01.2020
Forscher bestimmen das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus
Ein internationales Forscherteam hat das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus bestimmt, einem der direkten Vorfahren des modernen Menschen..
29.11.2019
Affen informieren Gruppenmitglieder über Gefahren
Menschen stehen oft vor der Wahl, ob sie zum Allgemeinwohl beitragen oder sich egoistisch verhalten und andere sich verausgaben lassen möchten..
25.11.2019
Menschliche Musikalität verbindet alle Kulturen: Kognitionsbiologen erforschen universelle Eigenschaften der Weltmusik
Ist Musik wirklich eine "universelle Sprache"? Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science unterstützen die These, dass Musik auf der ganzen Welt – trotz vieler Unterschiede – große Gemeinsamkeiten aufweist..