Omo - Homo sapiens

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FUNDFUNDORTALTERENTDECKERDATUM
adultes Teilskelett und Cranium eines Homo sapiensKibish, Omo-Becken, Äthiopienca. 195.000 JahreKamoya Kimeu1967
VERÖFFENTLICHUNG
Leakey, R. E. F.; K. W. Butzer und M. H. Day, 1969. Early Homo sapiens remains from the Omo River region of Souhwest Ethiopia, Nature 222 1132-1138

Eine zweifellos moderne Anatomie hat der Fund mit der Katalognummer Omo I aus dem Omo-Becken in Äthiopien und ist ein entscheidendes Beweisstück für diejenigen, nach deren Ansicht sich der Homo sapiens vor relativ kurzer Zeit zunächst in Afrika entwickelt hat und sich dann erst über die übrige Welt ausbreitete.

Neue Altersdatierungen der beiden Schädel haben nun ergeben, dass der moderne Mensch wohl doch älter ist, als bisher angenommen wurde. Das anfänglich geschätzte Alter von Omo I und Omo II von etwa 130.000 Jahre musste man auf zirka 195.000 Jahre korrigieren. Auch aufgrund genetischer Studien nehmen Forscher heute an, dass der moderne Mensch vor rund 200.000 Jahren die Weltbühne betrat. Die ältesten Funde wurden bislang auf ein Alter von 154.000 bis 160.000 Jahren geschätzt.

Der Geologe Ian McDougall von der Australischen National-Universität in Canberra und seine Kollegen untersuchten vulkanische Ascheschichten, zwischen denen die beiden Schädel wie ein Sandwich eingebettet waren. Zur Datierung verwendeten sie die Kalium-Argon-Methode, die sich den Zerfall dieser Elemente zunutze macht. Eine Schicht, die sich fünfzig Meter oberhalb der Schädelfundstelle befindet, konnte auf 104.000 Jahre datiert werden. Die Schicht drei Meter unterhalb der Stelle ist rund 196.000 Jahre alt [1].

Bereits zur Zeit seiner Entdeckung hatte sich durch Omo I die Zeitspanne verdoppelt, seit unsere Spezies bekanntermaßen existiert. Nicht nur der Schädel, sondern auch die zugehörigen postkranialen Knochen - Schulter, Arm, Hand, Rippen, Wirbelsäule, Beine und Füße - zeigen eine vollständig moderne Anatomie. Auch wenige Steinwerkzeuge und zerbrochene Tierknochen sowie ein vollständiges Büffelskelett wurden in der Nähe gefunden.

Das Auftauchen des Homo sapiens auf knapp 200.000 Jahre zurückzudatieren vergrößert die zeitliche Kluft zwischen den ersten anatomisch modernen Menschen und ersten eindeutigen Anzeichen der Kulturentwicklung. Funde wie Werkzeuge, Nadeln, Knochenschnitzereien oder Malereien tauchen erst vor etwa 50.000 Jahren auf. Demnach hätte der moderne Homo sapiens rund 150.000 Jahre ohne diese kulturellen Errungenschaften gelebt. Es gab also eine große Lücke zwischen dem Auftreten des modernen Skeletts und modernen Verhaltens, erklären die Forscher.

Zu den eindeutig modernen Merkmalen von Omo I gehören die langen, gewölbten Scheitelbeine eines erweiterten Gehirnschädels, der die breiteste Stelle des gesamten Schädels darstellt, sowie ein kurzes, breites Gesicht mit hoher Stirn. Der deutlich ausgeprägte Überaugenwulst ist kein einheitlich dicker Balken wie bei altertümlicheren Menschen, sondern läuft an den Seiten aus. Die Gesichtsknochen sind nur bruchstückhaft erhalten, aber der zusammengefügte Oberkiefer hat einen modernen, U-förmigen Gaumen. Der Unterkiefer ist mit einem Kinn ausgestattet, und die beiden noch vorhandenen Zähne sind in Form und Größe ebenfalls modern. Von der Schädelbasis war kaum etwas erhalten, da sich jedoch im Felsenbein - dem härtesten Teil des Schläfenbeins auf der Innenseite des Gehörganges - ein Bruch befand, konnten sich Abdrücke von der Schnecke (Cochlea) und den Bogengängen des Innenohres bilden.

Das Auftauchen des Homo sapiens auf knapp 200.000 Jahre zurückzudatieren vergrößert die zeitliche Kluft zwischen den ersten anatomisch modernen Menschen und ersten eindeutigen Anzeichen der Kulturentwicklung. Funde wie Werkzeuge, Nadeln, Knochenschnitzereien oder Malereien tauchen erst vor etwa 50.000 Jahren auf. Demnach hätte der moderne Homo sapiens rund 150.000 Jahre ohne diese kulturellen Errungenschaften gelebt. Es gab also eine große Lücke zwischen dem Auftreten des modernen Skeletts und modernen Verhaltens, erklären die Forscher.

Zu den eindeutig modernen Merkmalen von Omo I gehören die langen, gewölbten Scheitelbeine eines erweiterten Gehirnschädels, der die breiteste Stelle des gesamten Schädels darstellt, sowie ein kurzes, breites Gesicht mit hoher Stirn. Der deutlich ausgeprägte Überaugenwulst ist kein einheitlich dicker Balken wie bei altertümlicheren Menschen, sondern läuft an den Seiten aus. Die Gesichtsknochen sind nur bruchstückhaft erhalten, aber der zusammengefügte Oberkiefer hat einen modernen, U-förmigen Gaumen. Der Unterkiefer ist mit einem Kinn ausgestattet, und die beiden noch vorhandenen Zähne sind in Form und Größe ebenfalls modern. Von der Schädelbasis war kaum etwas erhalten, da sich jedoch im Felsenbein - dem härtesten Teil des Schläfenbeins auf der Innenseite des Gehörganges - ein Bruch befand, konnten sich Abdrücke von der Schnecke (Cochlea) und den Bogengängen des Innenohres bilden.

Literatur

[1] Ian McDougall, Francis H. Brown und John G. Fleagle. 2005. Stratigraphic placement and age of modern humans from Kibish, Ethiopia. Nature 433, pp. 733–736. DOI: 10.1038/nature03258


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