xsama / Pixabay

Plesiadapoidea und Plesiadapiformes

Kategorie:


Die erste Auffächerung (Radiation) von archaischen Primaten (die Plesiadapoidea) fand auf der Nordhalbkugel statt, was darauf hindeutet, dass sie in der Tat auch dort ihren Ursprung haben. In der Mitte des Paläozäns vor rund 60 Millionen Jahren hatten sich archaischen Primaten in mindestens vier Familien aufgespalten: Die Picrodontidae, Carpolestidae, Plesiadapidae und Saxonellidae (Einige Autoren zählen zu dieser Gruppe eine fünfte und sechste Familie dazu, die Microsyopidae und die Paromomyidae). Diese "halb-Lemuren" waren meist so groß wie eine Maus oder eine Ratte, obwohl es auch ein paar Arten von der Größe einer Hauskatze gab.

Rekonstruktion von Plesiadapis

Die Zähne von allen archaischen Primaten zeigen einen evolutionären Trend hin zu einer Spezialisierung auf Blätter und Früchte, und weg von den scharf-höckrigen, primitiven Zähnen ihrer Insekten fressenden Vorgänger. Die Ansicht, dass die Plesiadapoidea und die noch weiter unten an der Basis stehenden Plesiadapiformes als Primaten eingestuft werden sollten, wurde oft in Frage gestellt, weil keiner ihrer Vertreter alle Merkmale besaß, die die späteren Primaten charakterisieren. Beispielsweise fehlte ihnen die knöcherne Leiste an der Seite der Augenhöhlen (eng. postorbital bar), so dass die Augen nicht vollständig von einem knöchernen Ring umgeben waren. Plesiadapiformes hatten weder vergrößerte Gehirne, noch opponierbare Daumen und Großzehen und sie zeigten nur wenige offensichtliche Anpassungen für das Leben in den Bäumen. Die meisten hatten große, gewinkelte Schneidezähne, die sich möglicherweise für das Öffnen von Samen und Früchten als nützlich erwiesen, und viele hatten niedrig-kronige Backenzähne mit abgeflachten und manchmal gezackten Spitzen, die wie Miniaturausgaben der Backenzähne von späteren Blätter und Früchte fressenden Primaten aussehen.

Es besteht eine starke Ähnlichkeit zwischen den Zähnen einiger archaischer Primaten aus dem Paläozän (z. B. Plesiadapis) und späteren Adapoiden und Adapiformes aus dem Eozän (z. B. Notharctus). Diese Ähnlichkeit ist das wichtigste Argument für den Vorschlag, dass die Plesiadapoidea, obwohl primitiv, in der Tat mit den Euprimaten aus dem Eozän verwandt sind. Es gibt jedoch auch einige faszinierende Erkenntnisse über die Ohrregion und das postcraniale Skelett, die darauf hindeuten, dass zumindest einige Mitglieder der Plesiadapiformes mit Riesengleitern (Ordnung Dermoptera) verwandt waren. Daher wurde sogar vorgeschlagen, dass die Plesiadapiformes vom Stammbaum der Primaten insgesamt entfernt werden sollten.

Der französische Baron Georges Cuvier war ein begnadeter Anatom, doch das Primatenfossil Adapis aus der Nähe von Paris hielt er für ein Huftier.

Die Überfamilie Plesiadapoidea hat ihren Namen von der paläozänen Gattung Plesiadapis, der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Gruppe dieser Zeit. Ihre versteinerten Skelette wurden in Colorado und Frankreich gefunden, wo sie recht zahlreich waren. Der Name "Plesiadapis" bedeutet soviel wie "auf halbem Weg zum heiligen Stier Apis" und stammt von Georges Cuvier, der den fossilen, lemuren-ähnlichen Primaten Adapis fälschlicherweise für einen Verwandten der Rinder hielt. In den 1870er Jahren benannt, dachte man, dass die Backenzähne von Plesiadapis Ähnlichkeiten mit denen von Adapis haben. Die meisten Arten von Plesiadapis waren so groß wie ein Eichhörnchen, einige erreichten die Größe einer Hauskatze. Die Mitglieder der Gattung Plesiadapis hatten markante Schneidezähne und die unteren Zähne waren den großen oberen Zähnen gegenüber geneigt, die durch eine große Lücke von den lemuren-ähnlichen Backenzähnen getrennt waren.

Es wurde vorgeschlagen, dass die Beinknochen von Plesiadapis Anpassungen für ein Leben in den Bäumen zeigen, doch diese archaischen Primaten hatten robuste, stämmige Gliedmaßen und auch ein primitives, kleines Gehirn. Finger und Zehen endeten in großen, seitlich abgeflachten Krallen, die möglicherweise zum Klettern anstatt zum Graben verwendet wurden, doch wegen seiner weiten Verbreitung in Europa und Nordamerika nimmt man an, dass sich Plesiadapis vermutlich auf dem Boden fortbewegend in diese riesigen Gebiete ausbreitete. Die Spezialisierungen im Gebiss aller Plesiadapiden lässt vermuten, dass sie keine direkten Vorfahren der späteren Primaten sind. Die Ähnlichkeit der Vorderzähne mit denen des Aye-Aye (Daubentonia madagascariensis), eines eigentümlichen madagassischen Lemuren, sind auf konvergente Evolution zurückzuführen.

Die Überfamilie Plesiadapoidea hat ihren Namen von der paläozänen Gattung Plesiadapis, der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Gruppe dieser Zeit. Ihre versteinerten Skelette wurden in Colorado und Frankreich gefunden, wo sie recht zahlreich waren. Der Name "Plesiadapis" bedeutet soviel wie "auf halbem Weg zum heiligen Stier Apis" und stammt von Georges Cuvier, der den fossilen, lemuren-ähnlichen Primaten Adapis fälschlicherweise für einen Verwandten der Rinder hielt. In den 1870er Jahren benannt, dachte man, dass die Backenzähne von Plesiadapis Ähnlichkeiten mit denen von Adapis haben. Die meisten Arten von Plesiadapis waren so groß wie ein Eichhörnchen, einige erreichten die Größe einer Hauskatze. Die Mitglieder der Gattung Plesiadapis hatten markante Schneidezähne und die unteren Zähne waren den großen oberen Zähnen gegenüber geneigt, die durch eine große Lücke von den lemuren-ähnlichen Backenzähnen getrennt waren.

Es wurde vorgeschlagen, dass die Beinknochen von Plesiadapis Anpassungen für ein Leben in den Bäumen zeigen, doch diese archaischen Primaten hatten robuste, stämmige Gliedmaßen und auch ein primitives, kleines Gehirn. Finger und Zehen endeten in großen, seitlich abgeflachten Krallen, die möglicherweise zum Klettern anstatt zum Graben verwendet wurden, doch wegen seiner weiten Verbreitung in Europa und Nordamerika nimmt man an, dass sich Plesiadapis vermutlich auf dem Boden fortbewegend in diese riesigen Gebiete ausbreitete. Die Spezialisierungen im Gebiss aller Plesiadapiden lässt vermuten, dass sie keine direkten Vorfahren der späteren Primaten sind. Die Ähnlichkeit der Vorderzähne mit denen des Aye-Aye (Daubentonia madagascariensis), eines eigentümlichen madagassischen Lemuren, sind auf konvergente Evolution zurückzuführen.

Für die Spezialisierungen der Zähne interessieren sich Paläontologen ganz besonders, da sie Details über den evolutionären Wandel von Populationen in aufeinander folgenden Epochen offenbaren. Leider sind diese mikroevolutionären Übergänge bei ausgestorben Primaten wegen der Lücken bei den Fossilien nicht generell dokumentiert. Populationen von "Früchtedieben" zeigen im Laufe der Zeit eine schrittweise Vergrößerung des hinteren unteren Prämolaren zu einer großen Klinge (wie beispielsweise bei Carpolestes), die gegen die oberen Prämolaren mit mehreren Höckern schneiden. Dieser Mechanismus zeigt einige Parallelen zu den Zähnen von einigen heute lebenden australischen Beuteltieren, etwa den Rattenkängurus (Bettongia), die sie zum Zerschneiden von Pflanzenteilen verwenden. Die subtilen, aber gut dokumentierten Änderungen in der Zahnanatomie von Carpolestiden liefern das beste Beispiel für die fortschreitende Evolution bei Primaten, obwohl die Carpolestiden ohne spätere Nachkommen ausgestorben sind.

Die Blütezeit der Plesiadapoidea war die Epoche des Paläozäns in Nordamerika, Europa und vielleicht in Asien. Im frühen Eozän, vor rund 50 Millionen Jahren, begannen die Plesiadapiformes zu verschwinden, vielleicht weil sie als Früchte- und Blattfresser von den Nagetieren verdrängt wurden, die sich im frühen Eozän explosionsartig diversifizierten. Am Ende des Eozäns, vor ca. 35 Millionen Jahren, waren die Plesiadapoidea aus Europa verschwunden und nur eine Spezies der Paromomyidae überlebte in Nordamerika. Die Plesiadapoidea und Plesiadapiformes wurden durch Nagetiere, Lemuren und Euprimaten vollständig ersetzt.


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
KNM-CA 570
KNM-CA 570

Proconsul

Elemente:

Chamtwara, Kenia

09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet..
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden..
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
P.
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert..
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
S.
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
B.
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis 1.150 v..
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht..
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien..
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen..
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können.
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.
09.04.2020
Landwirtschaft begann im Amazonas vor 10.000 Jahren
Wie eine neue Studie zeigt, begannen die Menschen vor mehr als 10’000 Jahren im Südwesten des Amazonas mit dem Anbau von Maniok und Kürbissen, 8'000 Jahre früher als bisher angenommen..
27.03.2020
Auch Neandertaler aßen Muscheln, Fisch und Robben
Bereits die Neandertaler ernährten sich vor über 80.000 Jahren regelmäßig von Muscheln, Fisch und anderen Meeresbewohnern..
03.03.2020
Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache
So verzückt Eltern auch sind, wenn ihr Kleines das erste Mal „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“ brabbelt – ehe daraus Sätze entstehen, muss noch viel passieren..
25.02.2020
Ausgewandert
Sibirische Neandertaler stammten von verschiedenen europäischen Populationen ab
25.02.2020
Jede Mittelmeerinsel hat eigenes genetisches Muster
Schon vor der Zeit der mediterranen Seefahrerzivilisationen gab es prähistorische Wanderungen aus Afrika, Asien und Europa auf die Mittelmeerinseln..
18.02.2020
Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren
Aus prähistorischer Zeit liegen bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Ernährung der damaligen Tiere und Menschen vor..
18.02.2020
2.700 Jahre alter Tempel im äthiopischen Hochland entdeckt
E.
05.02.2020
Prähistorisches Skelett in Südmexiko entdeckt
Ein prähistorisches menschliches Skelett, das in Südmexiko geborgen werden konnte, ist mindestens 10.000 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der letzten Eiszeit..
28.01.2020
Neandertaler gingen für ihre Werkzeuge ins Wasser
Neandertaler sammelten Muschelschalen und Bimsstein aus den Küstengewässern, um sie als Werkzeuge zu benutzen.
06.01.2020
Forscher bestimmen das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus
Ein internationales Forscherteam hat das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus bestimmt, einem der direkten Vorfahren des modernen Menschen..
29.11.2019
Affen informieren Gruppenmitglieder über Gefahren
Menschen stehen oft vor der Wahl, ob sie zum Allgemeinwohl beitragen oder sich egoistisch verhalten und andere sich verausgaben lassen möchten..
25.11.2019
Menschliche Musikalität verbindet alle Kulturen: Kognitionsbiologen erforschen universelle Eigenschaften der Weltmusik
Ist Musik wirklich eine "universelle Sprache"? Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science unterstützen die These, dass Musik auf der ganzen Welt – trotz vieler Unterschiede – große Gemeinsamkeiten aufweist..