Australopithecus bahrelghazali

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Bis zur Entdeckung von Australopithecus anamensis im Jahr 1994 galten nahezu zwanzig Jahre lang die Angehörigen der Art Australopithecus afarensis als früheste Vormenschen. War schon mit der älteren Art anamensis das Bild komplizierter geworden, verwirrt nun dieser Fund aus dem Tschad (am Bahr el Ghazal bei Koro Toro, 2.500 Kilometer westlich des Rift Valley) aus dem Jahr 1995 den Stammbaum. Der Grad der Ausbreitung von Australopithecus dürfte also im nordöstlichen Afrika beträchtlich gewesen sein. Die Spärlichkeit der Funde geht vor allem darauf zurück, dass Gebiete mit hohem Fossilisationspotenzial in diesen Regionen sehr selten sind.

Die Untersuchungen französischer Wissenschaftler und anderer Nationen um den Paläoanthropologen Michel Brunet zeigen, dass sich Australopithecus bahrelghazali sowohl von A. anamensis und A. afarensis als auch von Ardipithecus ramidus anatomisch unterscheidet: Zum Beispiel war seine Gesichtspartie steiler gestellt (ortognath) als bei seinen langschnäuzig (prognath) wirkenden Verwandten.

Australopithecus bahrelghazali ist eine neue Artkennzeichnung, die nur von wenigen Forschern anerkannt wird. Dies liegt an der kleinen Mustergröße und der Ähnlichkeit der Stücke zu Australopithecus afarensis. Jedoch unterscheidet sich das Material auch in einigen wichtigen Aspekten von A. afarensis und dies könnte die Benennung einer neuen Art oder zumindest einer Unterart des Australopithecus afarensis rechtfertigen.

Das Material, das als Australopithecus bahrelghazali gekennzeichnet wurde, wurde von Michel Brunet et al. in einem alten Flussbett des Bahr el Ghazal (Gazellenfluß) im Tschad, 2.500 Kilometer westlich des afrikanischen Rift-Valley entdeckt. Dies ist der am weitesten westlich gelegene Fundort eines Australopithecus in Afrika. Bei dem Fundstück handelt es sich um einen Unterkiefer mit 7 Zähnen (KT12/H1), der aufgrund bekannter Fossilien, die im gleichen Horizont gefunden wurden, auf ein Alter zwischen 3,0 und 3,5 Millionen Jahre datiert worden ist.

Die Benennung einer neuen Art ist in Fachkreisen oft umstritten und im Falle des Australopithecus bahrelghazali sehen viele Forscher in diesem Material einfach eine regionale Variante von Australopithecus afarensis. Ob bahrelghazali nun seinen Namen zu Recht trägt oder nicht kann nur die Zukunft zeigen, wenn weiteres Material aus der Gegend westlich des afrikanischen Grabenbruchs gefunden und beschrieben wird.

Literatur

Brunet, Michel, Beauvilain, Alain, Coppens, Yves, Heintz, Emile, Moutaye, Aladji H.E., and David Pilbeam. 1995 The first australopithecine 2,500 kilometres west of the Rift Valley (Chad).Nature 378: 273-275. DOI: 10.1038/378273a0


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