Neandertaler aus dem frühen Oberen Paläolithikum

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Funde des Neandertalers, die grob auf das späte Pleistozän datiert wurden, sind zwischen ungefähr 130.000 bis 45.000 Jahre alt sind. In diese Zeit fallen viele der sogenannten "klassischen" Neandertaler mit gut erforschten Exemplaren. Fundorte dieser Gruppe sind Krapina, Saccopastore, Malarnaud, Altamura, Gánovce, Denisova, Okladnikov, Pech de l'Azé, Tabun, Kebara, Régourdou, Mt. Circeo, La Ferrassie, Combe Grenal, La Chapelle-aux-Saints, Amud, Shanidar, Teshik-Tash und die Feldhofer Grotte im Neandertal.

Krapina

Die Funde aus der Höhle von Krapina in Kroatien wurden 1899 von K. Gorjanovic-Kramberger entdeckt. Die menschlichen Überreste von dieser Fundstelle stellen die größte Sammlung von Neandertalern dar, die je gefunden wurde, sogar die größte Sammlung von Homininen überhaupt. Es gibt mehr als 850 menschliche Fossilien von mehr als achtzig Individuen, von denen die meisten im Alter von sechzehn bis vierundzwanzig Jahren starben. Das Alter der Funde ist auf ca. 130.000 Jahre datiert worden. Viele der Knochen zeigen Schnitte, die möglicherweise durch kannibalische Handlungen entstanden sind, da jegliche Bissspuren fleischfressender Beutegreifer fehlen. Während einige rekonstruierte Schädel Unterschiede zu den klassischen Neandertalern und den Neandertalern des Nahen Ostens aufweisen, so sind die meisten Merkmale doch eindeutig dieser Spezies zuzuordnen.

Saccopastore

Der Fund aus dem Saccopastore-Steinbruch in Rom besteht aus einem beinahe vollständigen Schädel (Saccopastore 1) einer erwachsenen Frau, sowie einem etwas schlechter erhaltenen Schädel (Saccopastore 2) eines Mannes. Beide wurden nicht gemeinsam, sondern zu unterschiedlichen Zeitpunkten und von unterschiedlichen Leuten gefunden. Sie sind auf ein Alter von ungefähr 120.000 Jahre datiert worden und könnten fast Zeitgenossen der Neandertaler aus der Höhle von Krapina in Kroatien gewesen sein. Das weibliche Exemplar hatte eine geschätzte Gehirngröße von 1.245 cm³ und der Mann ungefähr 1300 cm³. Obwohl diese Individuen unleugbar Neandertaler waren, zeigen sie einige Unterschiede zu den weiter nördlich lebenden Neandertalern, wie etwa aus La Ferrassie oder La Chapelle-aux-Saints in Frankreich. Dies macht sich u.a. durch eine kleinere Gehirngröße und ein weniger hervorstehendes Mittelgesicht bemerkbar.

Teshik-Tash

Der Fund eines Neandertalers aus der Höhle von Teshik-Tash in den Bergen von Usbekistan wurde auf ein Alter von 70.000 Jahren datiert und besteht aus dem fast kompletten Schädel eines acht- bis neunjährigen Kindes, wahrscheinlich männlich, sowie vielen postkranialen Teilen des Skeletts. Zu diesen gehören ein Halsrückenwirbel, mehrere Rippen, ein Oberarmknochen, die Schlüsselbeine, ein Oberschenkelknochen, ein Schienbein und ein Wadenbein. Der Fund ist u.a. deshalb so wichtig, weil das Skelett von Schädeln des sibirischen Steinbocks umgeben war - dies scheint eines der ersten Zeugnisse für die rituellen Bestattungspraktiken der Neandertaler zu sein. Auch deuten die Steinbockschädel auf eine zielgerichtete Jagd auf die Tiere hin, da die vielen Knochen keinerlei Spuren zeigen, wie sie fleischfressende Tiere hinterlassen würden. Obwohl die Überreste von einem Kind stammen, zeigen sie doch eindeutige Verbindungen zu den europäischen Neandertalern aus der Epoche vor ca. 70.000 Jahren. Dazu gehören etwa der längliche Schädel mit fliehender Stirn und ein großes Gehirn von ca. 1.500 cm³ (bei Erwachsenen).

Kebara

Die Neandertaler aus der Kebara Höhle in Israel wurden während mehrerer Grabungskampagnen entdeckt. Der erste Fund bestand aus fragmentarisch erhaltenen Überresten eines Säuglings (Kebara 1). 1983 folgte dann die Entdeckung des weithin besser bekannten Exemplars Kebara 2, bestehend aus dem außergewöhnlich vollständigen postcranialen Skelett, einem Unterkiefer, einem Zungenbein und einem einzelnen Molaren. Die Knochen wurden mit der Thermolumineszenz-Methode datiert und ergaben ein Alter von rund 60.000 Jahren. Das Exemplar Kebara 2 besitzt eines der wenigen vollständigen Becken, die man gegenwärtig von Homininen kennt. Die Form zeigt einem anatomisch geschulten Auge, dass es sich bei dem Besitzer des Beckens um ein männliches Individuum handeln musste. Man schätzt, dass der Neandertaler aus der Kebara Höhle ungefähr 1,73 m groß war und etwa 76 kg wog. Das ist signifikant weniger als die Schätzungen bei nördlicheren europäischen Neandertalern mit ähnlicher Körpergröße, etwa vom Fundort La Ferrassie. Die Entdeckung des Zungenbeins war eine kleine Sensation, denn es widerlegte frühere Theorien, wonach der Neandertaler und andere prä-sapiens Homininen nicht sprechen konnten. Kebara 2 war zwischen 25 und 35 Jahre alt als er starb und kann aufgrund mehrerer Merkmale sicher den Neandertalern zugeordnet werden.

Teshik-Tash

Der Fund eines Neandertalers aus der Höhle von Teshik-Tash in den Bergen von Usbekistan wurde auf ein Alter von 70.000 Jahren datiert und besteht aus dem fast kompletten Schädel eines acht- bis neunjährigen Kindes, wahrscheinlich männlich, sowie vielen postkranialen Teilen des Skeletts. Zu diesen gehören ein Halsrückenwirbel, mehrere Rippen, ein Oberarmknochen, die Schlüsselbeine, ein Oberschenkelknochen, ein Schienbein und ein Wadenbein. Der Fund ist u.a. deshalb so wichtig, weil das Skelett von Schädeln des sibirischen Steinbocks umgeben war - dies scheint eines der ersten Zeugnisse für die rituellen Bestattungspraktiken der Neandertaler zu sein. Auch deuten die Steinbockschädel auf eine zielgerichtete Jagd auf die Tiere hin, da die vielen Knochen keinerlei Spuren zeigen, wie sie fleischfressende Tiere hinterlassen würden. Obwohl die Überreste von einem Kind stammen, zeigen sie doch eindeutige Verbindungen zu den europäischen Neandertalern aus der Epoche vor ca. 70.000 Jahren. Dazu gehören etwa der längliche Schädel mit fliehender Stirn und ein großes Gehirn von ca. 1.500 cm³ (bei Erwachsenen).

Kebara

Die Neandertaler aus der Kebara Höhle in Israel wurden während mehrerer Grabungskampagnen entdeckt. Der erste Fund bestand aus fragmentarisch erhaltenen Überresten eines Säuglings (Kebara 1). 1983 folgte dann die Entdeckung des weithin besser bekannten Exemplars Kebara 2, bestehend aus dem außergewöhnlich vollständigen postcranialen Skelett, einem Unterkiefer, einem Zungenbein und einem einzelnen Molaren. Die Knochen wurden mit der Thermolumineszenz-Methode datiert und ergaben ein Alter von rund 60.000 Jahren. Das Exemplar Kebara 2 besitzt eines der wenigen vollständigen Becken, die man gegenwärtig von Homininen kennt. Die Form zeigt einem anatomisch geschulten Auge, dass es sich bei dem Besitzer des Beckens um ein männliches Individuum handeln musste. Man schätzt, dass der Neandertaler aus der Kebara Höhle ungefähr 1,73 m groß war und etwa 76 kg wog. Das ist signifikant weniger als die Schätzungen bei nördlicheren europäischen Neandertalern mit ähnlicher Körpergröße, etwa vom Fundort La Ferrassie. Die Entdeckung des Zungenbeins war eine kleine Sensation, denn es widerlegte frühere Theorien, wonach der Neandertaler und andere prä-sapiens Homininen nicht sprechen konnten. Kebara 2 war zwischen 25 und 35 Jahre alt als er starb und kann aufgrund mehrerer Merkmale sicher den Neandertalern zugeordnet werden.

La Chapelle-aux-Saints

Ein früher Neandertalerfund, dessen wissenschaftliche Beschreibung zu den Jahrzehnte anhaltenden Vorurteilen über die Neandertaler führte, ist der „Alte Mann” von La Chapelle-aux-Saints. Dieses Exemplar wurde 1908 während des Baus einer Abtei von Mönchen entdeckt. Die Überreste schickte man an den französischen Anatomen Marcellin Boule, der sie als „typische” Neandertaler beschrieb. Dies führte zu der noch heute gebräuchlichen Umschreibung „klassische Neandertalermerkmale” für Funde aus einem Zeitraum vor 90.000 bis 40.000 Jahre. Die Neandertaler waren jedoch eine höchst variable Menschenart, und der Fund aus La Chapelle-aux-Saints zeigte sehr viele, sehr extreme Neandertalermerkmale. Auch benutzte Boule den krankhaften Zustand des Fossils, um in der Öffentlichkeit ein falsches Neandertaler-Bild zu zeichnen. Eher an einen Menschenaffen erinnernd, könne man den Neandertaler nicht in Verbindung mit dem modernen Menschen bringen. Abgesehen von Boule's voreingenommenen Ansichten über die Evolution des Menschen war der Grund für die langjährigen Vorurteile gegenüber dem Neandertaler die Tatsache, dass Boule die Überreste von La Chapelle-aux-Saints, die einem arthritischen alten Mann zwischen 40 und 50 Jahren gehörten, als „typisch” für die gesamte Spezies Homo neanderthalensis beschrieb. Der Fund des „Alten Mannes” von La Chapelle-aux-Saints zeigt alle Merkmale des „klassischen Neandertalers”, so zum Beispiel die große Gehirngröße (1.625 Kubikzentimeter), die ausgeprägten Überaugenwülste und das fehlende Kinn. Der Fund wurde auf etwa 50.000 Jahre datiert.

La Ferrassie

Eine weitere, frühe Entdeckung von Neandertalern wurde 1909 gemacht, als man bei La Ferrassie in Frankreich zu graben begann. Der Fundort wird auf ein Alter von ungefähr 50.000 Jahre datiert und hat die Überreste von sieben Individuen hervorgebracht. Der bekannteste Fund trägt die Bezeichnung La Ferrassie 1, dabei handelt es sich um ein beinahe vollständiges Skelett eines alten, männlichen Neandertalers. Weiterhin entdeckte man ein vollständiges erwachsenes weibliches Exemplar, sowie die Überreste von fünf Kindern bis zu zehn Jahren, wobei es sich bei einem Kind um ein Ungeborenes handelt. Die Toten scheinen beerdigt worden zu sein. Die Beschreibung von La Ferrassie 1 begründet zusammen mit La Chapelle-aux-Saints die „klassische” Neandertaleranatomie, mit Merkmalen wie einer fliehenden Stirn, ein langes, niedriges Schädeldach, die dicken Überaugenwülste, das vorstehende Mittelgesicht, die Lücke hinter dem dritten Backenzahn sowie ein enormes Gehirnvolumen von mehr als 1.600 Kubikzentimeter.

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Literatur

Stringer, C.B., and R. Grün. 1991. "Time for the last Neanderthals." In Nature, vol. 351, pp. 701-702.

Bar-Yosef, O., B. Vandermeersch, B. Arensburg, A. Belfer-Cohen, P. Goldberg, H. Laville, L. Meignen, Y. Rak, J.D. Speth, E. Tchernov, A.M. Tillier, and S. Weiner. 1992. "The Excavations in Kebara Cave, Mt. Carmel." In Current Anthropology, vol. 33, no. 5, pp. 497-550.

Johanson, D., und B. Edgar. 2000, Lucy und ihre Kinder . Spektrum akad. Verlag ISBN: 3-8274-1049-5


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