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Die ersten Schriften

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Drei Erfindungen machten vor allen anderen den Menschen zu dem, was er heute ist: Feuer, Landwirtschaft und Schrift. Das Feuer machte ihn unabhängig von der angestammten tropischen Klimazone, die Landwirtschaft befreite ihn vom begrenzten Nahrungsangebot der Natur. Die Schrift sprengte schließlich die Fesseln, die das Gedächtnis dem wachsenden Wissen der Menschheit auferlegte.

Vor vielleicht schon vor 130.000 Jahren vollzog sich langsam der körperliche Wandel in der Kehle, der - spätestens vor 40.000 Jahren - Homo sapiens den modernen Sprechapparat bescherte. Zeitliche und räumliche Trennung splitterten bestehende Sprachen immer wieder in neue Sprachen auf. So gehen zum Beispiel die meisten europäischen Sprachen, aber auch Persisch und das indische Sanskrit, auf eine gemeinsame Quelle zurück: die indogermanische, oder indoeuropäische Sprache, so genannt nach ihren geographisch am weitesten auseinanderliegenden Nachfolgern.

Doch die gesprochene Sprache verweht der Wind, und im Gedächtnis gespeicherte Informationen gehen mit dem Tod verloren. Schon der Cro-Magnon-Mensch zeigte das Bedürfnis, Gedanken dauerhafter zu machen, wie Höhlenmalerei sowie eingekerbte Knochenstücke zeigen.

Der einsetzende Handel machte in der Jungsteinzeit verläßliche Systeme zum Aufzeichnen von Informationen immer dringlicher. Das Kerbholz war eine Möglichkeit, Soll und Haben bei Handelsgeschäften festzulegen. Eine andere Methode, die etwa 8500 v. Chr. zum ersten Mal auftauchte, waren kleine Tonplättchen, - kügelchen oder -symbole, die vermutlich bestimmte Warenmengen bezeichneten und die damit die wohl ältesten »Warenbegleitbriefe« sind. Die tönernen Symbole waren von ägypten bis ins Industal verbreitet - also über die ganze Region, in der dann die ersten echten Schriften entwickelt wurden. »Die Schrift ist das Gemälde der Stimme«, meinte einmal der französische Philosoph Voltaire, und die ersten Schriften waren in der Tat Gemälde: viele kleine Zeichnungen, die aneinandergereiht wurden.

Doch die gesprochene Sprache verweht der Wind, und im Gedächtnis gespeicherte Informationen gehen mit dem Tod verloren. Schon der Cro-Magnon-Mensch zeigte das Bedürfnis, Gedanken dauerhafter zu machen, wie Höhlenmalerei sowie eingekerbte Knochenstücke zeigen.

Der einsetzende Handel machte in der Jungsteinzeit verläßliche Systeme zum Aufzeichnen von Informationen immer dringlicher. Das Kerbholz war eine Möglichkeit, Soll und Haben bei Handelsgeschäften festzulegen. Eine andere Methode, die etwa 8500 v. Chr. zum ersten Mal auftauchte, waren kleine Tonplättchen, - kügelchen oder -symbole, die vermutlich bestimmte Warenmengen bezeichneten und die damit die wohl ältesten »Warenbegleitbriefe« sind. Die tönernen Symbole waren von ägypten bis ins Industal verbreitet - also über die ganze Region, in der dann die ersten echten Schriften entwickelt wurden. »Die Schrift ist das Gemälde der Stimme«, meinte einmal der französische Philosoph Voltaire, und die ersten Schriften waren in der Tat Gemälde: viele kleine Zeichnungen, die aneinandergereiht wurden.

Die Erfindung der Schrift war der entscheidende Schritt zur Zivilisation. Die (nahezu) unabhängige Entwicklung von Hochkulturen am Nil und im Zweistromland, am Indus und am Gelben Fluß in China zeigt, dass dort die Zeit reif war für die Entwicklung von Schriften und Staatssystemen, die über die althergebrachten Familien-, Sippen- und Stammesgrenzen hinausgingen: Wenn die erfolgreiche Ernte von der genauen Kenntnis der jahreszeitlichen Wasserspiegelschwankung des lebensspendenden Flusses abhängt, wenn Nachbarn sich nicht mehr kennen, wenn Handel über Hunderte von Kilometern hinweg betrieben wird, wenn in den Metropolen babylonische Sprachverwirrung herrscht, dann wächst der Wunsch nach verläßlicher Information, nach festgeschriebener Ordnung.

Der babylonische König Hammurabi war der erste Herrscher, der seine Gesetze kurz nach 1800 v.Chr. (in Keilschrift) aufschreiben ließ. Noch war die Kunst des Schreibens und Lesens den Schreibern vorbehalten. Doch im 7. Jahrhundert v. Chr. gab es einen Herrscher, der auch nach heutigen Begriffen hochgebildet war: Assurbanipal, König von Assyrien, ließ in seiner Hauptstadt Ninive die erste bedeutende Bibliothek anlegen, die schließlich rund 25000 Keilschrift- Tontafeln2


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