Australopithecus deyiremeda

Kategorie:


Australopithecus deyiremeda ist die neue Artbezeichnung (Haile-Selassie, 2015) eines frühen Homininen, der vor 3,3 bis 3,5 Millionen Jahren im Norden Äthiopiens lebte, etwa zur selben Zeit und im selben geografischen Gebiet wie Australopithecus afarensis. "deyiremeda" bedeutet in der Sprache der ortsansässigen Afar "naher Verwandter".

Die Entdecker glauben, dass es sich bei A. deyiremeda um eine neue Spezies handelt. Wenn das stimmt, dann könnten einige unsichere Fossilien, die bislang vorsichtig dem A. afarensis zugeordnet wurden, zu A. deyiremeda gehören. Einige Anthropologen sind jedoch der Meinung, dass die Benennung von A. deyiremeda als neue Art zu früh kommt und es mehr Fossilien erfordert, als derzeit zur Verügung stehen.

Entdeckung

Am 4. März 2011 wurden drei fossile Kieferknochen im Woranso-Mille Untersuchungsgebiet in der Afar-Region von Äthiopien gefunden. Die Fundstelle liegt etwa 523 km nordöstlich von Addis Abbeba und 35 km nördlich von der Fundstelle Hadar, wo 1974 die berühmte Lucy gefunden wurde.

Die Fossilien umfassen einen Teiloberkiefer, zwei Unterkiefer und einige andere Fragmente. Sie wurden in Sedimenten bei der Fundstelle Burtele entdeckt, die auf ein Alter zwischen 3,3 und 3,5 Millionen Jahre datiert werden konnten. Die Überraschung: zur selben Zeit und in der selben Gegend lebte vor mehr als 3 Millionen Jahren auch Lucy's Art Australopithecus afarensis. Die Burtele-Kieferknochen zeigen in vielen Aspekten große Ähnlichkeit mit A. afarensis, aber es gibt auch deutliche Unterschiede: einige der Zähne haben unterschiedliche Wurzelstrukturen, die Zähne sind generell kleiner, die Wangenknochen zeigen mehr nach vorne, der Unterkiefer ist größer und einige Zähne haben einen dickeren Zahnschmelz, was auf eine härtere, stärker abrasive Nahrung hindeuten könnte.

Die Fossilien von Australopithecus deyiremeda

Das zur Beschreibung von Australopithecus deyiremeda verwendete Fossil (der Holotypus) ist ein Oberkiefer mit Zähnen, der am 4. März 2011 auf der Oberfläche eines schluffigen Tonbodens bei Burtele entdeckt wurde. Die Paratypen (zur Beschreibung hinzugezogene Fossilien) sind zwei Unterkiefer, die am 4. und 5. März 2011 ebenfalls auf der Oberfläche gefunden wurden. Ein Unterkiefer stammt von der selben Stelle wie der Holotypus, der andere wurde an einer nahe gelegenen Stelle, genannt Waytaleyta, entdeckt. Der Oberkiefer des Holotypus wurde in einem Stück gefunden (außer einem Zahn, der in der Nähe lag), während vom Unterkiefer zwei Hälften gefunden wurden, die ungefähr zwei Meter voneinander gelegen haben. Der andere Unterkiefer, der ebenfalls als Paratypus diente, wurde etwa 2 Kilometer östlich von den Burtele-Exemplaren gefunden.

Bedeutung

Die Entdecker (Haile-Selassie, 2015) glauben, dass A. deyiremeda wahrscheinlich ein Nachkomme von A. afarensis ist und möglicherweise ein Vorfahr der nachfolgenden Homininen einschließlich der Gattung Homo und der Gattung Paranthropus ist, deren Mitglieder oft als "robuste Australopithecinen" bezeichnet werden.



Yohannes Haile-Selassie über den Australopithecus deyiremeda (englisch)

Die Fossilien von Australopithecus deyiremeda

Das zur Beschreibung von Australopithecus deyiremeda verwendete Fossil (der Holotypus) ist ein Oberkiefer mit Zähnen, der am 4. März 2011 auf der Oberfläche eines schluffigen Tonbodens bei Burtele entdeckt wurde. Die Paratypen (zur Beschreibung hinzugezogene Fossilien) sind zwei Unterkiefer, die am 4. und 5. März 2011 ebenfalls auf der Oberfläche gefunden wurden. Ein Unterkiefer stammt von der selben Stelle wie der Holotypus, der andere wurde an einer nahe gelegenen Stelle, genannt Waytaleyta, entdeckt. Der Oberkiefer des Holotypus wurde in einem Stück gefunden (außer einem Zahn, der in der Nähe lag), während vom Unterkiefer zwei Hälften gefunden wurden, die ungefähr zwei Meter voneinander gelegen haben. Der andere Unterkiefer, der ebenfalls als Paratypus diente, wurde etwa 2 Kilometer östlich von den Burtele-Exemplaren gefunden.

Bedeutung

Die Entdecker (Haile-Selassie, 2015) glauben, dass A. deyiremeda wahrscheinlich ein Nachkomme von A. afarensis ist und möglicherweise ein Vorfahr der nachfolgenden Homininen einschließlich der Gattung Homo und der Gattung Paranthropus ist, deren Mitglieder oft als "robuste Australopithecinen" bezeichnet werden.

Diese Entdeckung hat wichtige Auswirkungen auf unser Verständnis der Ökologie von frühen Homininen. Sie wirft auch wichtige Fragen auf, beispielsweise wie mehrere Arten von frühen Homininen gleichzeitig in einem kleinen geographische Gebiet leben konnten und wie sie die Ressourcen ihrer Umwelt nutzten.

Vorsichtige Meinungen

Einige Anthropologen sind der Meinung, man brauche mehr Beweise, bevor man zu der Schlussfolgerung gelangt, dass Australopithecus deyiremeda eine neue Spezies ist. Carol Ward von der University of Missouri, Columbia, sagte, dass die Fossilien "außerhalb der Variationsbreite aller bisher beschriebenen Arten liegen," aber dass mehr Fossilien erforderlich seien, um einen gültigen Vergleich mit anderen Fossilien anstellen zu können. Sie sagt, dass neben "Lucy" andere Australopithecinen gelebt haben könnten, die sich an eine Vielzahl von ökologischen Nischen angepasst haben könnten. Tim D. White hat argumentiert, dass mehr Beweise nötig seien, bevor man zu dem Schluß gelangen könne, dass die abweichenden Merkmale der neuen Fossilien nicht nur Variationen innerhalb der Art Australopithecus afarensis sind. William Kimbel, ein Paläoanthropologe an der Arizona State University, ist der Meinung, dass die Unterschiede zwischen den neuen Fossilien und A. afarensis "ziemlich subtil sind."

Literatur

Yohannes Haile-Selassie, Luis Gibert, Stephanie M. Melillo, Timothy M. Ryan, Mulugeta Alene, Alan Deino, Naomi E. Levin, Gary Scott, Beverly Z. Saylor. 2015. New species from Ethiopia further expands Middle Pliocene hominin diversity. Nature, 2015; 521 (7553): 483. DOI: 10.1038/nature14448

Yohannes Haile-Selassie, Beverly Z. Saylor, Alan Deino, Naomi E. Levin, Mulugeta Alene, Bruce M. Latimer. 2012. A new hominin foot from Ethiopia shows multiple Pliocene bipedal adaptations Nature, DOI: 10.1038/nature10922


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
IPS 56
IPS 56

Dryopithecus laietanus

Elemente: R. UP3

,

09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet..
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden..
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
P.
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert..
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
S.
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
B.
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis 1.150 v..
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht..
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien..
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen..
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können.
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.
09.04.2020
Landwirtschaft begann im Amazonas vor 10.000 Jahren
Wie eine neue Studie zeigt, begannen die Menschen vor mehr als 10’000 Jahren im Südwesten des Amazonas mit dem Anbau von Maniok und Kürbissen, 8'000 Jahre früher als bisher angenommen..
27.03.2020
Auch Neandertaler aßen Muscheln, Fisch und Robben
Bereits die Neandertaler ernährten sich vor über 80.000 Jahren regelmäßig von Muscheln, Fisch und anderen Meeresbewohnern..
03.03.2020
Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache
So verzückt Eltern auch sind, wenn ihr Kleines das erste Mal „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“ brabbelt – ehe daraus Sätze entstehen, muss noch viel passieren..
25.02.2020
Ausgewandert
Sibirische Neandertaler stammten von verschiedenen europäischen Populationen ab
25.02.2020
Jede Mittelmeerinsel hat eigenes genetisches Muster
Schon vor der Zeit der mediterranen Seefahrerzivilisationen gab es prähistorische Wanderungen aus Afrika, Asien und Europa auf die Mittelmeerinseln..
18.02.2020
Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren
Aus prähistorischer Zeit liegen bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Ernährung der damaligen Tiere und Menschen vor..
18.02.2020
2.700 Jahre alter Tempel im äthiopischen Hochland entdeckt
E.
05.02.2020
Prähistorisches Skelett in Südmexiko entdeckt
Ein prähistorisches menschliches Skelett, das in Südmexiko geborgen werden konnte, ist mindestens 10.000 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der letzten Eiszeit..
28.01.2020
Neandertaler gingen für ihre Werkzeuge ins Wasser
Neandertaler sammelten Muschelschalen und Bimsstein aus den Küstengewässern, um sie als Werkzeuge zu benutzen.
06.01.2020
Forscher bestimmen das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus
Ein internationales Forscherteam hat das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus bestimmt, einem der direkten Vorfahren des modernen Menschen..
29.11.2019
Affen informieren Gruppenmitglieder über Gefahren
Menschen stehen oft vor der Wahl, ob sie zum Allgemeinwohl beitragen oder sich egoistisch verhalten und andere sich verausgaben lassen möchten..
25.11.2019
Menschliche Musikalität verbindet alle Kulturen: Kognitionsbiologen erforschen universelle Eigenschaften der Weltmusik
Ist Musik wirklich eine "universelle Sprache"? Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science unterstützen die These, dass Musik auf der ganzen Welt – trotz vieler Unterschiede – große Gemeinsamkeiten aufweist..