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Der Ursprung der australischen Ureinwohner wird seit vielen Jahren heftig diskutiert, mit dem Ergebnis, dass die geschätzte Besiedlung von Australien immer weiter in die Vergangenheit zurückverlegt wurde. Es scheint heute sehr sicher zu sein, dass Australien vor mindestens 60.000 bis 50.000 Jahren bereits bewohnt war, und es gibt sogar einige Hinweise, die auf eine erste Einwanderungswelle vor 115.000 Jahre hindeuten. Der Grund für die Annahme einer so frühen Einwanderung des Homo sapiens geht auf eine vermutete Verbindung zwischen australischen Funden und den älteren Funden auf Java zurück.

Dabei dreht es sich hauptsächlich um ein einzelnes Fossil mit der Bezeichnung WLH 50 (=Willandra Lake Hominid No.50), obwohl es mehrere andere Fossilien aus dem Übergang vom späten Pleistozän zum frühen Holozän gibt, die eine sehr frühe Besiedlung Australiens demonstrieren. Milford Wolpoff, ein Befürworter der Multiregionalen Hypothese (wonach sich Homo sapiens in Asien an verschiedenen Stellen aus Homo erectus entwickelte), hat offensichtlich auch Ähnlichkeiten zwischen seiner Rekonstruktion des Schädels Sangiran 17, einem Homo erectus, und den australischen Aborigines festgestellt.

WLH 50

Die ältesten Überreste von Homo sapiens in Australien stammen von den Willandra Seen in New South Wales und sind auf ein Alter von mehr als 35.000 Jahren datiert worden. Zu den Willandra-Menschen gehören drei meist komplette Exemplare, doch im Mittelpunkt derzeitiger Diskussionen steht WLH 50. Der Schädel wurde an der Erdoberfläche gefunden und ist der letzte der drei Schädel, die sicher datiert werden konnten. Wolpoff und andere sehen in WLH 50 eine klare Verbindung zu frühen indonesischen Funden. Eines der bemerkenswertesten Merkmale ist das große Schädelvolumen, das auf eine Gehirnkapazität von 1.540 Kubikzentimeter schließen lässt - das ist mehr als bei heutigen australischen Ureinwohnern.

Die beiden anderen wichtigen Funde von den Willandra Seen sind WLH 1 vom Lake Mungo, ein fragmentarisch erhaltenes Skelett einer Frau, und WLH 3 (Mungo Man), ebenfalls vom Lake Mungo, ein fast vollständiges Skelett eines Mannes. Beide sind kleiner und graziler als WLH 50, mit abgerundeter Stirn, dünnen Schädeldecken, schwächeren Muskelansätzen und nur mäßig ausgeprägten Überaugenwülsten.

Aus viel späterer Zeit stammen andere Überreste von Homo sapiens in Australien wie z. B. die Menschen von Kow Swamp (z.B. Kow Swamp 1 und 5) mit 14.000 bis 9.500 Jahren, die Funde aus Coobool Crossing mit etwa 14.000 Jahren, sowie der Oberschenkelknochen und der Schädel aus Keilor mit etwa 12.000 Jahren.


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