Orion (Mythologie)

Orion als Sternbild. Illustration aus Johann Bayers Uranometria, 1603

Orion [oˈʀiːɔn] ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:ISO15924:97: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist ein riesenhafter, unter die Sterne versetzter Jäger der griechischen Mythologie.[1]

Als riesiger[2] und starker Jäger lebte er in Böotien und Kreta. Bei der Jagd wurde er von seinen Jagdhunden Sirius und Procyon begleitet, die auch am Himmel sein Sternbild (s. u.) umgeben. Die Angaben über seine Herkunft sind widersprüchlich: mal ist er der Sohn des Poseidon und der Euryale (nicht zu verwechseln mit der Gorgone Euryale),[3] manchmal hat er gleich drei Väter, nämlich Poseidon, Zeus und einen dritten (Hermes oder Ares).[4] Alle drei mischten ihren Samen in einem Beutel aus Stierhaut.[5] Von Zeus hat er daher seine Vorliebe für erotische Abenteuer, und Poseidon vererbte ihm die Fähigkeit, über Wasser zu gehen.[6]

Seine Gattin Side wurde von Hera in den Tartaros hinabgestoßen, da sie sich zu sehr ihrer Schönheit rühmte.[7]

Nach der Sage um Oinopion, einen Sohn des Weingottes Dionysos, verliebte sich dessen Tochter Merope in Orion, aber Oinopion stimmte der Vermählung nicht zu. Vor Wut vergewaltigte Orion sie, wofür ihm ihr Vater die Augen ausstach, nachdem er ihn mit Wein betrunken gemacht hatte. Hephaistos ermöglichte es Eos, der Göttin der Morgenröte, Orions Sehkraft wiederherzustellen, indem er ihm den Schmied Cedalion schickte, um ihn zum Sonnenaufgang zu führen. Orion schwor, Rache an Oinopion zu nehmen, aber Hephaistos half Oinopion und versteckte ihn unterirdisch, damit Orion ihn nicht finden konnte. Stattdessen ließ er sich Eos zuliebe auf der Insel Delos nieder. Eos verliebte sich in ihn, worauf er aus Eifersucht von Artemis mit Pfeilen getötet wird.[8] Später versetzt Artemis den Jäger Orion aus Reue als Sternbild an den Himmel,[9] wo er noch heute den schönen Plejaden nachstellt – die Plejaden gehen als Siebengestirn kurz vor Orion auf und unter.

Eine andere Geschichte sieht Orion als einen übereifrigen Jäger, der alle wilden Tiere des Erdkreises töten wollte. Gaia (die Erde selbst), Artemis oder auch Hera brachten daraufhin einen Skorpion hervor,[10] der Orion durch einen Stich tötete. Der Heiler Asklepios versuchte vergeblich ihn zu retten. Daraufhin wurden Orion und der Skorpion als Sternbilder in den Himmel versetzt, wo sie sich immer noch jagen. (Orions Sternbild ist in den Wintermonaten zu sehen, das des Skorpions zur Sommerzeit, beide gleichzeitig jedoch fast nie.)[11] Auch Asklepios wurde als Sternbild Schlangenträger am Nachthimmel verewigt. Andere Varianten zu Orions Tod siehe unter Artemis.[12]

Eine weitere Sage gibt Orion als Sohn einer der Artemis zugehörigen Nymphen aus, die als Begleiterinnen der jungfräulichen Göttin der Jagd ebenfalls jungfräulich zu bleiben hatten. Das geht aber nicht, wenn Göttervater Zeus ein Auge auf ein weibliches Wesen geworfen hat. Als die Schwangerschaft offensichtlich wurde, verwandelte die Göttin der Jagd ihre Nymphe in eine Bärin. Sie gebar den Orion in Menschengestalt, der in einer Familie von Hirten aufgezogen wurde. Orion wuchs zu einem großen Jäger heran. Einstmals sei ihm bei der Jagd eine Bärin über den Weg gelaufen, ohne dass er seine Mutter erkannt habe. Die Bärin richtete sich auf den Hintertatzen auf und breitete ihre Vordertatzen aus, um ihren Sohn zu umarmen. Der verstand das als Angriff und erschoss die Bärin. Wegen dieser Mutter-Sohn-Tragödie wurden sowohl der Große Bär wie auch Orion an den Himmel versetzt.

Bei den Germanen hieß das Sternbild „Die drei Jäger“.

Literatur

  • Joseph Eddy Fontenrose: Orion: the Myth of the Hunter and the Huntress. University of California Press, 1981, ISBN 0-520-09632-0.
  • Heinrich Küentzle: Orion. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 3,1, Leipzig 1902, Sp. 1018–1047 (Digitalisat).
  • Catherine Lochin: Orion. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC). Band VII, Zürich/München 1994, S. 78–80.
  • Robert Muth: Orion. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XI, Stuttgart 1968, Sp. 1300–1303.
  • Wolfgang Schadewaldt: Die Sternsagen der Griechen. Fischer, 1956.
  • Reinhard Suchier: Orion der Jäger. Ein Beitrag zur semitisch-indogermanischen, besonders zur deutschen Mythenforschung. Waisenhaus-Buchdruckerei, Hanau 1859.

Weblinks

Commons: Orion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Homer, Ilias 18,486
  2. Bibliotheke des Apollodor 1,4,3,1
  3. Pherekydes von Athen bei Bibliotheke des Apollodor 1,4,3,1
  4. Aristomachus bei Eratosthenes, Katasterismoi 32,164
  5. Hyginus Mythographus, De astronomia 2,34
  6. Bibliotheke des Apollodor 1,4,3,1
  7. Bibliotheke des Apollodor 1,4,3,1
  8. Maurus Servius Honoratius, Kommentar zu Aeneis 1,535
  9. Bei Ovid, Metamorphosen 8,207 führt er ein gezücktes Schwert, bei Homer, Odyssee 11,572–575 eine eherne Keule.
  10. Hyginus Mythographus, De astronomia 2,26
  11. Ovid, Fasti 5,535–544
  12. Scholion zu Nikandros aus Kolophon, Theriaca 15

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