Die Turkilinger (auch Turkilingen; lateinisch Turcilingi, Torcilingi) beschreibt die ältere Forschungsliteratur als ein Herrschergeschlecht der Skiren bzw. einen spätantiken Volksstamm im Osten Mitteleuropas. Neuere Forschungen sehen den Namen Torcilingi eher als Verschreibung für Toringi (Thüringer) an.

Die ältere Forschung beschreibt die Turkilinger als ein Herrschergeschlecht der Skiren bzw. einen Volksstamm im Osten Mitteleuropas. Als Quelle dient der Bericht des Jordanes in den Getica über Odoaker, den König der Torcilingi, der noch andere Völker mit sich geführt habe.[1] Diese Turkilinger hat es historisch wohl so nicht gegeben. Die neuere Forschung geht eher von einem Fehler des Jordanes aus[2] und der Name Torcilingi wird nicht selten als Verschreibung für Toringi (Thüringer) angesehen.[3] Zum einen stellt der Bericht bei Jordanes die einzige Nachricht von den Turkilingern dar, dies immer im Zusammenhang mit Odoaker; zum anderen heißt es im mittelbyzantinischen Lexikon Suda über Odoakers Bruder Onoulf, dass er seitens des Vaters (Edekon) von den Thüringern ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value)) und mütterlicherseits von den Skiren abstamme.[4] Nach Wolfram Brandes gibt das Lexikon die Herkunft Onoulfs und Odoakers damit als zur Hälfte thüringisch an. Unterstützt sieht Brandes diese Interpretation durch den Bericht des Jordanes von Odoaker als dem König der Torcilingi.

Anmerkungen

  1. Jordanes, Getica 46, 242. In: Diese Reihe der Monumenta Germaniae Historica ist nicht bekannt: Torcilingorum rex habens sicum Sciros, Heruls diversarumque gentium auxiliarios.
  2. Vgl. dazu auch Helmut Castritius: Skiren. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 28, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 643.
  3. Vgl. Wolfram Brandes: Thüringer/Thüringerinnen in byzantinischen Quellen. In: Helmut Castritius (Hrsg.): Die Frühzeit der Thüringer. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021454-3, S. 291–328. Vgl. dazu auch Alexander Demandt: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian. 284–565 n. Chr. 2. Auflage. Beck, München 2007, ISBN 3-406-55993-X, S. 211, Anmerkung 64.
  4. Suda, Stichwort Kata patera kai mêtera, Adler-Nummer: kappa 693, Suda-Online Die Forschung sieht die diesbezügliche Passage als Fragment 8a aus dem Geschichtswerk des Malchus von Philadelphia an (Fragment 13 in der Edition von Roger C. Blockley). Wolfram Brandes übersetzt die Passage mit: Onoulf stammt väterlicherseits aus dem Stamm der Thüringer, mütterlicherseits aus dem der Skiren. Vgl. Wolfram Brandes: Thüringer/Thüringerinnen in byzantinischen Quellen. In: Helmut Castritius (Hrsg.): Die Frühzeit der Thüringer. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021454-3, S. 293.

Literatur

  • Karl Scherling: Turcilingi. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII A,2, Stuttgart 1948, Sp. 1377 f. [Zusammenfassung der älteren Forschung]
  • Wilhelm Heizmann, Matthias Springer, Claudia Theune-Vogt, Jürgen Udolph: Thüringer. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 30, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018385-4, S. 519–544.
  • Helmut Castritius, Stefan ZimmerSkiren. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 28, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 639–645.

Weblinks