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Vielleicht war Louis Leakeys vorgefasste Ansicht über das Wesen des "wahren Menschen" der Grund, warum er den linken unteren Eckzahn eines Homininen nicht erkannte, der 1935 in Laetoli zusammen mit zahlreichen anderen Wirbeltierfossilien aus dem Pliozän gefunden wurde. Der Zahn war zu primitiv, sah nicht modern aus, und wurde nicht in Verbindung mit Steinwerkzeugen entdeckt. Deshalb hielt man ihn für einen Affenzahn, er geriet in Vergessenheit, bis man ihn am Londoner Natural History Museum als Homininen erkannte und 1981 in Science einen entsprechenden Bericht veröffentlichte.

Abgesehen von einer kurzen Phase im Jahr 1939, als der deutsche Entdecker Ludwig Kohl-Larsen in Laetoli (der Name der Massai für eine rote Lilienart) zwei Reste von Homininen entdeckte, bemerkte man kaum, welche Aufschlüsse über unsere Vergangenheit die Stelle liefern konnte. Erst 1974 machte Mary Leakeys Freund George Dove, der Inhaber der Lake Ndutu Lodge, die etwa 40 Kilometer von der Olduvai-Schlucht entfernt ist, die Wissenschaftlerin auf fossile Zähne aufmerksam, die er beim Bau seines Hauses in einer Ladung Sand entdeckt hatte. Zusammen verfolgten die beiden die Herkunft des Sandes bis nach Laetoli zurück. 1974 fuhr Mary Leakey wieder zu der Stelle, woraufhin sie dort etwa 30 Stücke von Homininen entdeckte.

Geologische Untersuchungen in Laetoli bestätigten, dass die Homininen etwa 3,6 Millionen Jahre alt waren, was ungefähr der Datierung für die Funde von Hadar (Australopithecus afarensis) entsprach. Das veranlasste Donald Johanson und Tim White, der heute an der Universität Berkeley (Kalifornien) arbeitet, zu genaueren Untersuchungen und Vergleichen der Homininen von Laetoli und Hadar. Wie sich schon bald herausstellte, waren die Homininen, die man 1500 Kilometer voneinander entfernt gefunden hatte, anatomisch fast genau gleich, so dass man sie sicher derselben Spezies zuordnen musste.

Eine ganze Reihe anatomischer Merkmale an Zähnen, Kiefern und Schädelknochen sprach dafür, dass die Homininen von Laetoli und Hadar zu den Australopithecinen gehörten. Die eher primitiven Merkmale führten allerdings dazu, dass man 1978 die neue Spezies Australopithecus afarensis definierte: Die Funde von Hadar waren zwar vollständiger, als Holotypus wählte man für die Spezies jedoch den Kiefer L.H.-4, dem die aufsteigenden Äste fehlen, der aber neun Zähne enthält: Er ist anatomisch besonders charakteristisch, und außerdem waren bereits genaue Beschreibungen und Fotos veröffentlicht. Darüber hinaus trug die Wahl eines Fundes aus Laetoli als Typusexemplar für die größere Sammlung aus Hadar dazu bei, die Verbindung zwischen den Homininen an den beiden Orten zu betonen.


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Elemente: L. MC5 (proximal)
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