Lascaux

Fundort: Lascaux, Montignac, Département Dordogne, Frankreich
Spezies: Homo sapiens
Geschätztes Alter: 17300 Jahre
Kultur: Magdalénien, Solutréen

Die Höhle von Lascaux im Südwesten Frankreichs ist weltberühmt für ihre Höhlenmalereien aus dem Jungpaläolithikum. Sie liegt etwa zwei Kilometer südlich der Gemeinde Montignac im französischen Département Dordogne. Die Gemälde in der Höhle sind schätzungsweise 17.300 Jahre alt und zeigen hauptsächlich große Säugetiere, die zu der Zeit in der Gegend gelebt haben und auch durch Fossilien bekannt sind. Im Jahr 1979 wurde Lascaux zusammen mit anderen prähistorischen Stätten im Tal der Vézère zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Die Felsmalereien von Lascaux verteilen sich auf einzelne Höhlenabschnitte, die man als Halle der Stiere, Axialer Seitengang, Passage, Schiff, Apsis, Brunnen und Kammer der Katzen bezeichnet.

Die Höhle wurde am 12. September 1940 von vier Jugendlichen, Marcel Ravidat, Jacques Marsal, Georges Agnel und Simon Coencas sowie Marcels Hund, Robot entdeckt. Der Höhlenkomplex wurde im Jahr 1948 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und bereits 1955 hatte das Kohlendioxid aus der Atemluft von schätzungsweise 1.200 Besuchern täglich die Kunstwerke sichtbar beschädigt. Aber erst 1963 wurde die Höhle gesperrt und die Gemälde wieder hergestellt.

Im Jahr 1983 konnte nach jahrelangen Arbeiten Lascaux II eröffnet werden, eine Nachbildung von zwei Räumen der Höhle mit den spektakulärsten Ausmalungen. Die Reproduktion liegt nur 200 Meter vom Original entfernt, andere Lascaux-Kunstwerke können am Zentrum für Prähistorische Kunst in Le Thot besichtigt werden.

Geografie

Etwa ein Viertel der Fläche des Départements Dordogne, der nördlichsten Region des Périgord Noir, gehört zum Einzugsgebiet der Vézère, die in südwestlicher Richtung fließt, bevor sie sich mit dem Fluss Dordogne in der Nähe von Limeuil vereint. Im mittleren Teil des Flusslaufes gibt es eine Reihe von Mäandern, die von hohen Kalkfelsen flankiert werden und das Landschaftsbild bestimmen. Weiter flussaufwärts, in der Nähe von Montignac und der Höhle von Lascaux, mildern sich die Konturen des Talreliefs erheblich ab - der Talboden weitet sich und die Ufer des Flusses verlieren ihre Steilheit. Das Tal von Lascaux befindet sich in einiger Entfernung von anderen ausgemalten Höhlen und einst bewohnten Stätten, von denen die meisten weiter stromabwärts entdeckt wurden. In der Umgebung des Dorfes Eyzies-de-Tayac Sireuil findet man nicht weniger als 37 dekorierte Höhlen und Unterstände, sowie eine noch größere Anzahl von Behausungsresten aus dem Jungpaläolithikum. Diese findet man entweder in offenem Gelände, unter schützenden Felsüberhängen oder am Eingang zu einem der zahlreichen Karsthohlräume in der Gegend. Dies ist die höchste Konzentration in Westeuropa.

Die Abbildungen

Die Höhle enthält fast 2.000 Darstellungen, die in drei Hauptkategorien unterteilt werden können: Tiere, menschliche Figuren und abstrakte Zeichen. Die meisten der großen Bilder wurden mit mineralischen Pigmenten auf die Wände gemalt, einige Darstellungen wurden in den Fels geritzt. Viele Bilder sind zu undeutlich, um zu erkennen, um was es sich handelt.

Über 900 Darstellungen können als Tiere identifiziert werden, wobei man bei 605 davon präzise feststellen konnte, um welche Arten es sich handelt. Gemälde von Pferden überwiegen mit 364 Bildern, gefolgt von Hirschen mit 90 Bildern. Ebenfalls vertreten sind Rinder und Bisons, die jeweils etwa 4-5% der Darstellungen ausmachen. Die seltensten Darstellungen sind sieben Katzen, ein Vogel, ein Bär, ein Nashorn und ein Mensch. Es gibt keine Bilder von Rentieren, obwohl man glaubt, dass sie zu den wichtigsten Nahrungsquellen der Künstler gehörten.

Der berühmteste Teil der Höhle ist die große Halle der Stiere, wo aber auch Pferde und Hirsche abgebildet sind. Die vier schwarzen Stiere, oder Auerochsen, sind die dominierenden Figuren unter den 36 Tieren, die hier vertreten sind. Einer der Stiere hat eine Länge von 5,2 Metern und ist die größte Tierdarstellung in der bisher entdeckten Höhlenkunst. Darüber hinaus scheinen die Stiere, wie viele Abbildungen in der älteren Chauvet-Höhle, in Bewegung zu sein.

Ein Gemälde, bezeichnet als "der gekreuzte Bison" im als "Schiff" bezeichneten Höhlenabschnitt wird oft als Beispiel für die Fähigkeiten der steinzeitlichen Höhlenmaler herangezogen. Die gekreuzten Hinterbeine erzeugen den Eindruck, dass ein Bison dem Betrachter näher ist als der andere. Diese visuelle Tiefe in der Szene zeigt eine primitive Form der Perspektive, was besonders für die Zeit fortgeschritten war.

Gefahren für die Kunstwerke

Die Öffnung der Höhle von Lascaux nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte das Klima der Höhle drastisch. Die Atmung von 1.200 Besuchern pro Tag, die helle Beleuchtung und Veränderungen in der Luftzirkulation haben eine Reihe von Problemen geschaffen. In den späten 1950er Jahren führte das Wachstum von Flechten und Kristallen an den Wänden zur Schließung der Höhle im Jahre 1963.

Im Jahr 2001 installierten die für Lascaux zuständigen Behörden eine neue Klima- und Belüftungsanlage. Nachdem das System in Betrieb genommen wurde, kam es zu einem Befall mit Fusarium solani, einem weißen Schimmel, der sich schnell über die Höhlendecke und -wände ausbreitete. Der Schimmel war möglicherweise bereits im Höhlenboden vorhanden und wurde durch die Installationsarbeiten freigesetzt. Nach der Behandlung mit Calciumoxid (gebrannter Kalk) dieses Befalls begann seit 2007 ein neuer Pilz sich auszubreiten, der graue und schwarze Flecken hinterließ. Wie der Leiter des wissenschaftlichen Ausschusses für die Höhle, Marc Gauthier, im Februar 2009 mitteilte, breitet sich der neue Befall zwar nicht mehr aus, bildet sich aber auch nicht mehr zurück.

Weblink: Höhlen in Frankreich, Grotte de Lascaux


Lascaux,_horse,-wikimedia.org,-HTO,-gemeinfrei.jpg
Replik eines Pferdes aus Lascaux im Brno Museum

Literatur

  • Mario Ruspoli, Odile Berthemy (Hrsg.): Die Höhlenmalerei von Lascaux. Auf den Spuren des frühen Menschen. Weltbild-Verlag, Augsburg 1998
  • Gregory Curtis. 2006. The Cave Painters: Probing the Mysteries of the World's First Artists. Knopf, New York
  • Joëlle Dupont, Claire Jacquet, Bruno Dennetière, Sandrine Lacoste. 2007. Invasion of the French Paleolithic painted cave of Lascaux by members of the Fusarium solani species complex. Mycologia 99 (4): 526–533

Koordinaten

  • 45.049137° N, 1.176222° E von Henry Gilbert,

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
AL 333w-34
AL 333w-34

Australopithecus afarensis

Elemente: IFP (prox., imm.)

Hadar, Äthiopien

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...