Torre-Kultur


Sardisch-Korsische Haupttypen
Gegenüberstellung korsischer Torren und sardischer Nuraghen
Die Steinreihen von Palaggiu auch als Campu dei Morti (Friedhof) bezeichnet

Die Torre-Kultur der Mittelmeerinsel Korsika hat ihren Namen von turmartigen Bauten, den Torri, die im Süden Korsikas ab der Bronzezeit ab etwa 1.600 v. Chr. errichtet wurde. Wohl unter Einfluss der sardischen Bonnanaro-Kultur entstanden primär im Gebiet Ornano/Sartenais und um die vermutlich im 9. Jahrhundert v. Chr. gegründete Stadt Porto-Vecchio (Alter Hafen), die sechzehn nur drei bis sieben Meter aufragenden nuraghenartigen Bauten. Aber lediglich die Nuraghe Albucciu bei Arzachena zeigt eine gewisse Ähnlichkeit mit den Torri,

Menhire

Ein Kennzeichen der verschiedenen korsischen Kulturen ist der anthropomorphe Menhir bzw. der Statuenmenhir. Während zunächst ganz einfache kleine Menhire in und bei den Megalithanlagen (Steinkisten) stehen, verselbständigen sie sich später, werden größer und wandeln sich zu Statuenmenhiren, die im Süden der Insel auch (bei Frauenabbildungen) eine eingemeißelte Bewaffnung zeigen können. Als das korsische Megalithikum zu Ende geht, werden nur noch im Nordteil der Insel (Nativu-Partimonio, Luzzipeiu-Calanzana, Capu-Casincu) Statuenmenhire aufgestellt.

Der französische Archäologe Roger Grosjean, der der Kultur den Namen gab, zog aufgrund der dargestellten Bewaffnung den Vergleich mit den Darstellungen am Tempel von Medinet Habu in Ägypten. Die schardanischen Krieger der dortigen Flachreliefs zeigten Ähnlichkeiten mit Statuen der Megalithbildhauer. Neuere Forschungsmeinungen lehnen die „Shardanen-Theorie“ ab und vermuten, dass die torreanische Kultur aus der Weiterentwicklung einer Inselkulturen hervorging. Um 1.000 bis 800 vor Chr. verlieren sich die Spuren der Megalithik und der Torreaner.

Die Bautechniken der Sesioten auf Pantelleria, der Talayot-Kultur auf den Balearen sowie der zeitgleichen Nuragher auf Sardinien sind vergleichbar mit denen der Torre-Kultur.

Literatur

  • Roger Grosjean: Die Megalithkultur von Korsika. 1964
  • Roger Grosjean: Filitosa. Hochburg des prähistorischen Korsika. 1978
  • Adalbert Graf von Keyserlingk: Und sie erstarrten in Stein. Frühe Mysterienstätten in Korsika als Keime unserer Zeit. Die Pforte, Basel 1983, ISBN 3-856360-66-2
  • François de Lanfranchi und Michel Claude Weiss: La civilisation des corses. Les origines. Ajaccio, éd. Cyrnos et Méditerranée, 1973
  • Sibylle von Reden: Die Megalithkulturen. Zeugnisse einer verschollenen Urkultur. Großsteinmale in England, Frankreich, Irland, Korsika, Malta, Nordeuropa, Sardinien, Spanien. DuMont, Köln 1982, ISBN 3-770110-55-2
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultstätten der Steinzeit. Band 36 der Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.

Weblinks


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