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See Genezareth


See Genezareth
Satellitenfoto
Satellitenfoto
Geographische Lage Vorderasien, Israel
Zuflüsse Jordan
Abfluss Jordan
Städte am Ufer Tiberias
Daten
Koordinaten 32° 48′ 41″ N, 35° 36′ 16″ O32.81138888888935.604444444444-212Koordinaten: 32° 48′ 41″ N, 35° 36′ 16″ O
See Genezareth (Israel)
See Genezareth
Tiefe unter Meeresspiegel 212 m unter dem Meeresspiegel
Fläche 165 km²dep1f5
Maximale Tiefe 46 mdep1f10
Besonderheiten

tiefstgelegener Süßwassersee

Der See Genezareth (nach den Loccumer Richtlinien Gennesaret, auch: Gennessaret, Genesareth, Galiläisches Meer, See von Tiberias oder Tiberiassee, hebräisch ‏ים כנרת Jam Kinneret: „Harfenmeer“ – nach der dem Musikinstrument ähnelnden Form, bei Graetz und anderwärts auch Harfensee, arabisch ‏بحيرة طبريا‎, DMG Buḥayrat Ṭabariyā ‚See von Tiberias‘, oder ‏بحر الطبريين‎, DMG Baḥr aṭ-Ṭabariyayn) liegt in Nordisrael im oberen Jordangraben, der die nördliche Fortsetzung des Großen Afrikanischen Grabenbruchs darstellt.

See Genezareth

Der See ist mit 212 m unter dem Meeresspiegel der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde, jedoch nicht der See mit dem tiefsten Grund. Der Seegrund anderer Süßwasserseen liegt wesentlich tiefer unter Meereshöhe (siehe vor allem: Baikalsee). Er ist – je nach Wasserstand – bis zu 21 km lang, an seiner breitesten Stelle 12 km breit, seine Wasserfläche beträgt 165 km², sein Umfang 53 km und an der tiefsten Stelle misst er 46 m. Nach dem Toten Meer (ca. 420 m unter Meeresspiegel) ist er das zweittiefst gelegene stehende Gewässer der Erde.

Geographie

Wichtigster Zufluss des See Genezareth ist der vom Hulebecken im Norden kommende Jordan. Im Süden fließt der Fluss weiter in Richtung des Toten Meeres. Einfluss- und Ausflusspunkt haben sich innerhalb der letzten 2000 Jahre aufgrund von Erdbeben mehrfach verschoben. Das Jordantal ist ein Teil des übergeordneten Großen Afrikanischen Grabenbruchs, der sich bis nach Ostafrika erstreckt und dort Ostafrikanischer Graben genannt wird. Aufgrund der starken Tektonik treten an verschiedenen Stellen heiße Quellen aus dem Boden, unter anderem bei Tiberias, Tabgha, Fuliya und Hamat Gader. Diese heißen Quellen machten den See schon in der Antike zu einem beliebten Erholungsziel.

Unmittelbar am Ufer des Sees liegt eine Reihe von Ortschaften, die größte ist Tiberias im Südwesten. Im Norden befinden sich viele Stätten, an denen Jesus gewirkt haben soll: Tabgha, der Berg der Seligpreisungen, Kafarnaum und Bethsaida. Im Osten schließen sich die Golanhöhen mit den Wadis Yehudiya und Meschuschim an. Der syrische Golan ist seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 von Israel besetzt und seitdem ein umstrittenes Gebiet. Auf der Ostseite des Sees liegen mehrere Städte der Dekapolis in der Nähe der heutigen israelisch-jordanischen Grenze.

Geschichte

Antike

Im Nordwesten des Sees wurden Überreste der biblischen Stadt Kinneret gefunden, die von den Forschern auf die Mittlere und Jüngere Bronzezeit datiert wurden. Der See Genezareth liegt an der früheren Römerstraße Via Maris, die Ägypten mit den nördlicheren römischen Provinzen verband.

Römisches Reich

Die Gegend um den See spielt eine bedeutende Rolle im Neuen Testament. Viele Geschichten der Evangelien sind hier lokalisiert, das Gebiet war ein Zentrum des Wirkens Jesu.

Neuzeit

Im Jahre 1909 bauten jüdische Pioniere die erste kollektive ländliche Siedlung in Israel, den Kibbuz Degania Aleph. Heute ist der See Genezareth ein sehr populäres Urlaubsgebiet. Aufgrund seiner vielen historischen und spirituellen Plätze besuchen jährlich etwa eine Million einheimische und ausländische Touristen den See. In den 1980er und 1990er Jahren leitete der deutsche Biblische Archäologe Volkmar Fritz Ausgrabungen am See.

Panoramafoto des Sees, Blick nach Süden

Wirtschaftliche Bedeutung

Blick auf den See von Tiberias
Wasserstandsanzeiger am See Genezareth

Der See Genezareth bildet das größte Süßwasserreservoir des Staates Israel. 1964 wurde der National Water Carrier gebaut. Es handelt sich dabei um eines der größten Wasserverteilsysteme der Welt.

Über eine Pumpanlage unter dem antiken Kinneret können pro Sekunde 28 m³ Wasser abgepumpt werden. Im Sommer wird dadurch der Wasserspiegel des Sees um einen Zentimeter am Tag abgesenkt. Anschließend wird das Wasser zunächst über einen offenen Kanal transportiert, im Tal von Bet Netofa in Galiläa gereinigt und auf Trinkwasserqualität gebracht. Dann fließt es über eine Leitung mit 2,75 Meter Durchmesser in den Großraum Tel Aviv und weiter bis in die südliche Wüste Negev.

Durch die Wasserentnahme und mehrere niederschlagsarme Jahre ist der Seespiegel stark gesunken. Selbst im Frühjahr wird der Pegel für Niedrigwasser von -213 m (die sogenannte „Rote Linie“) kaum noch überschritten, die Hochwassermarke von -208 m wurde zuletzt im Winter 1991/1992 erreicht. Der niedrige Wasserstand ist besonders kritisch, da das Tiefenwasser des Sees Salzwasser ist, und nur von einer Süßwasserschicht bedeckt wird. Zudem würde aus salzigen Tiefenquellen mehr Salzwasser in den See gelangen, da mit sinkendem Pegel der Gegendruck abfällt. Durch den Grundwasserdruck vom Mittelmeer her kann weiteres Salzwasser in den See gelangen. Sinkt der Wasserspiegel zu weit ab und wird die Süßwasserschicht zu dünn, droht der See zu kippen und komplett zu versalzen, mit drastischen ökologischen und ökonomischen Folgen. Daher wird die Wasserentnahme des National Water Carrier ab Erreichen der „Roten Linie“ stark reduziert, und die Bevölkerung über Kampagnen in den Medien zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser aufgefordert. Nach Angaben von Professor Uri Schany, Direktor der Israelischen Wasserverwaltung, muss die Wasserentnahme aus dem See bei Erreichen der „Schwarzen Linie“ bei Pegel -214,87 m komplett eingestellt werden. Um wieder den Normalwasserstand zu erreichen, wären mindestens vier überdurchschnittlich regenreiche Winter erforderlich.

Israel versucht, die reduzierte Wasserentnahme aus dem See durch aufbereitetes Abwasser bzw. Wasser aus Meerwasserentsalzungsanlagen wie beispielsweise in Aschkelon sowie durch Süßwasserimporte mit Tankschiffen aus der Türkei zu kompensieren.

Der See Genezareth ist sehr fischreich. Die meisten Fischer kommen aus Tiberias, Migdal sowie den Kibbuzim En Gev und Ginnossar. Zu den wirtschaftlich interessanten Fischen gehören der Tilapia galilea, der im arabischen Musht genannt wird und den viele Pilger und Touristen als „Petrusfisch“ kennen, sowie die Kinneret-Sardine (Acanthobrama terrae-sanctae).

Begünstigt durch das feuchtwarme Klima rund um den See ist auch die Landwirtschaft von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Darüber hinaus ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Literatur

  • Immanuel Benzinger: Gennesar 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,1, Stuttgart 1910, Sp. 1175.
  • Mendel Nun: Der See Genezareth und die Evangelien. Brunnen, Gießen 1990, 1998, 2001. ISBN 3-7655-9810-0

Weblinks

 <Lang> Commons: See Genezareth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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