Godelaib

Godelaib († 808 in Reric) war der Statthalter des dänischen Königs Göttrik in Reric, wo er von diesem als Verräter hingerichtet wurde.

Godelaib wird für das Jahr 808 in den Annales regni Francorum im Zusammenhang mit einem Feldzug des dänischen Königs Göttrik gegen die Abodriten erwähnt. Bei dem Namen Godelaib handelt es sich um die latinisierte Fassung von Guḋleifr, also eines nordischen Namens. Die Quellen selbst nehmen keine gentile Zuordnung vor, erwähnen Godelaib stattdessen nur als alius dux, also als einen anderen Herzog.[1] Eine dänische Herkunft Godelaibs ist dennoch möglich.[2]

Der an der abodritischen Ostseeküste gelegene, multiethnische[3] Seehandelsplatz Reric war dem dänischen König Göttrik abgabenpflichtig.[4] Unmittelbar angrenzend an Reric lag das Herrschaftsgebiet des abodritischen Samtherrschers Drasco. Nachdem dieser den exterritorialen Freihafen Reric mit Hilfe von Göttriks abtrünnigem Statthalter[5] Godelaib in sein Herrschaftsgebiet eingegliedert hatte,[6] unternahm Göttrik eine groß angelegte Strafexpedition und segelte mit einer Flotte von Schleswig über die Ostsee nach Reric. Dort nahm er Godelaib durch eine List gefangen und ließ ihn als Verräter[7] an einem Galgen aufhängen. Drasco konnte entkommen. Göttrik zerstörte Reric und siedelte zumindest die dänischen Kaufleute[8] nach Haithabu um.

Quellen

Anmerkungen

  1. Obschon er nämlich den Abodritenherzog Drasco, welcher der Treue seiner Landsleute nicht traute, verjagt und den Godelaib, einen anderen Herzog, hinterlistig gefangen und an einem Galgen aufgehängt und zwei Drittel der Abodriten sich zinsbar gemacht hatte, so verlor er doch die besten und tapfersten seiner Krieger, darunter seines Bruders Sohn Reginold, der bei der Belagerung einer Burg mit vielen dänischen Großen getötet wurde. - (Annales regni Francorum 808)
  2. Christian Lübke: Die Beziehungen zwischen Elb- und Ostseeslawen und Danen vom 9. bis zum 12. Jahrhundert in: Ole Harck, Christian Lübke : Zwischen Reric und Bornhöved: die Beziehungen zwischen den Dänen und ihren slawischen Nachbarn vom 9. bis ins 13. Jahrhundert : Beiträge einer internationalen Konferenz, Leipzig, 4.-6. Dezember 1997., Franz Steiner Verlag , 2001, S. 30 und Sandra Polzer, Die Franken und der Norden. Über die Schwierigkeit der Interpretation von frühmittelalterlichen Quellen zur Geschichte Dänemark, Wien 2008, Seite 61 halten sogar verwandtschaftliche Beziehungen des Godelaib zur Familie Göttriks für möglich
  3. Torsten Kempke, Skandinavische-slawische Kontakte an der südlichen Ostseeküste im 7. bis 9. Jahrhundert, in: Ole Harck, Christian Lübke : Zwischen Reric und Bornhöved: die Beziehungen zwischen den Dänen und ihren slawischen Nachbarn vom 9. bis ins 13. Jahrhundert : Beiträge einer internationalen Konferenz, Leipzig, 4.-6. Dezember 1997, Franz Steiner Verlag , 2001, Seite 9–22, hier Seite 10 f.
  4. Godafrid aber zerstörte noch vor seinem Abzug den an der Küste gelegenen Handelsplatz, der in dänischer Sprache Reric hieß und durch Entrichtung von Steuern seinem Reich großen Vorteil brachte. - (Annales regni Francorum 808)
  5. Christian Lübke: Die Beziehungen zwischen Elb- und Ostseeslawen und Danen vom 9. bis zum 12. Jahrhundert in: Ole Harck, Christian Lübke : Zwischen Reric und Bornhöved: die Beziehungen zwischen den Dänen und ihren slawischen Nachbarn vom 9. bis ins 13. Jahrhundert : Beiträge einer internationalen Konferenz, Leipzig, 4.-6. Dezember 1997, Franz Steiner Verlag, 2001, Seite 30 weist darauf hin, dass zwischen Göttrik und Godelaib ein klar definiertes Verhältnis existiert hatte, aus dem Godelaib ausgeschert war: Gudfred wollte nun mit der Exekution dieser Strafe seine rechtmäßige Macht über Godelaib demonstrieren und als sein Richter handeln. Obwohl Lübke den Namen Godelaib als dänisch einstuft, hält er ihn für einen Abodriten; demgegenüber geht Sunhild Kleingärtner, Kulturtransfer und Eliten im Gebiet der südwestlichen Ostseeküste in früh- und mittelslawischer Zeit in: Sébastien Rossignol (Hrsg.), Mittelalterliche Eliten und Kulturtransfer östlich der Elbe: interdisziplinäre Beiträge zu Archäologie und Geschichte im mittelalterlichen Ostmitteleuropa, Göttingen 2009, Seiten 11–26, hier Seite 18, Fn. 23 generell davon aus, dass der dänische König einen Repräsentanten vor Ort eingesetzt hatte.
  6. Den Quellen zufolge ging die Veränderung des status quo von den Abodriten aus: Unterdessen ließ der Dänenkönig Godofrid durch etliche Handelsleute sagen, er habe gehört, der Kaiser sei böse auf ihn geworden, weil er im vergangenen Jahre ein Heer gegen die Abodriten geführt und sich für die ihm angetanen Beleidigungen gerächt habe. (Annales regni Francorum 809)
  7. Dazu Sandra Polzer, Die Franken und der Norden. Über die Schwierigkeit der Interpretation von frühmittelalterlichen Quellen zur Geschichte Dänemark, Wien 2008, Seite 61, wonach die Wahl der Hinrichtungsart, nämlich das Hängen am Galgen, auf die Bestrafung eines Verräters hinweist. Im Gegensatz zur Enthauptung habe das Hängen im frühen Mittelalter als eine schimpfliche Strafe gegolten.
  8. Da Drasco 810 in Reric ermordet wurde, ist davon auszugehen, dass die Abodriten den Handelsplatz als neue Schutzmacht weiterbetrieben, was auch den archäologischen Befund erklärt.

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