Galeriegrab Niederzeuzheim

Galeriegrab Niederzeuzheim
Das Galeriegrab Niederzeuzheim

Das Galeriegrab Niederzeuzheim

Galeriegrab Niederzeuzheim (Hessen)
Koordinaten 50° 28′ 54,1″ N, 8° 1′ 57,2″ OKoordinaten: 50° 28′ 54,1″ N, 8° 1′ 57,2″ O
Ort Hadamar OT Niederzeuzheim, Hessen, Deutschland
Entstehung 3500 bis 2800 v. Chr.

Das Galeriegrab Niederzeuzheim ist eine megalithische Grabanlage der jungsteinzeitlichen Wartbergkultur bei Niederzeuzheim, einem Ortsteil von Hadamar im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Lage

Die Anlage befindet sich nördlich von Niederzeuzheim am nördlichen Rand des Gemeindewalds auf dem Flurstück „Der Hohle Stein“. Es liegt auf einer flachen Anhöhe. 3,5 km südöstlich befindet sich der ursprüngliche Standort des umgesetzten Galeriegrabs Oberzeuzheim I.

Forschungsgeschichte

Das Grab wurde im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts wurde versucht, die Decksteine zu sprengen. 1911 und 1913 erfolgten unprofessionelle Grabungen durch G. Roedler. Dabei wurden die Decksteine zerschlagen. Eine archäologische Untersuchung wurde 1954 unter Leitung von K. Heymann durchgeführt. 2004 wurde das Grab restauriert.

Beschreibung

Architektur

Die Anlage ist nordwest-südöstlich orientiert. Sie hat eine Gesamtlänge von 6,6 m, eine Breite von 2,5 m und eine ursprüngliche Höhe von 1,4 m. Eine steinerne Hügelschüttung ist noch in Resten erhalten. Die Grabkammer hat eine innere Länge von 5,2 m, eine Breite von 1,6 m und eine Deckenhöhe von 1 m. Sie ist bis zur Hälfte ihrer Höhe in den Erdboden eingetieft. Die Kammer wurde aus Basaltplatten errichtet. Sie sind zwischen 1 m und 1,8 m lang, zwischen 0,5 m und 1 m hoch und zwischen 0,3 m und 0,4 m dick. Ein verschleppter Deckstein liegt 9 m von der Kammer entfernt. Er hat eine Länge von 2 m, eine Breite von 1,7 m und eine Dicke von 0,4 m. Bruchstücke weiterer Decksteine liegen im Inneren der Kammer. Die Lücken zwischen den Wandplatten waren mit Trockenmauerwerk aus kleinen Kalksteinplatten verfüllt. An der Ostseite sind diese Lücken zwischen 0,4 m und 0,5 m breit. Im Westen sind zwei Wandplatten von innen mit Kalksteinplatten verkeilt. Der Kammerboden weist ein Pflaster aus Kalksteinplatten auf, das aber nicht durchgängig erhalten ist. Der Zugang zur Kammer befindet sich an der südöstlichen Schmalseite. Hier liegt ein Vorraum von 0,6 m Länge. Zwischen Vorraum und Kammer befindet sich kein Türlochstein, sondern ein Verschluss aus drei großen Steinen, die mit geschichteten Platten verkeilt sind.

Das Baumaterial für die Kammer stammte aus unterschiedlichen Entfernungen. Das nächste Kalksteinvorkommen befindet sich etwa 700 m entfernt. Als Herkunftsorts des Basalts kommen mehrere Vorkommen in Entfernungen zwischen 1,5 km und 1,8 km in Frage. Der Materialbedarf wird auf etwa 27 t geschätzt.

Bestattungen

Bei der Grabung von 1954 wurden Skelettreste von mindestens 25 Individuen geborgen. Es handelte sich um zwölf Männer, sieben Frauen, vier Erwachsene unklaren Geschlechts und zwei Kinder. Die Knochen von vier Männern und zwei Frauen wurden in einer Grube im Nordosten der Kammer aufgefunden. Eventuell wurden sie hier erst von G. Roedler nach seinen Untersuchungen deponiert.

Beigaben

Von den Keramikfunden lässt sich nur eine Scherbe sicher der Entstehungszeit des Grabes zuordnen. Zwei weitere Scherben lassen sich nur allgemein in die Vorgeschichte datieren. Weitere Scherben stammen aus eisenzeitlichen und mittelalterlichen Störungen. Bei den weiteren gefundenen Beigaben handelt es sich um ein Beil aus Kieselschiefer, ein Beil aus Felsgestein und ein Bruchstück eines weiteren, einen halben Unterkiefer eines Fuchses, die Tibia eines Rinds, den Femur eines Schweins und den Schädel eines Raubtiers. Möglicherweise gehören auch ein Quarzitgeröll mit künstlichem Einschnitt und ein auch dem nahe gelegenen Feld gefundener Feuerstein-Abschlag zum Grab. Die Funde befinden sich heute im Museum Wiesbaden.

Sagen

Nach einer Sage soll es sich bei dem Grab um einen Geheimausgang der Dornburg handeln.

Literatur

  • Fundchronik. In: Germania. Band 33, S. 107 (Online).
  • F. M. Eisenmenger: Niederzeuzheim. In: Bodenaltertümer in Nassau. Band 4, 1954, S. 41.
  • Fritz-Rudolf Herrmann, Albrecht Jockenhövel: Die Vorgeschichte Hessens. Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0458-6, S. 398–399.
  • Heinz-Eberhard Mandera: Zur „Lahngruppe“ der hessisch-westfäligen Steinkistenkultur. In: Fundberichte aus Hessen. Band 4, 1964, S. 154–159
  • G. Roedler: Nassauische Heimatbilder aus dem Westerwald. In: Westerwälder Schauinsland. 15. Juni 1914, S. 76.
  • Sabine Schade-Lindig: Das Steinkammergrab von Niederzeuzheim. Führungsblatt zum rekonstruierten Galeriegrab der Wartberggruppe bei Hadamar-Niederzeuzheim „Hohler Stein“, Kreis Limburg-Weilburg (= Archäologische Denkmäler in Hessen. Band 160). Abteilung Archäologie und Paläontologie im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2004, ISBN 3-89822-160-1.
  • Sabine Schade-Lindig: Galeriegrab der Wartbergkultur in Hadamar-Niederzeuzheim, Kreis Limburg-Weilburg. Wiederherstellung eines bedeutenden hessischen Steinkammergrabs. In: Hessen Archäologie. Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen. 2004, S. 50–54.
  • Kerstin Schierhold: Studien zur Hessisch-Westfälischen Megalithik. Forschungsstand und -perspektiven im europäischen Kontext (= Münstersche Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie. Band 6). Leidorf, Rahden/Westf. 2012, ISBN 978-3-89646-284-8, S. 298–299.
  • Helmut Schoppa: Neue Steinkisten an der mittleren Lahn? In: Fundberichte aus Hessen. Band 5/6, 1966, S. 82–83.
  • Waldtraut Schrickel: Katalog der mitteldeutschen Gräber mit westeuropäischen Elementen und der Galeriegräber Westdeutschlands (= Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes. Band 5). Habelt, Bonn 1966, S. 440–441.
  • G. Unrath: Anthropologische Befunde an den Skelettresten aus dem Steinkistengrab von Niederzeuzheim, Kreis Limburg-Weilburg. In: Fundberichte aus Hessen. Band 17/18, 1977/78 (1980), S. 77–88.

Weblinks

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