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Primaten aus dem Eozän und Oligozän in Afrika

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In Sedimentablagerungen in Ägypten, genannt Fayum-Senke, etwa 60 Kilometer südlich der Pyramiden von Gizeh nahe Kairo, fanden Forscher die frühesten Altweltprimaten (Catarrhini). Die Sedimente bezeichnet man als Jebel Qatrani Formation; hier entdeckte man neben Primaten noch Fossilien zahlreicher anderer Säugetiere, Vögel, Reptilien und Pflanzen. Neue Datierungen aus den 1990-er Jahren zeigen, dass die Sedimente zwischen 31 und 40 Millionen Jahre alt sind. Die geologisch ältesten Primaten aus Fayum stammen somit aus dem späten Eozän. Zu dieser Zeit war Afrika von Eurasien durch das Urmeer Tethys abgeschnitten und die Fayum-Primaten lebten in tropischen Wäldern in der Nähe der Mündung eines großen Fluss-Systems.

Primaten wurden in dieser an Fossilien reichen Gegend erstmals im Jahr 1906 entdeckt. Die Auffächerung (Radiation) der afrikanischen Primaten muss sich spätestens am Ende des Eozäns vollzogen haben - vielleicht schon viel früher - weil das Dutzend Arten aus dem Oligozän zu nicht weniger als fünf verschiedenen Familien gehört. Darüber hinaus wurden schlecht erhaltenen Exemplare, die Euprimaten sein könnten, in Marokko und Algerien gefunden.

Ende der 1980-er Jahre fand man Überreste von Primaten in Ablagerungen der Fayum-Senke, die wahrscheinlich in das späte Eozän datieren. Der Schädel einer dieser Formen, bekannt als Catopithecus, zeigt bereits markante anthropoide Merkmale, wie z.B. eine postorbitale Schließung Ebenso ähnelt die Gehör-Region den späteren Anthropoiden. Von den in das früheste Oligozän datierten Fundstellen der Fayum stammen zwei Gattungen: Oligopithecus und Qatrania. Erstere gleicht den späteren Fayum-Anthropoiden Aegyptopithecus und Propliopithecus in der Struktur der Eckzähne und Prämolaren. Ähnlichkeiten mit älteren, aber wenig bekannten ostasiatischen Gattungen, Amphipithecus und Pondaungia (Familie Amphipithecidae) aus dem Eozän, könnten auf einen süd-eurasischen Ursprung der Fayum-Primaten hindeuten, doch die meisten Autoren halten eine afrikanische Herkunft für wahrscheinlicher. Neben dieser mögliche Gruppe von frühen Catarrhini (Altweltaffen), repräsentiert durch Oligopithecus, Catopithecus, Propliopithecus und Aegyptopithecus, gibt es eine weitere, separate und eigenständige Familie (Parapithecidae), die ebenfalls zu den Anthropoidea gehört und in der Fayum durch die Gattungen Qatrania, Parapithecus und Apidium vertreten ist.

Apidium

Die Zähne und und das postcraniale Skelett von Apidium ähneln denen von Altweltaffen. Die unteren Backenzähne von Parapithecus und dem primitiven Apidium ähneln denen von Meerkatzen (Cercopithecus). Apidium hatte Backenzähne mit mehreren, kleinen Höckern und teilweise einem Muster, das ebenfalls stark an heutige Altweltaffen erinnert. Einige Autoren sind der Meinung, dass dies gemeinsame, abgeleitete Merkmale sind. Das postcraniale Skelett von Apidium legt nahe, dass dieser Primate ein aktiver Springer war und in Fluss- und Mangrovenwäldern lebte, ein Lebensraum, wie ihn heute die südamerikanischen Springaffen (Callicebus) besetzen. Die Füße von Apidium ähnelten denen einiger heutiger Lemuren und einigen Altweltaffen. Allerdings sind viele der Ähnlichkeiten im Körperbau zwischen Apidium und Neuweltaffen nur die Beibehaltung primitiver Merkmale oder sind auf konvergente Anpassungen im Zusammenhang mit einer springenden Lebensweise zurückzuführen.

Aegyptopithecus

Aegyptopithecus und Propliopithecus aus der Fayum erinnern in Bezug auf ihr Gebiss an Menschenaffen und werden von einigen Autoren als die frühesten Mitglieder der Hominoidea bezeichnet, eine taxonomische Gruppe, zu der Menschenaffen und Menschen gehören, andere stufen sie schlicht als primitive Catarrhini ein. Aegyptopithecus ist der bekannteste, oligozäne Anthropoide. Zähne und Skelett deuten darauf hin, dass er (oder ein ähnlicher Primat) ein Vorläufer von Proconsul war, der heute weitgehend als Vorfahr der Menschenaffen akzeptiert ist. Die Familie Proconsulidae scheint der Mainstream der Menschenaffenevolution zu sein, aus dem auch die menschliche Abstammungslinie im späten Miozän oder Pliozän hervorging. Aegyptopithecus lebte mit Sicherheit in den hohen Bäumen eines Monsunregenwalds, wo es Früchte im Überfluss gab. Er war also ein frugivorer Vierbeiner mit Anpassungen für das Klettern und Springen. Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Körperbau, der Eckzähne und der Größe der Kiefer legen nahe, dass Aegyptopithecus in einem polygynen, sozialen System lebte.


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