Schalkenburg
Die Schalkenburg, Blick von Süden

Die Schalkenburg, Blick von Süden

Daten
Ort Quenstedt
Baujahr Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit
Koordinaten 51° 41′ 24,4″ N, 11° 26′ 35,7″ OKoordinaten: 51° 41′ 24,4″ N, 11° 26′ 35,7″ O
Schalkenburg (Sachsen-Anhalt)
Plan der Schalkenburg

Plan der Schalkenburg

Die Schalkenburg bei Quenstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt ist ein mehrperiodiger archäologischer Fundplatz mit einer nahezu vollständig archäologisch untersuchten Innenfläche. In diesem Areal wurde eine neolithische Kreisgrabenanlage, eine Siedlung der Bernburger Kultur, sowie eine spätbronze- bis ältereisenzeitliche und eine späthallstattzeitliche Höhensiedlung bzw. Burganlage ausgegraben.

Geographische Lage

Der Geländesporn mit der Bezeichnung Schalkenburg liegt im nordöstlichen Harzvorland etwa 1 km südwestlich vom Quenstedter Ortskern und erhebt sich 214,6 m ü. NN. Der Geländesporn Schalkenburg ist in die Landschaft des Vorharzes eingebettet. Umgeben von einer Auelehmebene, die von dem aus dem Südosten kommenden Eine-Zufluss Hengstbach durchflossen wird, hebt sich der Sporn mit Steilhängen im Osten, Süden und Westen deutlich vom Bachlauf ab. Nach Norden wird das spärlich von Bäumen bestandene Plateau durch eine 2 m starke Geländekante von der anschließenden Hochfläche begrenzt. In diesem Bereich verläuft der spätbronze- bis früheisenzeitliche Wall, bei dem es sich um die Ruine von mindestens zwei Befestigungsmauern handelt.

Geschichte und Beschreibung

Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale führte unter Leitung von Hermann Behrens und Erhard Schröter von 1967 bis 1986 auf der Schalkenburg eine archäologische Forschungsgrabung durch. Die nahezu vollständige Ausgrabung des Geländespornes erbrachte den ersten Nachweis einer neolithischen Kreisgrabenanlage vor Einführung der luftbildarchäologischen Prospektion auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Die Anlage wurde der Stichbandkeramik-Kultur zugeordnet. Auf dem Sporn lagen parallel zueinander fünf leicht ovale Pfostenringe mit drei Torgassen. Die Ringe haben Abstände von etwa 5,5 bis 6 m. Der Innenring misst 35 mal 44 m, während die größte Abmessung des Außenringes 95 m beträgt. Am 4. Ring (von innen gezählt) finden sich zwei apsidenartige Anbauten. Die Toröffnungen werden, wie bei anderen vergleichbaren Anlagen auch, als astronomische Visur-Hilfsmittel interpretiert.[1] Das Rondell wird von den Ausgräbern als Kultbau gedeutet. Neolithische Gräbergruppen der Baalberger Kultur und der Schnurkeramik wurden nachgewiesen.

Zahlreiche Siedlungsgruben und Hausgrundrisse weisen darauf hin, dass der Bergsporn während der Bernburger Kultur dicht besiedelt war. In der frühen Bronzezeit (Aunjetitzer Kultur) wurde eine kleine Gräbergruppe mit reicher Ausstattung angelegt. Einzelne Funde dieser Epoche fanden sich in jüngeren Befunden. Um einen Siedlungsplatz in Form einer Höhensiedlung handelte es sich während der frühen Bronzezeit nicht. Umfangreiche Baumaßnahmen und eine dichte Besiedlungsintensität kann erst wieder für die späte Bronzezeit/frühen Eisenzeit nachgewiesen werden. Eine Höhensiedlung mit einer Besiedlungsdauer von mindestens 300 Jahren und zwei Befestigungsphasen, während der ausgehenden Bronzezeit, sowie während der späten Hallstattzeit ließen sich feststellen. Es fanden sich zahlreiche Siedlungsgruben, Hausgrundrisse, Herdstellen, zwei Hortfunde mit zahlreichen Schmuckbronzen, sowie eine Keramikdeponierung und zahlreiche weitere Funde.

Literatur

Eine Gesamtpublikation der Fundstelle ist derzeit in Bearbeitung, bisher sind Einzelbeiträge in Fachzeitschriften und Sammelbänden erschienen, u. a.:

  • Hermann Behrens, Erhard Schröter: Frühbronzezeitliche Gräber von der Schalkenburg bei Quenstedt. In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte. Band 1, 1981, S. 169–183.
  • Hermann Behrens, Erhard Schröter: Siedlungen und Gräber der Trichterbecherkultur und Schnurkeramik bei Halle (Saale). Ergebnisse von Ausgrabungen (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Band 34). Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1980.
  • Joachim Herrman et al.: Archäologie in der DDR Denkmale und Funde Bd. 2 Theiss Stuttgart/Urania Leipzig 1989 ISBN 3-8062-0531-0 S. 216 ff
  • Dieter Kaufmann: Die Ausgrabungen auf der „Schalkenburg“ bei Quenstedt, Ldkr. Mansfelder Land (Sachsen-Anhalt), und die Palisadenringanlage. In: Internationale Archäologie - Studia honoraria. Band 21, Rahden 2004, S. 395–410.
  • Erhard Schröter: Die „Schalkenburg“ bei Quenstedt, Kreis Hettstedt, eine frühneolithische Rondellanlage. In: Friedrich Schlette und Dieter Kaufmann (Hrsg.): Religion und Kult in ur- und frühgeschichtlicher Zeit. Berlin 1989, S. 193–200.
  • Erhard Schröter: Ein neolithischer Kultplatz auf der Schalkenburg bei Quenstedt. In: Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte. Band 73, 1990, S. 267–270.
  • Sandra Sosnowski: Neue Erkenntnisse zu Aufbau und Rekonstruktion der Kreispalisadenanlage auf der "Schalkenburg" bei Quenstedt, Lkr. Mansfeld-Südharz. In: Harald Meller, François Bertemes (Hrsg.): Neolithische Kreisgrabenanlagen in Europa (= Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle. Band 8). Halle (Saale) 2012, S. 121–134.
  • Sandra Sosnowski: Der polykulturelle Fundplatz Quenstedt, Flur „Schalkenburg“, Ldkr. Mansfeld-Südharz. Neue Ergebnisse zu Besiedlungsstruktur und -abfolge. In: Archäologie in Sachsen-Anhalt. Band 7, 2014, S. 55–69.
  • Sandra Sosnowski: Die befestigte Siedlung „Schalkenburg“ bei Quenstedt Ldkr. Mansfeld-Südharz. Ein Fundplatz im Spannungsfeld der großen spätbronze- bis früheisenzeitlichen Kulturkomplexe im nordöstlichen Harzvorland. In: Thomas Doppler, Britta Ramminger, Dirk Schimmelpfennig (Hrsg.): Grenzen und Grenzräume? Beispiele aus Neolithikum und Bronzezeit (= Fokus Jungsteinzeit. Band 2). Loogh 2011, S. 113–130.
  • Thomas Weber: Quenstedt, Ldkr. Mansfelder Land. In: Siegfried Fröhlich (Hrsg.): Aus der Vorgeschichte Sachsen-Anhalts. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), Halle (Saale) 1995, ISBN 3-910010-13-X, Nr. 20–21.

Weblinks

Commons: Schalkenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise