Warvenchronologie


Die Warvenchronologie (auch Bändertondatierung oder Bändertonkalender, von schwedisch varvig lera: „geschichteter Ton“) beruht auf der Auszählung schichtweiser Ablagerungen (Sedimenten) in Seen (lakustrine Sedimente), Mooren, Flüssen oder dem Meer (marine Sedimente), z. B. sogenannten Bändertonen. Falls es gelingt, die Auszählung anhand zusätzlicher Anhaltspunkte in einen absoluten Zeitrahmen einzuordnen, ergibt sich eine Angabe des Alters in Warvenjahren. Als Begründer der Warvenchronologie gilt der schwedische Geologe Gerard Jakob De Geer (1858–1943).

Grundlagen

Im Frühjahr und Sommer setzen sich helle, grobkörnige und sandreiche Sedimente ab, da das Wasserangebot durch große Mengen an Schmelzwässern von Gletschern oder die Schneeschmelze hoch ist, und somit sowohl die Transportfähigkeit der Gewässer steigt, als auch der Anteil feinkörniger, humoser Tone in den Hintergrund tritt. Im Winter werden vor allem dunkle, humose Tone abgelagert. Dadurch ergeben sich, abhängig von den Niederschlägen und Temperaturen, unterschiedlich mächtige und verschieden gefärbte Ablagerungen. Diese jährliche Ablagerung (zwei Schichten) wird Warve genannt, deren Mächtigkeit variieren kann.

Durch Auszählen der Warven kann ein Bänderton-Kalender aufgestellt werden, ähnlich wie bei der Dendrochronologie (Baumringkalender). Durch Überschneidung können Profile unterschiedlicher Regionen zusammengefügt werden. Mit dieser Methode gelang es dem schwedischen Baron Gerard Jakob De Geer bereits vor dem Ersten Weltkrieg, einen absoluten Kalender für Südschweden bis 10.000 v. Chr. aufzustellen. Einzelne Schichtenfolgen können inzwischen, wenn sie Kohlenstoff enthalten, mit der Radiokohlenstoffdatierung (14C-Methode) absolut datiert werden. Ferner ist es möglich, archäomagnetische Messungen an den Tonen durchzuführen, um diese absolut datieren zu können.

Für die Eifelregion gibt es eine Chronologie der letzten 23.000 (Meerfelder Maar, Holzmaar)[1], für einen japanischen See für 45.000 und für den Lago Grande di Monticchio am Monte Vulture in Süditalien sogar für die letzten 76.000 Jahre. Die Warven des Vansees in der Türkei reichen 14.570 Jahre zurück[2].

Bei den Warvenzählungen ist zu beachten, dass sich zumindest im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung „Warvenjahre v. h.“ (BP) meist auf das Jahr 1950 bezieht.[3]

Siehe auch

  • Stratigraphie - die allgemeine Methode der relativen Datierung nach Straten (Schichten)

Quellen

Literatur

  • Herbert W. Franke: Methoden der Geochronologie. Die Suche nach den Daten der Erdgeschichte. Springer, Berlin u. a. 1969 (Verständliche Wissenschaft. Bd. 98, ISSN 0083-5846).
  • H. Wolfgang Wagner et al., 2012: Trier und Umgebung, Sammlung geologischer Führer, Bd. 60, 3. Auflage, Bornträger, ISBN 978-3-443-15094-5.
  • Bernd Zolitschka: Paläoklimatische Bedeutung laminierter Sedimente. Holzmaar (Eifel, Deutschland), Lake C2 (Nordwest-Territorien, Kanada) und Lago Grande di Monticchio (Basilicata, Italien). Bornträger, Berlin u. a. 1998, ISBN 3-443-09013-3 (Relief, Boden, Paläoklima 13), (Zugleich: Potsdam, Univ., Habil.-Schr., 1996).

Einzelnachweise

  1. H. Wolfgang Wagner et al., 2012: Trier und Umgebung, Sammlung geologischer Führer, Bd. 60, 3. Auflage, Bornträger, ISBN 978-3-443-15094-5, [(siehe)http://www.schweizerbart.de/publications/detail/artno/011006040].
  2. Günter Landmann, Andreas Reimer, Gerry Lemcke, Stephan Kempe: Dating Late Glacial abrupt climate changes in the 14,570 yr long continuous varve record of Lake Van, Turkey. In: Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 122, 1996, S. 116
  3. Mike Walker, Sigfus Johnson, Sune Olander Rasmussen, Trevor Popp, Jørgen-Peder Steffensen, Phil Gibbard, Wim Hoek, John Lowe, John Andrews, Svante Björck, Les C. Cwynar, Konrad Hughen, Peter Kershaw, Bernd Kromer, Thomas Litt, David J. Lowe, Takeshi Nakagawa, Rewi Newnham und Jakob Schwander: Formal definition and dating of the GSSP (Global Stratotype Section and Point) for the base of the Holocene using the Greenland NGRIP ice core, and selected auxiliary records. In: Journal of Quaternary Science 24(1), 2008, S. 3–17 doi:10.1002/jqs.1227

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