Anatomography / CC BY-SA 2.1 jp

Wadenbein


Das Wadenbein (lat. Fibula (f.) „Heftnadel“, „Spange“) ist neben dem Schienbein (Tibia), an dem es seitlich außen anliegt, einer der beiden Knochen des Unterschenkels. Das Wadenbein ist der dünnere der beiden Knochen und ein typischer Röhrenknochen.

Wadenbein bei Säugetieren

Kopf

Das verdickte obere Ende, der Fibulakopf (Caput fibulae), läuft nach oben hin in eine Spitze (Apex capitis) aus. Er ist am mittigen Umfang durch eine dreiseitige, nach innen gekrümmte (konkave) Gelenkfläche (Facies articularis capitis fibulae) mit dem Schienbein verbunden, hat aber keine Verbindung mit dem Oberschenkelknochen (Femur). Bei Wiederkäuern ist der Wadenbeinkopf mit dem seitlichen Schienbeinknorren (Condylus lateralis tibiae) verwachsen, die gelenkige Verbindung also aufgehoben.

Schaft

Der lange und im Vergleich zum Schienbein sehr dünne Wadenbeinschaft (Corpus fibulae) liegt seitlich dem Schienbein an. Er zeigt nicht sehr ausgeprägte Kanten (Margo medialis, Margo lateralis und Margo interosseus), die den Körper in drei Flächen (Facies medialis, Facies lateralis und Facies posterior) unterteilen. Bei Wiederkäuern ist der Schaft vollständig zurückgebildet, bei Pferden reicht er nur bis zur Mitte des Unterschenkels. Der Spalt zwischen Schienbein- und Wadenbeinschaft (Spatium interosseum cruris) wird von kräftigen Bindegewebsfasern (Membrana interossea cruris) durch eine Bandhaft (Syndesmose) überspannt.

Unteres Ende

Das verdickte untere Ende des Wadenbeines bildet den Außenknöchel (Malleolus lateralis). Über seine Außenseite zieht eine Furche (Sulcus malleolaris lateralis) für die Sehnen des Musculus peroneus. Auf seiner Innenseite liegen eine Gelenkfläche (Facies articularis malleoli) zur Verbindung mit dem Sprungbein (Talus) und somit zur Bildung des Sprunggelenkes und hinter ihr eine Grube (Fossa malleoli lateralis), an der Bänder ansetzen. Bei Wiederkäuern ist als Überbleibsel des weitgehend rudimentären Wadenbeines ein eigenständiger Knochen (Os malleolare) ausgebildet. Bei Pferden ist das untere Ende des Wadenbeines vollständig mit dem Schienbein verschmolzen, so dass bei dieser Tierart das Wadenbein nur in der oberen Unterschenkelhälfte als eigenständiger Knochen ausgebildet ist.

Funktion

Das Wadenbein hat keinen funktionellen Einfluss auf das Kniegelenk, bildet aber mit seinem unteren Ende einen Anteil des oberen Sprunggelenkes. Es leitet von dort die auf das Bein einwirkenden Kräfte über das obere Schienbein-Wadenbein-Gelenk (Articulatio tibiofibularis proximalis) und die Bandhaft zwischen den beiden Knochen (Membrana interossea cruris) zum Schienbein und damit zum Oberschenkelknochen (Femur).

Erkrankungen

Ein Knochenbruch des Wadenbeines (Fibulafraktur, Pott-Fraktur) kommt selten vor. Er wird operativ mittels Osteosynthese durch Metallplatten und Stellschrauben bzw. durch eine Marknagelung behandelt.

Die Fibulaaplasie, auch fibulare Hemimelie genannt, ist eine Fehlbildung, bei der das Wadenbein nicht ausgebildet wird. Zumeist ist nur eine Extremität betroffen.


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