Vorgeschichtlicher Bohlenweg


Der Bohlenweg im Wittmoor II in Fundlage

Vorgeschichtliche Bohlenwege sind aus der Urgeschichte stammende Bohlenwege, ergo befestigte Wege aus hölzernen Bohlen und Schwellen, die zum Teil mehrere Kilometer über sumpfige Flächen, dort wo ein ganzjährig sicheres Überqueren der Flächen ohne Hiflsmittel nicht möglich gewesen wäre, angelegt wurden. Bisher wurden in Niedersachsen über 300, in den benachbarten Niederlanden weitere rund 40 artifizielle Wege gefunden.

Ein Weg ist in der Regel eine artifizielle Verbindung zwischen über Land verkehrstechnisch ansonsten getrennten Orten. Ein auf einer Geestinsel endender Moorweg, der also eine Sackgasse bildet, ist hingegen ein Steg.

Bauweise

Die Einebnung der Stegoberfläche durch den Einsatz von Bohlen – statt der anfangs verwendeten runden Pfähle − muss laut Hajo Hayen vor dem Hintergrund bronzezeitlicher Befahrung der nur temporär, nach Hayen etwa 10-30 Jahre, nutzbaren Stege gesehen werden. Auf der Bohlenschicht wurde in mehreren Fällen eine Auflage aus Heide- oder Grassoden beobachtet. Die Bedeutung dieser Auftragsschicht wurde kontrovers diskutiert. Nachdem im 19. Jahrhundert mehrfach von Plaggenaufträgen berichtet wurde, stellte Prejawa diese generell in Frage. Auch in jüngeren Untersuchungen wird betont, dass sich eine Auflage nicht feststellen ließ. Reinhardt beobachtete bei der Untersuchung des Weges XV (Le) im Meerhusener Moor an einigen Stellen eine Flechtmatte als Deckschicht. Hayen konnte mehrfach eine Sodenauflage feststellen. Die Pflanzenreste zeigten z. T. einen abweichenden Bewuchs. Die Wurzeln lagen oben aufgerichtet, so dass von umgedrehten Heidesoden auszugehen war. Der lokale Nachweis solcher Wegauflagen kann als gesichert gelten, dennoch hatten viele Wege ganz oder teilweise keine Auflage. So ist bei niederländischen vorgeschichtlichen Moorwegen nur in einem Fall eine Auflage aus Torfsoden bekannt. Die Auflage glich unebene Stellen in der Bohlenschicht aus, erhöhte die Wegoberfläche gegenüber dem Moor und verhinderte das Ausrutschen auf den nassen, im Moor eingebetteten Weghölzern. Die Bedeckung der Flächen verhinderte auch, dass sich Nutzungsspuren auf den Hölzern abzeichneten.

Fundlage

Ein in Reparatur befundenes Teilstück des Bohlenwegs im Wittmoor

Aus neolithischer, bronzezeitlicher und jüngerer Epoche erhielten sich in einigen Regionen aufgrund der guten Konservierungseigenschaften vom Moor überwachsene hölzerne Wegebauten.

Niedersachsen

Das Seeklima und der holozäne Meeresspiegelanstieg förderten die Vermoorung Nordwesteuropas. Nördlich der Mittelgebirge zeigt die alte Kartierung Landstriche, die vom Moor bedeckt und von Geestinseln durchdrungen waren. Mit etwa 6.300 km² war etwa ein Sechstel des Landes Niedersachsen bis ins 18. und 19. Jahrhundert hinein von Mooren bedeckt, davon nahmen Hochmoore etwa 55 % der Fläche ein. Bis zur Trockenlegung und Kultivierung bildeten Moore außerhalb der Frostperiode für die Verbindung zwischen den besiedelbaren Flächen naturräumliche Barrieren, die nur scheinbar durch die Anlegung von Bohlenwegen überwunden wurden.

Der älteste, stellenweise sehr breite und kurvenreiche Weg/Steg im Norden (mit der arch. No. XXXI Pr) verlief im Campemoor bei Damme im Landkreis Vechta durch einen Wald und existierte laut C14-Daten zwischen 4.835 und 4.715 v. Chr.[1], also mehr als ein Jahrtausend vor der ältesten Raddatierung. Somit besteht zwischen Bohlenwegen und der Nutzung von Fahrzeugen kein Kontext. Die 14 breiteren, überhaupt für Wagen geeigneten Wege bildeten ohnehin die Ausnahme, wie Burmeister beschreibt: „Bei den meisten dieser (200) Wege handelt es sich um schmale Stege, die den vernäßten Randmoorbereich überbrücken und auf die Hochmoorfläche führen“ [1]

Britische Inseln

Der Belmarsh Trackway wurde im Jahre 2009 als hölzerner Bohlenweg zum Überqueren eines Moores in Plumstead, einem Stadtteil von London entdeckt, und auf etwa 4.000 v. Chr. datiert. Der mit 1,8 km sehr lange Sweet Track auf den Britischen Inseln ist ein jüngerer Bohlenweg. Er führt über ein Sumpfgebiet in der Grafschaft Somerset. Die verwendeten Baumstämme wurden etwa 3.800 v. Chr. gefällt.

Der vier Meter breite Corlea Trackway in Irland ist mit seiner exakten Datierung auf 147 v. Chr. einer der Jüngsten.

Literatur

  • St. Burmester: Neolithische und bronzezeitliche Moorfunde aus den Niederlanden, Nordwestdeutschland und Dänemark. In: Mamoun Fansa, St. Burmeister (Hrsg): Rad und Wagen. Verlag von Zabern, Mainz 2004 ISBN 3-8053-3322-6
  • Hajo Hayen: Bohlenwege-Brücken über die Moore. In: Von Speerspitzen und Steingräbern. Ur- und Frühgeschichte im Emsland. Emsländischer Heimatbund (Hrsg.), 1982, ISBN 3-88077-104-X (formal falsche ISBN)
  • Hajo Hayen: Bau und Funktion der hölzernen Moorwege. Einige Fakten und Folgerungen. In: Herbert Jankuhn et. al. (Hrsg.): Untersuchungen zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtlichen Zeit in Mittel- und Nordeuropa V. Der Verkehr: Verkehrswege, Verkehrsmittel, Organisation. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften Göttingen, Phil.-Hist. Kl. 3, Folge 180, 1989 S.11-62.

Quellen

  1. 1,0 1,1 Burmeister: Rad und Wagen. 2004, S. 336 f.

Weblinks

Siehe auch


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