Anatomography / CC BY-SA 2.1 jp

Ulna


Die Ulna (lat.-anat. für „Elle“) ist neben dem Radius („Speiche“) einer der beiden Knochen des Unterarmes. Die Elle ist kleinfingerseitig gelegen, weniger kräftig als die Speiche und ein typischer Röhrenknochen.

Oberes Ende

Oberes Ende der Elle mit Knochensporn

Das zu der Körpermitte gelegene (proximale) Ende der Elle (Olecranon von altgr. ὠλένη = Ulna κράνος = Helm) ist deutlich verdickt und läuft in einen breiten, schnabelartig ausgezogenen Knochensporn aus, der als Ellenbogenhöcker (Tuber olecrani) bezeichnet wird. Seine hintere (posteriore) Fläche ist etwa dreieckig, glatt und wird von einem Schleimbeutel (Bursa olecrani) bedeckt, da sie unmittelbar unter der Haut liegt. Am Vorderrand des Knochenspornes sieht man eine quer verlaufende Vertiefung, die den hinteren Faserzügen der Gelenkkapsel des Ellenbogengelenkes als Ansatz dient. Die obere (superiore) Fläche des Knochenspornes ist etwa rautenförmig und dort aufgeraut, wo die Sehne des kräftigen dreiköpfigen Oberarmmuskels (Musculus triceps brachii) in den Knochen einstrahlt. Der an dem Knochensporn hakenförmig nach vorne ragende Ellenbogenfortsatz (Processus anconeus) greift bei Streckung des Ellbogengelenkes (Articulatio cubiti) in die Knochensporngrube (Fossa olecrani) des Oberarmknochens (Humerus). Am zur Mitte gerichteten (medialen) Rand des Knochenspornes entspringt der Ellenkopf (Caput ulnare) des ellenseitigen Handbeugers (Musculus flexor carpi ulnaris). Am seitlichen (lateralen) Rand setzt der Ellenbogenmuskel (Musculus anconaeus) an. Die vordere (anteriore) Fläche des Knochenspornes ist glatt, nach innen gewölbt und von der Gelenkknorpel überzogen. Sie bildet den oberen Teil der Gelenkfläche, einer Einkerbung für die Gelenkrolle (Incisura trochlearis), die an der Bildung des Ellbogengelenkes beteiligt ist. An der Basis des Knochenspornes umgreifen beidseits ein seitlicher und zur Mitte gerichteter Kronfortsatz (Processus coronoideus lateralis und medialis) den Speichenkopf.

Bei großen Hunderassen kann es bei der Ellbogendysplasie zu Knochenbrüchen (Frakturen) des Ellenbogenfortsatzes oder des zur Mitte gerichteten Kronfortsatzes kommen.

Körper

Elle (Ansicht von medial)
Elle (Ansicht von ventral)

Der mittlere Abschnitt der Elle wird als Ellenkörper oder Ellenschaft (Corpus ulnae) bezeichnet.

Die Elle bildet am Unterarm zusammen mit der Speiche eine funktionelle Einheit. Dies macht sich unter anderem anatomisch darin bemerkbar, dass beide Knochen auf verschiedene Weise miteinander gekoppelt sind. Zum einen besitzen sie an ihrem zur Körpermitte gerichteten und von der Körpermitte entfernten (distalen) Ende jeweils eine gelenkige Verbindung zueinander und zum anderen spannt sich nahezu der ganzen Länge nach eine recht stabile Bandhaft zwischen beiden auf (Membrana interossea antebrachii). Durch diesen relativ straffen Zug entsteht an der Elle an der zur Speiche hin gerichteten Seite ein Rand (Margo interosseus). Dieser stellt die einzige scharfe Kante dar, ist daher durch die Haut gut tastbar und liegt der gleichnamigen Kante der Speiche gegenüber.

Auch auf der Vorder- und Rückseite der Elle kann man jeweils einen Rand abgrenzen (Margo anterior und posterior).

Trotz seines nahezu zylinderförmigen Körpers kann man am aufgrund der eben beschriebenen Ränder an der Elle verschiedene Flächen abgrenzen. Die vordere Fläche (Facies anterior) ist die zwischen dem vorderen Rand und dem zwischen beiden Unterarmknochen liegenden Rand befindliche Knochenfläche. Zwischen vorderem und hinterem Rand befindet sich ebenfalls eine Fläche, die als zur Mitte gerichtete Fläche (Facies medialis) bezeichnet wird. Als hintere Fläche (Facies posterior) bezeichnet man die Fläche, die von dem hinteren Rand und Rand zwischen den beiden Knochen aufgespannt wird. Diese dient der Bandhaft zwischen den beiden Knochen als Ursprungsfläche.

Unteres Ende

Das leicht verbreiterte untere Ende der Elle wird als Ellenkopf (Caput ulnae) bezeichnet und endet mit dem Griffelfortsatz (Processus styloideus ulnae). Dieser steht an der Kleinfingerseite oberhalb des Handgelenkes mehr oder weniger deutlich hervor. Der vorne-seitlich liegende Gelenkflächenumkreis (Circumferentia articularis) steht mit der Einkerbung (Incisura ulnaris) für den Ellenkopf an der Speiche und dem an der Innenseite überknorpelten Speichenringband (Ligamentum anulare radii) in Verbindung.

Benachbarte Gelenke

An der gelenkigen Verbindung der Unterarmknochen mit den Handwurzelknochen (Ossa carpi) hat die Elle keine direkte Beteiligung. Sie muss die aufgrund des weiter von der Körpermitte entfernt liegenden Gelenkendes entstehende Distanz mit einer Gelenkscheibe (Discus articularis) überbrücken.

Elle und Speiche besitzen zwei gelenkige Verbindungen miteinander. Zum einen das zur Körpermitte hin gelegene Speichen-Ellen-Gelenk (Articulatio radioulnaris proximalis), das manchmal zum Ellbogengelenk (Articulatio cubiti) gezählt wird, und zum anderen das distale Speichen-Ellen-Gelenk (Articulatio radioulnaris distalis). Diese ermöglichen eine Umwendebewegung nach innen und nach außen der Speiche um die Elle (Pronation und Supination).

Bei Tieren, die vorwiegend Laufbewegungen ausführen (z. B. Pferd, Wiederkäuer), ist die Elle knöchern mit der Speiche verwachsen (Synostose) und damit sind die beiden Knochen gegeneinander unbeweglich.

Siehe auch

  • Olekranonfraktur

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...