Thai (Volk)


Zur Ethnie der Thai (früher „Siamesen“) werden heute die vier Hauptgruppen von Tai-Völkern in Thailand zusammengefasst: die Zentral-Thai (Thai Klaang), die Süd-Thai (Thai Phak-Tai), die Nord-Thai (Thai Nüa, die auch eine eigene alte Schrift besitzen) und die Thai Isan (im Nordosten, dem Isaan, deren Sprache eher dem Laotischen ähnelt). Im alten Siam wurden bis ins 19. Jahrhundert allerdings nur die Zentral- und Süd-Thai als eigentliche Siamesen bezeichnet, die Mehrheitsbevölkerungen von Nord- und Nordostthailand dagegen als Lao betrachtet. Nach dieser Einteilung waren nur 30-35 % der Bevölkerung des damaligen Siam Siamesen, 40-45 % waren Lao.[1] 1939 untersagte die Regierung des Ministerpräsidenten Phibunsongkhram, gleichzeitig mit der Umbenennung Siams in Thailand, jegliche regionale Unterscheidungen zu machen und forderte, allgemein nur noch von Thai zu sprechen. Oftmals werden auch alle Thailänder (Bürger von Thailand), unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, als Thai bezeichnet.

Einer verbreiteten These zufolge wanderten die Thai aus Südchina in das Gebiet des heutigen Thailand ein. Die Herkunft der Thai ist allerdings in der Geschichtswissenschaft umstritten.[2] Die erste staatliche Gründung unter Tai-Führung auf dem Gebiet des heutigen Thailands war vermutlich Ngoen Yang im äußersten Norden des Landes, aus dem später Lan Na entstand. Es folgte das Königreich Sukhothai, das unter König Ramkhamhaeng Ende des 13. Jahrhunderts die Vorherrschaft über das gesamte Gebiet des heutigen Thailands (und darüber hinaus) erlangte.

Andere Völker, die im Gebiet des heutigen Thailands siedelten, wurden von den Thai assimiliert. Dabei vermischte sich deren ursprüngliche Tai-Kultur mit denen der Mon und der Khmer. So übernahmen die Thai den Theravada-Buddhismus der Mon und die Staatskunst der Khmer. Die thailändische Sprache enthält eine Vielzahl von Lehnwörtern aus der Khmer-Sprache.[3] Ein Großteil der Thai stammt wenigstens teilweise von Mon, Khmer, Lao, assimilierten chinesischen, indischen oder muslimischen Einwanderern ab. Die Zugehörigkeit zur Ethnie der Thai ist also eher von kultureller Identität als von Abstammung abhängig.[4]

Infolge von Auswanderung leben viele Thai außerhalb Thailands. So identifizierten sich bei der Volkszählung in den USA 550.000 Menschen als Thai-Amerikaner.

Siehe auch: Thaiifizierung, Thailändische Sprache, Geschichte Thailands

Einzelverweise

  1. Charles F. Keyes: Cultural Diversity and National Identity in Thailand In: Government policies and ethnic relations in Asia and the Pacific. MIT Press, 1997, S. 200.
  2. Thak Chaloemtiarana: Thailand. The Politics of Despotic Paternalism. Cornell Southeast Asia Program, Ithaca NY 2007, ISBN 978-0-8772-7742-2, S. 247.
  3. Charles F. Keyes: Cultural Diversity and National Identity in Thailand In: Government policies and ethnic relations in Asia and the Pacific. MIT Press, 1997, S. 203.
  4. Thak Chaloemtiarana: Thailand. The Politics of Despotic Paternalism. Cornell Southeast Asia Program, Ithaca NY 2007, ISBN 978-0-8772-7742-2, S. 245-246.

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