Grant, John Charles Boileua / Public domain

Schultergelenk


Schultergelenk des Menschen (rechts), Gelenkkapsel blau

Das Schultergelenk (lat. Articulatio humeri, auch Glenohumeralgelenk, in der Veterinäranatomie auch Buggelenk) wird vom Oberarmkopf (Caput humeri) und der Schulterblattgelenkpfanne (Cavitas glenoidalis) des Schulterblatts (Scapula) gebildet. Da dieses Gelenk vor allem durch Muskulatur gesichert ist und die Bewegungen kaum durch knöcherne Strukturen eingeschränkt werden, ist es das beweglichste Kugelgelenk des menschlichen Körpers. Dadurch sind aber Ausrenkungen (Luxationen) der Schulter relativ häufig, ebenso wie Muskel- und Sehnenrisse im Bereich der Rotatorenmanschette.

Knöcherne Strukturen und Gelenkflächen

Der kugelförmige Kopf des Oberarmknochens (Humerus) steht mit der längsoval geformten Gelenkfläche des Schulterblattes (Cavitas glenoidalis) in Verbindung. Diese Gelenkfläche ist im Vergleich zum Oberarmknochenkopf klein und umschließt ihn daher nicht vollständig wie es beispielsweise im Hüftgelenk der Fall ist, sondern nur zu einem geringen Teil. Eine Vergrößerung der Kontaktfläche zwischen beiden Gelenkpartnern bildet eine drei bis vier Millimeter breite faserknorpelige Pfannenlippe (Labrum glenoidale), die an der Gelenkfläche befestigt ist.

Gelenkkapsel

Die Gelenkkapsel des Schultergelenkes ist relativ weitläufig und schlaff. Schwanzwärts (caudal) befindet sich bei entspannter Haltung eine etwa ein Zentimeter lange Reservezone (Recessus axillaris), die einen großen Bewegungsspielraum bietet.

Die Gelenkkapsel sendet einen Ausläufer um die Ursprungsehne des Musculus biceps brachii und bildet damit eine so genannte Kapselsehnenscheide.

Schleimbeutel

Schultergelenk mit Bandapparat

Zahlreiche Schleimbeutel (Bursae) spielen eine wichtige Rolle für die Funktion des Schultergelenkes:

  • Die Bursa subtendinea musculi subscapularis liegt unter der Sehne des Musculus subscapularis und vermindert die zwischen Sehne und Schulterblatt auftretende Reibung. Durch eine ovale Öffnung (Foramen ovale, Weitbrecht) kommuniziert sie mit der Gelenkhöhle.
  • Die Bursa subcoracoidea ist ein unterhalb des rabenschnabelartigen Fortsatzes des Schulterdaches (Processus coracoideus) gelegener Reserveraum des Gelenkes. Sie kommuniziert ebenfalls mit der Gelenkhöhle.
  • Die Bursa subacromialis und die Bursa subdeltoidea werden auch als subakromiales Nebengelenk bezeichnet. Durch diese beiden Schleimbeutel ist bei der Abspreizbewegung (Abduktion) des Armes die Verschieblichkeit des großen Oberarmknochenrollhügels (Tuberculum majus humeri) unter die Schulterhöhe (Akromion) gewährleistet.

Bänder

Das Schultergelenk hat in Relation zu seiner Beanspruchung gesehen einen sehr schwach ausgebildeten Bandapparat, der nur aus vier Bändern besteht: Ligamentum coracohumerale, Ligamentum coracoglenoidale, Ligamentum coracoacrominale und die Ligamenta glenohumeralia. Eine Führung durch Bänder ist daher nicht gegeben.

Muskulatur

Die Führung und Absicherung des Schultergelenkes erfolgt durch manschettenartig umschließende Muskeln, die so genannte Rotatorenmanschette. Sie leistet einen wesentlich höheren Beitrag zur Stabilität als die Bänder und übernimmt somit die Hauptsicherung des Gelenkes. Daneben tragen auch die Sehne des langen Kopfes des Musculus biceps brachii, der Musculus deltoideus, der Musculus pectoralis major und andere Muskeln zur Stabilisierung und Führung der Schulter bei.

Freiheitsgrade

Durch den Aufbau als Kugelgelenk bedingt, ist die Bewegung des Armes in allen drei Ebenen und Achsen möglich. Einen wesentlichen Beitrag zur Beweglichkeit leisten beim Menschen die beiden anderen Teilgelenke des Schultergürtels (Articulatio acromioclavicularis und Articulatio sternoclavicularis). Je nach Erfordernissen werden durch die Beweglichkeit dieser Gelenke die Positionen von Schlüsselbein (Clavicula) und Schulterblatt modifiziert.

Für die Praxis ist davon auszugehen, dass kaum eine Bewegung des Armes auf eine alleinige Bewegung des Schultergelenkes zurückzuführen ist. Das Zusammenspiel der Gelenkgruppe ist daher bei der Bewertung von Bewegungseinschränkungen mit zu berücksichtigen.

  • Transversal
    • Anteversion bis 90° im Schultergelenk, eine Elevation darüber (bis maximal 170°) unter Mitwirkung der Gelenke des Schultergürtels, eine vollständige Elevation (180°) ist durch Streckung der Wirbelsäule möglich
    • Retroversion bis maximal 50°
  • Sagittal
    • Abspreizbewegung (Abduktion) bis 90° im Schultergelenk, mit Beteiligung des Schultergürtels und der Wirbelsäule bis 180°
    • Heranführungsbewegung (Adduktion) bis 45°
  • Vertikale Achse
    • Einwärtsdrehung (Innenrotation) um 30°
    • Auswärtsdrehung (Außenrotation) um 60°

Besonderheiten bei Tieren

Bei den Säugetieren, die eher Laufbewegungen ausführen, ist das Schultergelenk zwar ebenfalls ein Kugelgelenk, durch die Anordnung der Muskulatur ist es aber soweit in seiner Bewegung eingeschränkt, dass nur noch Beugung (Flexion) und Streckung (Extension) möglich sind, also das Gelenk nur in einer Richtungsachse bewegt wird (so genanntes Wechselgelenk).

Erkrankungen

Röntgenaufnahme einer Schultergelenksluxation

Eine relativ häufige Verletzung des Gelenkes stellt die Ausrenkung (Schulterluxation) dar, wobei der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne des Schulterblattes springt. Die Reposition (Einrenkung) kann meist nichtoperativ erfolgen. Mitunter kann sich aus einer ersten traumatischen Luxation eine habituelle Luxation entwickeln, wenn das Gelenk instabil geworden ist. Eine Luxation des Acromioclaviculargelenks wird als Schultereckgelenksverrenkung bezeichnet.

Zur Behandlung von Arthrosen oder nach Unfällen gibt es auch beim Schultergelenk etwa seit 1995 künstliche Gelenkersätze (Endoprothesen) der dritten Generation.

Siehe auch

  • Impingement
  • Bankart-Läsion
  • Hill-Sachs-Läsion
  • SLAP-Läsion

Literatur

  • Franz-Viktor Salomon: Knochenverbindungen. In: F.-V. Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag, Stuttgart, 2. erw. Auflage 2008, S. 110–147, ISBN 978-3-8304-1075-1.

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