Rudolf Pöch


Rudolf Pöch

Rudolf Pöch (* 17. April 1870 in Tarnopol, Galizien, Österreich-Ungarn; † 4. März 1921 in Innsbruck) war ein österreichischer Mediziner, Ethnograph, Anthropologe, Forschungsreisender und Pionier der Fotografie, Kinematographie und Tondokumentation. Er gilt als Begründer des Institutes für Anthropologie und Ethnographie an der Universität Wien.

Leben und Wirken

Inspiriert durch seine Tätigkeit in der afrikanisch-ozeanischen Abteilung des Museums für Völkerkunde in Berlin unternahm Pöch von 1901 bis 1906 eine Forschungsreise nach Neuguinea, wo ihm erstmals der wissenschaftliche Nachweis einer kleinwüchsigen ethnischen Gruppe auf der Insel gelang. Bemerkenswert bei Pöchs Expedition ist vor allem seine technische Ausrüstung. So führte er neben einer schweren Plattenkamera und einer Filmkamera, mit dem ihm cinematographische Aufnahmen der indigenen Bevölkerung Neuguineas gelangen, was für die damalige Zeit eine Sensation darstellte und Pöch zu einem Pionier des Dokumentarfilms machte, auch einen sogenannten Archivphonographen mit, mit dem er 72 Tonaufnahmen der überwiegend vokalen Musik Neuguineas in Papua-Sprachen aufnahm.

1907 bis 1909 führte ihn eine zweite Forschungsreise nach Südafrika, wo er die Kultur der San studierte.

Obwohl Pöchs anthropologische Interpretation der von ihm studierten ethnischen Gruppe der Kai auf Neuguinea und der südafrikanischen San – er sah in ihnen Überreste einer menschheitsgeschichtlichen älteren Population – sich mittlerweile als falsch herausstellte, verdankten die europäischen Museen und Wissenschaftler ihm, seiner Sammelleidenschaft und seinen genauen Aufzeichnungen wertvolle Erkenntnisse über die von ihm studierten Kulturen.

Pöchs für die damalige Zeit revolutionäre technische Ausrüstung befindet sich heute im Wiener Naturhistorischen Museum, seine Tonaufnahmen im Wiener Phonogrammarchiv, seine Filmaufnahmen im Filmarchiv Austria.

Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 0, Reihe 1, Nummer 89). Im Jahr 1931 wurde in Wien Penzing (14. Bezirk) die Rudolf-Pöch-Gasse nach ihm benannt.

Literatur

  • M. Weninger: Pöch Rudolf. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 8. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1983, ISBN 3-7001-0187-2, S. 138 f. (Direktlinks auf S. 138, S. 139).
  • Martin Legassick, Ciraj Rassool: Gestörte Totenruhe. Dr. Pöchs Umtriebe in Südafrika und Österreichs moralische Verpflichtung zur Repatriierung. Indaba 58, 2008, S. 20–23

Weblinks


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