Neurit


Schema einer multipolaren Nervenzelle mit mehreren Dendriten und einem Neuriten, das Axon liegt umhüllt von Gliazellen (hier Schwann-Zellen) in einer Myelinscheide.

Die Bezeichnung Neurit kann im deutschen Sprachgebrauch für unterschiedliche Begriffe verwendet werden, wobei in jedem Fall der efferente Zellfortsatz eines Neurons im Begriffsumfang enthalten ist.

Der zugrunde liegende Begriff Neurit fasst den einzigen Fortsatz eines Neurons, mit dem es eine Erregung vom Zellkörper fort (efferent) an ausgewählte Zellen weiterleiten kann, gleich ob dieser Nervenzellfortsatz in einer Umhüllung verläuft oder nicht.[1][2] Der von Gliazellen umhüllte Neurit wird auch als Achsenzylinder oder Axon bezeichnet.[3] Somit kann der Begriff nahezu synonym für ein Axon verwendet werden,[4][5] sei es nicht myelinisiert oder in einer Myelinscheide.

Der Neurit geht am Ursprungskegel (Axonhügel) aus dem Perikaryon genannten Zellkörper eines Neurons hervor, kann Seitenäste als Kollateralen abgeben und sich mit einem Endbäumchen (Telodendron) aufzweigen in mehrere präsynaptische Endigungen. Außer dem Neuriten treten bei multipolaren, bipolaren und pseudounipolaren Neuronen Zellfortsätze auf, die als Dendriten unterschieden werden.[1]

Bei bipolaren Nervenzellen können deren zwei Fortsätze auch als dendritisches Axon bzw. neuritisches Axon bezeichnet werden.[6] Bei pseudounipolaren Nervenzellen wird der Begriff Neurit oft weiter gefasst für beide (ähnlich aufgebauten und gliaumhüllt verlaufenden) Fortsätze oder Ausläufer verwendet; so werden diese bei den Neuronen der sensiblen Hirnnerven- und Spinalganglien öfters auch peripherer bzw. zentraler Neurit genannt.[7][8][9] In diesem Fall ist der – dem dendritischen einer bipolaren Nervenzelle entsprechende – periphere Ausläufer zudem mitunter deutlich länger als der zentrale Neurit.

Des Weiteren steht Neuriten ebenfalls für aussprossende Fortsätze sich entwickelnder Neuronen des Neuroepithels oder haarähnliche Zellfortsätze von Neuronen in Zellkulturen. Diese Fortsätze können sich später differenzieren oder wieder zurückgebildet werden.[10] In diesem Sinn kann die Benennung Neurit gelegentlich aufgefasst werden als Überbegriff für Nervenzellfortsätze.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Leonhardt H.: Histologie, Zytologie und Mikroanatomie des Menschen, Thieme Verlag, 1981, ISBN 3133715062, S. 209ff.
  2. Wachtler F.: Histologie: Lehrbuch der Zytologie, Histologie und mikroskopischen Anatomie des Menschen, Verlag maudrich, 2005, ISBN 3850766810, S. 188.
  3. Heinzeller Th., Büsing C.: Histologie, Histopathologie und Zytologie für den Einstieg, Thieme Verlag, 2001, ISBN 3-13-126831-X, S. 61ff.
  4. Renate Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie, 3. A, Thieme Verlag, 2009, ISBN 978-3-13-129243-8, S.174f.
  5. R. F. Schmidt: Grundriß der Neurophysiologie, Springer, Berlin - Heidelberg - New York, 1972 (2.), S. 3, ISBN 3-540-06022-7
  6. Benninghoff: Makroskopische und mikroskopische Anatomie des Menschen, Bd. 3. Nervensystem, Haut und Sinnesorgane, Verlag Urban&Schwarzenberg, 1985, ISBN 3-541-00264-6, S. 4.
  7. Benninghoff: Makroskopische und mikroskopische Anatomie des Menschen, Bd. 3. Nervensystem, Haut und Sinnesorgane, Verlag Urban&Schwarzenberg, 1985, ISBN 3-541-00264-6, S. 5.
  8. Werner LinÃ, Jochen Fanghänel (Hrsg.), Histologie, Walter de Gruyter, 1999, S.265.
  9. Renate Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie, 3. A, Thieme Verlag, 2009, ISBN 978-3-13-129243-8, S.208.
  10. Website des National Center for Biotechnology (NCBI), Suchwort "Neurites" - MeSH. Abgerufen am 24. März 2013.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen