Nephron / CC BY-SA 3.0

Nervengewebe


Nervengewebe besteht aus vernetzten Nervenzellen (Neuronen). Dazwischen verbinden Gliazellen die Blutkapillaren mit den Neuronen und anderen Gliazellen. Durch diese verbundenen Nervenzellen ist Nervengewebe von anderen Gewebearten abgrenzbar. Hauptsächlich ist Nervengewebe im Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven zu finden, aber auch am Darm (→ Enterisches Nervensystem) und in der Netzhaut sind netzartig verbundene Nervenzellen vorhanden.

Im lebenden Organismus hat das Nervengewebe die Farbe rosa bis weiß. In der grauen Substanz überwiegen Nervenzellen. Die weiße Substanz besteht aus Leitungsbahnen, den myelinhaltigen Nervenfasern. In der weißen Substanz ist die Vernetzung gering.

Nervengewebe leitet selektiv Erregungen von Rezeptoren zu den Erfolgsorganen. Die graue Substanz verarbeitet, die weiße leitet.

Gliazellen und Neuronen

Nervengewebe setzt sich aus Nervenzellen (Neurone) und Gliazellen zusammen. Über die Neurone werden Impulse selektiv transportiert (Erregungsleitung). In einem gigantischen Netzwerk aus verbundenen Neuronen laufen ständig unzählige Erregungen auf vorgeprägten Bahnen mit einer Geschwindigkeit von ca. 360 km/h. Die Impulse verzweigen auf viele andere Neurone, konvergieren auf einige wenige Neurone oder hemmen andere Neurone. Die vergleichsweise kleineren und häufiger vorkommenden Gliazellen erfüllen Hilfsaufgaben. Gliazellen lassen sich strukturell und funktionell in Astrozyten, Oligodendrozyten, Schwann-Zellen, Mikroglia, Ependymzellen und Satellitenzellen gliedern. Astrozyten haben Kontaktstellen zur Blutbahn und zu näheren und entfernten Neuronen, bilden aber im Gegensatz zu den Neuronen kein globales Netz. In manchen Quellen werden die Glianetze als Synzytium und die Verbindungen mit Gap Junctions erklärt. Die Funktion der Glia ist nur teilweise verstanden. Zu Beginn der neuronatomischen Forschung hielt man Gliazellen für eine reine Kittsubstanz (Glia=Leim). Später erkannte man die Schutz- und Filterfunktion: Glia hält die für die Nervenzellen erforderliche biochemische Umgebung aufrecht, produziert für die Nervenfunktion erforderliche Substanzen, entsorgt störende Stoffwechselprodukte und bekämpft eindringende Mikroorganismen. Ein Astrozyt ernährt mit seinen Zellfortsätzen mehrere Neurone und ein Neuron wird durch mehrere Astrozyten versorgt. Ersteres schafft energetische Abhängigkeiten. Die Reserven im Astrozyt sind gering. Verbraucht ein Neuron viel, so haben die anderen versorgten Neurone weniger.

In der neueren Forschung zeigt sich, dass die Glia in noch nicht bekannter Weise die Tätigkeit der Neurone organisiert, die Neurone folgen den von Gliazellen vorgegebenen Mustern. Die Glia gibt die Befehle zur Bildung der Synapsen und legt in Wechselwirkung mit den Neuronen die Bahnen fest, auf welchen die Erregungen durchs Gehirn strömen. Wiederholt benutzte Bahnen werden verfestigt, nicht benutzte Bahnen werden gelöst. Letzteres wird „Jäten“ genannt. Neurone, welche sich nicht in benutzte Bahnen einbinden, werden über Apoptose eliminiert. Immer mehr wird deutlich, die Glia sind keine Hilfszellen, sondern organisieren die Tätigkeit der Neuronen.

Am einzelnen Neuron docken ca. 20 000 Synapsen an. Und außerdem sind zusätzlich Astrozytenkontakte anatomisch sichtbar, die PAP (peripheral astrocytic process). Viele kleine Astrozytenkontakte bilden einen Hügel an der und um die Synapse.

Regeneration

Im Alter von sechs Monaten vermeiden im menschlichen Organismus die spezialisierten Nervenzellen die Zellteilung. Während der Zellteilung wäre deren Funktion beeinträchtigt. Nervenzellen sind extrem spezialisiert. Benachbarte Zellen können bei Ausfall deren Funktion nicht übernehmen. Aber undifferenzierte Neuronen können sich weiterhin teilen, wandern in die Hirnregionen, fügen sich in das vorhandene Netzwerk ein und lernen sukzessiv. Gelingt dies nicht, werden diese Zellen eliminiert (Apoptose).

Im Peripheren Nervensystem können Nervenfasern nach einer Verletzung nachwachsen (Neurogenese).

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