Naturmuseum Freiburg


Das Naturmuseum an der Freiburger Gerberau

Das Naturmuseum in Freiburg im Breisgau beherbergt umfangreiche natur- und völkerkundliche Sammlungen. Es liegt am Rande der Altstadt, direkt am Augustinerplatz. Seit Dezember 2009 ist das Museum nach zweijähriger Schließung wieder geöffnet.

Geschichte

Ursprünglich wurde dieses Museum 1895 als Städtisches Museum für Natur- und Völkerkunde gegründet. Nach mehreren Ortswechseln eröffnete zunächst das Naturkundemuseum Ende 1931 im früheren Schulgebäude an der Gerberau seine Schauräume, die völkerkundlichen Bestände blieben bis 1961 magaziniert. Das Museumsgebäude war 1855–56 als Schulgebäude für das 1867 aufgelöste „Lehr- und Erziehungsinstitut“ der Dominikanerinnen durch Stadtbaumeister Jakob Straub errichtet worden. Nach umfassenden Sanierungsarbeiten Ende der 1970er Jahre konnte es ab 1982 schrittweise wiedereröffnet werden.

1961 wurden zur in Freiburg stattfindenden Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde die jahrzehntelang magazinierten völkerkundlichen Sammlungen in den Räumen des direkt angebauten Adelhauser Neuklosters durch das Augustinermuseum eingerichtet. Dies war der Anlass für die Museen, mit Bodo Spranz erstmals einen hauptamtlichen Museumsleiter für das Völkerkundemuseum einzustellen. Neben den Schausammlungen wurden jährlich zwei bis vier Sonderausstellungen sowie mehrere Studioausstellungen gezeigt. 1996 wurden die bisher eigenständigen Museen in das Adelhausermuseum unter gemeinsamer Leitung zusammengeführt.

Am 15. Februar 2006 wurden der komplette völkerkundliche Bereich (das ehemalige Adelhauser Neukloster) und eine Etage der naturkundlichen Dauerausstellung aufgrund aktueller Vorschriften des vorbeugenden Brandschutzes überraschend geschlossen. Die noch verbliebenen Schauräume waren bis zum 30. Dezember 2006 für die Öffentlichkeit zugänglich. Die völkerkundlichen Bestände wurden komplett magaziniert, werden aber in Sonderausstellungen gezeigt. Das Gebäude des Adelhauser Neuklosters wurde aufgegeben.

Seit Januar 2007 wurde die Ausstellungstätigkeit im Erdgeschoss an der Gerberau trotz der vorübergehend beengten Verhältnisse unter dem Arbeitstitel „Projekt: Museum Natur & Kultur“ in kompakter Form fortgesetzt. Das Museumsteam der Abteilungen Natur- und Völkerkunde sowie die Museumspädagogik des Hauses boten in diesem Rahmen individuelle und zielgruppenorientierte Programme für alle Besucher und Gruppen jeder Altersstufe an (Schwerpunkte: Kindergartengruppen und Schulklassen).

Während der Umbauphase in den Jahren 2008 und 2009 stellte das Naturmuseum seine Ausstellungstätigkeit vorübergehend ein, um sich ganz auf die Neukonzeption des Museumsgebäudes „Gerberau 32“ als „Familienmuseum“ konzentrieren zu können. Die Museumspädagogik bietet allerdings auch weiterhin Themen zu Naturkunde und Völkerkunde in ihrem Werkstattraum an.

Seit dem 5. Dezember 2009 sind die Mineralien, Edelsteine, Fossilien und Präparate in der Ausstellung „Leben im Netzwerk“ wieder ausgestellt.

Sammlung

Das Museum hatte bis 2006 mit seinen natur- und völkerkundlichen Sammlungen Einblicke in die Kulturgeschichte fremder Länder und in die Besonderheiten unserer Naturräume geboten: In der Abteilung Völkerkunde wurde dies bis anhand von Alltags-, Kunst- und Ritualgegenständen aus Afrika, Asien, dem indianischen Amerika sowie der Südsee vermittelt. Der Erwerb zahlreicher ethnologisch bedeutsamer Exponate datiert bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Freiburger Bürger hatten sie auf ihren teils ausgedehnten Reisen durch Asien und andere Regionen der Welt zusammengetragen und später dem Museum überlassen (vgl. Odo Deodatus I. Tauern).

Mit der Begründung der Großherzoglichen Badischen Geologischen Landesanstalt (heute: Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg) wurde durch Harry Rosenbusch der Geologe Ferdinand Schalch berufen. Er baute in Freiburg eine Geologische Sammlung analog zur geologischen Kartografierung Badens auf. Diese Belegsammlung ging durch den Zweiten Weltkrieg verloren.

In der Abteilung Naturkunde (Geo- und Biowissenschaften) konnte man Wissenswertes über Edelsteine, Erze und Mineralien, Bergbau im Schwarzwald, Meteorite, Gesteine und Fossilien sowie zahlreiche Insekten, Vogel- und Säugetier-Präparate erfahren. Die regionalen Sammlungsschwerpunkte liegen im Bereich Südwestdeutschland (Baden-Württemberg), einzelne Sammlungsteile sind jedoch auch international ausgerichtet, so z. B. das Edelsteinkabinett. Letzteres wurde bereits 1960 ins Leben gerufen, um an das ehemals überregional bedeutende Edelsteinschleifer-Gewerbe im Breisgau zu erinnern, das schon von Sebastian Münster im Jahre 1544 beschrieben wurde: Fast ein halbes Jahrtausend waren Freiburg und Waldkirch neben Städten wie Straßburg, Nürnberg, Wien und Mailand bedeutende Zentren für hoch entwickelte Steinschleifer- und Hohlwerkerbetriebe. Andere europäische Schleiferzentren gelangten hingegen erst später zu großem Ansehen, darunter die international bekannte Edelstein-Metropole Idar-Oberstein. Bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts hatten die Freiburger „Bohrer und Balierer“ sogar das Monopol für die Verarbeitung des berühmten böhmischen Granats (Pyrop) inne, eine aus heutiger Sicht mehr als bemerkenswerte Facette in der fast 900-jährigen Geschichte dieser Stadt.

Literatur

  • Edgar Dürrenberger: Als Freiburg die Welt entdeckte. 100 Jahre Museum für Völkerkunde. Ausstellung anlässlich der Sonderausstellung zur Hundertjahrfeier der Museen für Naturkunde und Völkerkunde Freiburg vom 31. März bis 26. Oktober 1995. Promo-Verlag, Freiburg 1995, ISBN 3-923288-16-6

Weblinks

47.993317.85159Koordinaten: 47° 59′ 36″ N, 7° 51′ 6″ O


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