Magdalenpapyrus


Manuskripte des Neuen Testaments
Papyri • Unziale • Minuskeln • Lektionare
Papyrus 64
P064-Mat-26.7-8-26.10-26.14-15-II.jpg
NameMagdalenpapyrus
Zeichen$ \mathfrak{P} $64
TextMatthäus 3; 5; 26
Sprachegriechisch
Datumspätes 2./3. Jahrhundert
GefundenKoptos, Ägypten
LagerortBarcelona, Fundación Sant Lluc Evangelista, Inv. Nr. 1;
Oxford, Magdalen College, Gr. 18
Größe20×14 cm
TypAlexandrinischer Texttyp
KategorieI

Das „Magdalen“papyrus (oder Papyrus 64, nach Gregory-Aland mit Sigel $ \mathfrak{P} $64 bezeichnet) ist eine frühe griechische Abschrift des Neuen Testaments. Dieses Papyrusmanuskript des Matthäusevangeliums enthält die Verse 3,9,15; 5,20-22,25-28; 26,7-8,10,14-15,22-23,31-33.[1] Die fünf Fragmente haben eine Größe von 20x14cm und sind in zwei Spalten mit 38-39 Zeilen beschrieben.

Geschichte

Das Magdalenpapyrus wurde in Luxor (Ägypten) im Jahre 1901 von dem anglikanischen Priester Charles Bousfield Huleatt (1863-1908) erworben, der die griechischen Fragmente als Teile des Matthäusevangeliums identifizierte. Er übergab sie dem Magdalen College in Oxford, wo sie als P. Magdalen Greek 17 (Gregory-Aland $ \mathfrak{P} $64) katalogisiert wurden und damit ihren Namen erhielten. Die erste Veröffentlichung erfolgte 1953 von Colin H. Roberts mit einigen Photographien der Fragmente. Er charakterisierte die Handschrift als „einen frühen Vorläufer der sogenannten 'biblischen Unzialhandschrift'“, welche sich zum Ende des 2. Jahrhunderts zu entwickeln begann. Dieser Unzialenstil wird durch die späteren biblischen Codex Vaticanus und Codex Sinaiticus verkörpert. Eine vergleichende Untersuchung mittels Paläographie ergab die heute gemeinhin akzeptierte Datierung auf ca. 200 n. Chr.

Die Fragmente sind auf beiden Seiten beschrieben, somit stammen sie nicht von einer Schriftrolle, sondern von einem Kodex. Weitere Fragmente, die 1956 von Ramon Roca-Puig veröffentlicht und als P. Barc. Inv. 1 (Gregory-Aland $ \mathfrak{P} $67) katalogisiert sind, wurden von Roca-Puig and Roberts demselben Kodex wie die Magdalenfragmente zugeordnet. Diese Ansicht entspricht dem heutigen Konsens der Gelehrten.

Datierung

Ursprünglich wurde $ \mathfrak{P} $64 von Charles Huelatt auf das dritte Jahrhundert datiert. Er hatte die Handschrift dem Magdalen College übergeben. Später untersuchte der Papyrologe A. S. Hunt das Manuskript und datierte es auf das frühe vierte Jahrhundert. Colin Roberts betrachtete diese Datierung als viel zu spät, datierte auf einen Zeitpunkt um 200 und veröffentlichte das Manuskript. Diese Ansicht wurde von drei weiteren führenden Papyrologen unterstützt: Harold Bell, T. C. Skeat and E. G. Turner [2] und ist seither die allgemein akzeptierte Datierung für $ \mathfrak{P} $64.

Einzelnachweise

  1. Kurt und Barbara Aland, Der Text des Neuen Testaments. Einführung in die wissenschaftlichen Ausgaben sowie in Theorie und Praxis der modernen Textkritik. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1989, S. 110. ISBN 3-438-06011-6
  2. Colin Roberts, An Early Papyrus S. 233-237

Siehe auch

Literatur

  • Roberts, C. H.: An early papyrus of the first gospel, in: HThR 46 (1953) S. 233-237 (Pl.)
  • Roca-Puig, R.: P. Barc. Inv. Nr. 1, in: Studi in onore di Aristide Calderini e Roberto Paribeni II, Mailand-Varese 1957, S. 87-96
  • Charlesworth, SD (2007) T. C. Skeat, P64+67 and P4, and the Problem of Fibre Orientation in Codicological Reconstruction, New Test. Stud. Vol.53, S. 582–604, doi:10.1017/S002868850700029X
  • T. C. Skeat: The Oldest Manuscript Of The Four Gospels?. In: New Testament Studies. 43, 1997, S. 1–34. doi:10.1017/S0028688500022475.
  • Carsten Peter Thiede: Papyrus Magdalen Greek 17 (Gregory–Aland P64). A Reappraisal. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 105, 1995, 13–20, online (PDF; 484 kB). Abgerufen am 13. Dezember 2006.
  • Wachtel, K.: P64/67: Fragmente des Matthäusevangeliums aus dem 1. Jahrhundert?, in: ZPE 107 (1995) S. 73-80
  • Vocke, H.: Papyrus Magdalen 17 Ð weitere Argumente gegen die Frühdatierung des angeblichen Jesus-Papyrus, in: ZPE 113 (1996) S. 153-157.

Bilder

Weblinks


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