Karl Johan Andersson (aus H. B. Scammel, 1890)

Karl Johan Andersson (* 4. März 1827 in der schwedischen Provinz Värmland; † 5. Juli 1867 in Ukuambi, Namibia) war ein schwedischer Abenteurer, Forschungsreisender, Händler, Herero-Führer und Schriftsteller, der sich mit der Erschließung und Erforschung von Südwest-Afrika (heute Namibia) beschäftigte.

Biographie

Andersson landete als Begleiter des Afrikaforschers Francis Galton am 20. August 1850 in der südwestafrikanischen Hafenstadt Walfischbucht, mit dem Ziel, das Ovamboland im Norden des Landes und den Weg zum Ngamisee im Betschuanaland, dem heutigen Botswana, zu erkunden.

1851 brachen beide zu einer Tour zum Ovamboland auf und erreichten am 20. Mai 1851 den Otjikotosee bei Tsumeb. Kurze Zeit danach entdeckten beide als erste Europäer die Etosha-Pfanne. In Anerkennung seiner Verdienste um die Erforschung der nördlichen Landesteile wurde der bei Okaukuejo liegende Süd-Eingang des später gegründeten Etosha-Nationalparks nach Andersson benannt. Galton und Andersson setzten ihre Reise fort, durchstreiften mehrere Monate das Ovamboland, ohne allerdings den Kunene zu erreichen.

1853 zogen sie nach Osten an den Ngamisee. Andersson fertige zahlreiche Aufzeichnungen zu Fauna und Flora seiner Reise an und veröffentlichte diese unter dem Titel Lake Ngami (London 1856, 2 Bde.; in deutsch Ngami-See, 1858 in Leipzig) anlässlich eines kurzen Europaaufenthaltes.

1856 kehrte Andersson ans Kap zurück und traf dort mit dem englischen Großwildjäger und Abenteurer Frederik Green zusammen. Letzterer berichtete Andersson von seinem Vorhaben, eine Jagdtour an den Kunene unternehmen zu wollen. Da Andersson dieses Ziel bei seiner ersten Reise zum Ovamboland nicht erreicht hatte, sah er hier eine Möglichkeit, dies gemeinsam mit Green nachzuholen. Green zog sofort los. Andersson versuchte vorbereitend, nachdem er 1860 geheiratet hatte, seine wirtschaftliche Situation dadurch zu verbessern, dass er die ihm angebotene befristete Stellung eines Direktors der Walfishbay Minengesellschaft in Otjimbingwe annahm. Nach Ablauf seines Vertrages konnte Andersson 1859 seinem Freund Green zum Kunene folgen. Statt des Kunene allerdings entdeckt Andersson 1860 den Okavango. Auch Green fand den Kunene nicht und so kehrten beide nach Ojimbingwe zurück. Seine Reiseerinnerungen veröffentlichte Andersson 1863 in dem Buch The Okavango River (London 1861; deutsch: Der Okavango-Strom. Entdeckungsreisen und Jagdabenteuer in Südwest-Afrika (Leipzig 1863)).

In Otjimbingwe gründet Andersson ein erfolgreiches Handelshaus und ersteigert den ganzen Ort Otjimbingwe, samt zahlreicher Gebäude und einer Kupfermine. Zum Schutze beider schuf sich Andersson eine gut, mit 2 Geschützen bewaffnete, ausgerüstete Privatarmee aus Herero-Freiwilligen. Otjimbingwe blühte in diesen Jahren zu einem Einkaufsparadies auf. Gewehre, Munition, Kleidung, Hausrat, Alkohol und die für die Speere wichtigen Eisenstangen, waren vorhanden und konnte gegen Rinder, Schafe, Elfenbein und Straußenfedern getauscht werden.

1863 erfuhren das Leben Anderssons und der Ort Otjimbingwe eine dramatische Wende. Der junge Hererohäuptling Maharero war nach einer unruhigen Zeit in Windhoek mit seinem Volk nach Otjimbingwe geflüchtet, um sich vor dem Volk der Afrikanern in Sicherheit zu bringen. Tatsächlich erschien der neue Kaptein der Afrikaner, Christian Afrikaner, am 15. Juni 1863 mit einer Gruppe von Gevolksleuten vor Otjimbingwe, um sowohl Maharero für seine Eigenmächtigkeit zu bestrafen als auch den reichen Ort Otjimbingwe zu plündern. In gemeinsamer Anstrengung gelang es jedoch Maharero und Andersson, beides zu verhindern und den Angriff blutig zurückzuschlagen. Auch Christian Afrikaner verlor dabei sein Leben, so dass Jan Jonker Afrikaner Kapteinsnachfolger wurde. Maharero wurde nach dieser erfolgreichen Schlacht zum Oberhäuptling aller Herero ernannt und ernannte seinerseits Andersson in Anerkennung seiner Unterstützung bei der Verteidigung Otjimbingwes zum „Regenten und militärischen Befehlshaber aller Herero auf Lebenszeit“ - eine einmalige und sich nie wieder wiederholende Ehrung für einen Europäer in Südwest-Afrika.

Andersson versuchte sich dieser Ehrung würdig zu erweisen und plante einen Angriff auf die Afrikaner, um diese zum Friedensschluss zu zwingen. Maharero und Green führten dementsprechend 1864 einen sehr erfolgreichen Schlag gegen die Afrikaner. In einem Rachefeldzug überfielen die Afrikaner einen von Green geführten großen Handelstransport in der Nähe von Rehoboth. Dies wiederum veranlasste Andersson zur Generalmobilmachung bei allen Herero; in kürzester Zeit konnte er 3.000 bewaffnete Kämpfer aufbieten und mit ihnen dem in die Bergschluchten von Seeis flüchtenden Afrikanern nachsetzen. Am 22. Juni 1864 kam es bei Seeis zur Entscheidungsschlacht, der Andersson-Schlacht, mit den Afrikanern. Zwar blieben Andersson und die Herero Sieger, mussten aber schwere Verluste hinnehmen und Andersson selbst wurde schwer verwundet.

Die Herero folgten Andersson nicht mehr so bereitwillig wie zuvor und auch sein Handelsgeschäft in Otjimbingwe hatte bei den mehrfachen Kriegen Schaden genommen. So entschloss sich Andersson 1865 zum Verkauf von Otjimbingwe an den Missionar Hahn, der eine Missionskolonie einrichtete und siedelte selbst nach Walvis Bay über, um dort unter besseren Vorzeichen, schließlich war Walvis Bay der einzige Seehafen an der südwestafrikanischen Küste bis nach Kapstadt, ein neues Handelsunternehmen zu gründen. Von Walvis Bay aus unternahm Andersson dann einen weiteren sehr erfolgreichen Handelszug ins Ovamboland. Er gründete in Ondonga eine Zweigstelle seines Unternehmens und erreichte dann endlich doch noch den Kunene. Hier erkrankte Andersson schwer und starb am 5. Juli 1867 bei Ukuambi.

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