Ian Tattersall


Ian Tattersall (* 5. Oktober 1945 in England) ist ein in den USA lebender Primatologe und Paläoanthropologe. Von 1971 bis 2010 war er Leiter der Anthropologischen Abteilung des American Museum of Natural History in New York City. Zu seinen Forschungsgebieten zählen insbesondere die Stammesgeschichte des Menschen sowie die Systematik und die Ökologie der Lemuren von Madagaskar.

Ian Tattsall wuchs in Ostafrika auf. Er studierte an der University of Cambridge die Fächer Archäologie und Anthropologie bis zum Magister-Abschluss (1970) und danach an der Yale University die Fächer Geologie und Paläontologie der Wirbeltiere. 1971 erwarb er in Yale den Doktor-Grad. 1971/72 war er als Lecturer an der New School for Social Research beschäftigt und bis 1974 an der City University of New York, jeweils im Fachgebiet Anthropologie. Es folgten eine Lehrtätigkeit als Professor an der Columbia University und zugleich an der City University of New York. Feldstudien führte er durch auf Madagaskar und den Komoren, auf Mauritius und Borneo sowie in Nigeria, Niger, Sudan, Jemen, Vietnam, Surinam, Französisch-Guayana, Réunion und den USA.

Sein wissenschaftliches Hauptwerk ist zum einen das 1982 erschienene Buch The Primates of Madagascar, zum anderen die vier Bände über The Human Fossil Record. Er ist ferner Co-Autor der wissenschaftlichen Erstbeschreibung des Nördlichen Gabelstreifenmakis, des Westlichen Gabelstreifenmakis und des Sambirano-Gabelstreifenmakis sowie Namensgeber der Taxons „Palaeopropithecinae“. Von Tattersall stammt zudem der erste wissenschaftliche Nachweis für den Goldkronensifaka (Propithecus tattersalli), der 1988 als eigenständige Art beschrieben und nach ihm benannt wurde.

Für Aufsehen über seine Fachwissenschaften hinaus sorgte Tattersall 1993, als er die Gebeine von vier Eskimos zur Beisetzung in Grönland freigab, die in der anthropologischen Sammlung des American Museum of Natural History eingelagert worden waren. 1896 hatten Anthropologen vier Grönländer in die USA verschleppt, um sie zu befragen, zu untersuchen und zu vermessen; in den USA waren die vier nach kurzer Zeit an Tuberkulose verstorben.[1]

Ian Tattersall ist Mitglied der American Association for the Advancement of Science, der American Association of Physical Anthropologists, der American Society of Primatologists, der International Primate Society, von Sigma Xi, der Society of Vertebrate Paleontology und der Linnean Society of London.

Bücher

  • The Primates of Madagascar. Columbia University Press, New York 1982, ISBN 978-0231047043
  • The Fossil Trail: How We Know What We Think We Know About Human Evolution. Oxford University Press, New York 1995, ISBN 978-0195367669
  • The Last Neanderthal: The Rise, Success, and Mysterious Extinction of Our Closest Human Relative. Macmillan, New York 1995. Überarbeitete Fassung: Westview Press / Basic Books, 1999, ISBN 978-0813336756
    • deutsche Ausgabe: Neandertaler. Der Streit um unsere Ahnen. Birkhäuser, Basel 1999, ISBN 3-7643-6051-8
  • mit Eric Delson , John Van Couvering und Alison S. Brooks (Hrsg.): Encyclopedia of human evolution and prehistory. Routledge, Oxford und New York, 2. Auflage 1999, ISBN 978-0815316961
  • Becoming Human: Evolution and Human Uniqueness. Houghton Mifflin Harcourt / Mariner Books, 1999, ISBN 978-0156006538
  • mit Jeffrey H. Schwartz: Extinct Humans. Westview Press / Basic Books, Boulder (Colorado) 2000, ISBN 978-0813334820
  • The Monkey in the Mirror: Essays on the Science of What Makes Us Human. Houghton Mifflin Harcourt / Mariner Books, 2003, ISBN 978-0-15-602706-9
  • mit Jeffrey H. Schwartz u. a.: The Human Fossil Record. Wiley-Liss, Band1 (Terminology and Craniodental Morphology of Genus Homo), 2002, ISBN 978-0471319276; Band 2 (Craniodental Morphology of Genus Homo [Africa and Asia]), 2003, ISBN 978-0-471-31928-3; Band 3 (Brain Endocasts – The Paleoneurological Evidence), 2004, ISBN 978-0-471-41823-8; Band 4 (Craniodental Morphology of Early Hominids (Genera Australopithecus, Paranthropus, Orrorin, and Overview), 2005, 978-0-471-31929-0
  • The World from Beginnings to 4000 BCE. Oxford University Press. New York 2008, ISBN 978-0195333152
  • mit Rob DeSalle: Human Origins: What Bones and Genomes Tell Us about Ourselves. TAMU Press, 2008, ISBN 978-1585445677
  • Masters of the Planet. The Search for Our Human Origins. Palgrave Macmillan, 2012, ISBN 978-0230108752

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Spiegel 35/1993 vom 30. August 1993: Ian Tattersall, Gebeine in der Schublade.

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