Hellmut Brunner


Hellmut Brunner (* 11. Mai 1913 in Höchst am Main; † 18. Februar 1997) war ein deutscher Ägyptologe.

Leben

Hellmut Brunner wurde am 11. Mai 1913 in Frankfurt-Höchst als Sohn eines Chemikers geboren. Nach dem Abitur 1931 in Höchst studierte er Ägyptologie, Klassische Archäologie und Semitistik, zunächst in Berlin (1931-32), dann in München (1932-33, 1934-36) sowie am University College London (1933-34). 1936 wurde er bei Alexander Scharff in München promoviert. 1937/38 reiste er mit dem Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts in Ägypten. 1939 wurde er Assistent und Dozent an der Universität München, wo er 1942 auch habilitiert und zum Dozenten ernannt wurde.

Brunner war als Student Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei. Aber bereits 1934 wurde er Mitglied des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps und 1937 Mitglied der NSDAP. Im selben Jahr wurde er Blockwart der NS-Wohlfahrt.[1] Brunner nahm seit 1940 als Soldat am 2. Weltkrieg teil und geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Aufgrund der Aussage seines Lehrers Alexander Scharff wurde Brunner im Entnazifizierungsverfahren seine Stelle als wissenschaftlicher Assistent und Dozent entzogen und er durfte nicht wieder in einer amtlichen Eigenschaft oder in einer Dienst- oder Regierungsstelle beschäftigt werden.[2][3]. Nach dem Krieg arbeitete er am Evangelisch-Theologischen Seminar in Blaubeuren als Hilfslehrer für Hebräisch und Griechisch.

Seit 1950 arbeitete er als Assistent in der alttestamentlichen Abteilung der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Ab 1951 war er Dozent für Ägyptologie an der Universität Tübingen. 1956 wurde er zum außerplanmäßigen, 1960 zum außerordentlichen und 1964 zum ordentlichen Professor für Ägyptologie ernannt. Er gilt als Begründer des Faches Ägyptologie an dieser Universität, schuf das ägyptologische Museum, das sich heute im Schloss Hohentübingen befindet, und initiierte das Projekt Tübinger Atlas des Vorderen Orients (TAVO) mit. Er legte großen Wert auf den Aufbau einer ägyptologischen Bibliothek, die heute zu den besten in Deutschland zählt. 1978 wurde er emeritiert. Seine Publikationen sind zahlreich und decken eine relativ große Bandbreite innerhalb des Faches Ägyptologie ab; Schwerpunkte im Bereich Weisheitslehren, Erziehung, Religion.

Hellmut Brunner war seit 1937 mit der Ägyptologin Emma Brunner-Traut verheiratet.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die Anlagen der ägyptischen Felsgräber bis zum Mittleren Reich, Glückstadt 1936 (= Dissertation)
  • Altägyptische Erziehung, Harrassowitz, Wiesbaden 1957
  • Abriss der mittelägyptischen Grammatik, Graz 1961; 2., erw. u. verb. Aufl., Graz 1967
  • Die Geburt des Gottkönigs. Studien zur Überlieferung eines altägyptischen Mythos, Harrassowitz, Wiesbaden 1964; 2., erg. Aufl., Harrassowitz, Wiesbaden 1986
  • Die südlichen Räume des Tempels von Luxor, Zabern, Mainz 1977
  • Grundzüge der altägyptischen Religion, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983
  • Altägyptische Weisheit, Artemis, Zürich 1988
  • Das hörende Herz, Vandenhoeck u. Ruprecht, Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1988
  • Hieroglyphische Chrestomathie, 2., verb. Aufl., Harrassowitz, Wiesbaden 1992

Festschriften

  • Fontes atque pontes. Eine Festgabe für Hellmut Brunner, hrsg. von Manfred Görg, Harrassowitz, Wiesbaden 1983. ISBN 3-447-02347-3
  • Welt des Orients Bd. 14/15, 1983/84 (enthält Bibliographie)

Literatur

  • Wilfried Kürschner (Hrsg.): Linguisten-Handbuch, Narr, Tübingen 1994, Bd. 1 S. 108 mit Bild Google Books
  • Archiv für Orientforschung 44/45, 1997/8, S. 578-579 (enthält Bibliographie)
  • Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 124, 1997, S. I-III
  • Thomas Beck: Das Institut für Ägyptologie der LMU im Nationalsozialismus, in: E. Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Band 1, München 2006,

Einzelnachweise

  1. Thomas Beck: Das Institut für Ägyptologie der LMU im Nationalsozialismus, in: E. Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Band 1, München 2006, S. 292. 296.
  2. Institutsgeschichte des Instituts für Ägyptologie der Universität München.
  3. Hans-Joachim Lang: Im Nachlass eines Tübinger Professors fand sich Beutegut.tagblatt.de, 4. April 2011 Online

Weblinks


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