Handknochen


Knochen der Hand
(aus Gray's Anatomy)

Die Handknochen (lat. Ossa manus) bilden die knöcherne Stütze der Hand bzw. des Vorderfußes. Sie werden in drei Gruppen unterteilt:

Handwurzelknochen (Ossa carpi)

Die acht Handwurzelknochen befinden sich in zwei Reihen zu je vier Knochen. Sie werden daher als körpernahe (proximale) und körperferne (distale) Handwurzelknochen bezeichnet.

Die körpernahen Handwurzelknochen

Zu den körpernahen (proximalen) Handwurzelknochen (Ossa carpi) zählen (daumenseitig beginnend nach außen):

Röntgenaufnahme einer menschlichen Hand. A Kahnbein, B Mondbein, C Dreiecksbein, D Erbsenbein, E Großes Vieleckbein, F Kleines Vieleckbein, G Kopfbein, H Hakenbein

Das Kahnbein stellt die hauptsächliche Gelenkverbindung zur Speiche (Radius) dar, fingerseitig zum Großen Vielecksbein (Os trapezium), Kleinen Vielecksbein (Os trapezoideum) und zum Kopfbein (Os capitatum). Das Kahnbein (Scaphoid), im klinischen Alltag gerne fälschlicherweise als „Naviculare“ bezeichnet, ist an der Handwurzel der am häufigsten frakturierte Knochen. Die Fraktur wird auf Standard-Röntgenaufnahmen gerne übersehen und stellt sich besser im sogenannten „Naviculare-Quartett“ dar. Goldstandard der Diagnostik ist aber die CT-Schnittbilduntersuchung. Während früher häufig konservative Behandlungsmaßnahmen, also eine Gipsbehandlung über 12 Wochen zur Anwendung kam, tendiert man heute zur operativen Therapie. Dabei wird typischerweise über einen minimal-invasiven, idealerweise die Haut lediglich perforierenden Zugang, eine spezielle Schraube in den Knochen eingebracht. Bei Nicht- oder Falschbehandlung droht ein Ausbleiben der knöchernen Heilung, eine sogenannte „Pseudarthrose“. Infolge der Pseudarthrose wiederum kommt es zur Dysbalance der Statik der Handwurzelknochen und zur veränderten Kraftübertragung im Handgelenk. Im Extremfall resultiert eine vorzeitige Gelenkabnutzung, die Arthrose (SNAC-Wrist; SNAC: scaphoid nonunion advanced collaps).

Das Mondbein stellt die Gelenkverbindung sowohl zur Speiche als auch zur Elle (Ulna) dar, fingerseitig ebenfalls zum Kopfbein (Os capitatum) und zum Hakenbein (Os hamatum). Das Mondbein frakturiert deutlich seltener als das Scaphoid (Kahnbein), kann aber bei entsprechender Gewalteinwirkung aus dem Handwurzelverbund herausgedrängt werden (lat. luxieren). In der Tat sind sogar Verrenkungen der übrigen Handwurzelknochen um das an Ort und Stelle verbliebene Mondbein noch häufiger („de Quervainsche Luxationsfraktur“). Gelegentlich findet sich eine sogenannte Lunatum-Malazie. Dabei handelt es sich um einen allmählichen Knochenuntergang, verursacht durch ständig wiederkehrende Mikrotraumen. Beispielhaft hierfür sei der über lange Zeit mit einem Presslufthammer hantierende Bauarbeiter genannt. Die Behandlung der Lunatum-Malazie ist schwierig. Zur Anwendung kommen neben Knochenentfernung und Ersatz durch Sehne die Versetzung eines gefäßgestielten anderen Handwurzelknochens, des Os pisiforme oder aber die sehr aufwendige Revaskularisations-Operation, bei der versucht wird, den Knochen wieder an das Blutgefäßsystem anzuschließen.

Das Dreiecks- und Erbsenbein sind nur für die Verbindung zur Elle zuständig, fingerseitig zum Hakenbein (Os hamatum).

Die körperfernen Handwurzelknochen

Zu den körperfernen (distalen) Handwurzelknochen zählen (daumenseitig beginnend nach außen):

Fingerseitig stellen die körperfernen Handwurzelknochen Verbindung zu den Mittelhandknochen folgender Finger her: Das große Vieleckbein zu Daumen und Zeigefinger, das kleine Vieleckbein zu Zeigefinger und Mittelfinger, das Kopfbein zu Mittel- und Ringfinger und das Hakenbein zum Ringfinger und kleinen Finger.

Merkvers

Die Handwurzelknochen kann man sich mit Hilfe des folgenden Verses merken:

Ein Kahn, der fährt im Mondenschein
im Dreieck um das Erbsenbein.
Vieleck groß, Vieleck klein,
der Kopf, der muss beim Haken sein.

Mittelhandknochen (Ossa metacarpi)

Die Mittelhandknochen werden daumenseitig beginnend als Os metacarpale I–V (primum, secundum, tertium, quartum, quintum) bezeichnet.

Fingerknochen (Ossa digitorum manus)

Die Fingerknochen gliedern sich in folgenden Knochen:

  • Phalanx proximalis I-V (körpernaher Fingerknochen, Fingergrundglied, in Richtung Handwurzel)
  • Phalanx media II-V (mittlerer Fingerknochen)
  • Phalanx distalis I-V (körperferner Fingerknochen, Fingerendglied).

Man spricht also etwa beim mittleren Fingerglied des Mittelfingers von der Phalanx media III. Der Daumen besteht nur aus zwei Gliedern, der proximalen und der distalen Phalange.

Literatur

  • F.-V. Salomon: Bewegungsapparat. In: F.-V. Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag, Stuttgart 2004, S. 22-234. ISBN 3-8304-1007-7
  • W. Platzer: Taschenatlas der Anatomie, Band 1 - Bewegungsapparat. Thieme Verlag, Stuttgart 2005, S. 124. ISBN 3-13-492009-3

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