Friedrich Wilhelm Rösing (* 28. Februar 1944 in Breslau) ist ein deutscher Anthropologe. Zurzeit ist er Professor an der Universität Ulm.

Leben

Er studierte Biologie, Archäologie, Publizistik und Soziologie in Mainz, Düsseldorf und Hamburg. 1975 promovierte er in Hamburg mit einer Arbeit über eine merowingerzeitliche Skelettpopulation. Ab 1977 arbeitete er als Dozent in Ulm und habilitierte sich 1987 mit einer Arbeit über ein frühhistorisches Gräberfeld in Ägypten. Seit 1994 ist er außerplanmäßiger Professor für Anthropologie in Ulm.

Werk

Das Arbeitsgebiet Rösings umfasst die Bevölkerungsbiologie von Europa, Ägypten und dem südlichen Afrika. Er hat mehrere Untersuchungen an Skelettpopulationen und Feldforschungen an Lebenden (Afrika) durchgeführt. Daneben beschäftigte er sich mit der Fortentwicklung osteologischer, paläodemographischer und forensischer Methoden. Seit einigen Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der forensischen Anthropologie, wo er Standards für die Identifikation von Individuen anhand von Skelettresten oder nach Bildern entwickelt hat. Er unterrichtet in allen Teilgebieten der Anthropologie und betreute bisher 46 Doktoranden und Diplomanden. Rösing ist seit 1990 Herausgeber der Zeitschrift Homo. Journal of comparative Human Biology.[1] Weiterhin ist er als Gutachter tätig und seit 2005 betreibt Rösing auch eine private Gutachterpraxis.

Kritik

Rösing wurde für seine Mitarbeit an einer Biografie Egon Freiherr von Eickstedts kritisiert, die 1992 in der Zeitschrift Homo erschienen ist. In dieser werde nach Meinung der Kritiker Eickstedts nationalsozialistische Vergangenheit einseitig und geschönt dargestellt.[2]

Mitarbeit und Ehrungen

  • Mitglied des Beirats beim Journal of Paleopathology (Chieti)
  • Antropologia contemporanea (Firenze)
  • Collegium Antropologicum (Zagreb)
  • Przegląd Antropologiczny – Anthropological Review (Poznań)
  • International Journal of Legal Medicine.
  • Ehrenmitglied der kroatischen Gesellschaft für Anthropologie

Werke

  • Die fränkische Bevölkerung von Mannheim-Vogelstang (6.-7.Jh.) und die merowingerzeitlichen Germanengruppen Europas. Nat. Diss. Hamburg 1975, 247 S.
  • Ein Literaturüberblick über Definitionen diskreter Merkmale/anatomischer Varianten am Schädel des Menschen. Selbstverlag, Ulm 1985, 142 S. (mit R. Reinhard)
  • Qubbet el Hawa und Elephantine. Zur Bevölkerungsgeschichte von Ägypten. G Fischer, Stuttgart 1990, 413 S.
  • (als Herausgeber mit K.W. Alt und M. Teschler-Nicola): Dental Anthropology. Fundamentals, Limits, and Prospects. Springer, Wien 1998, 564 S.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Beschreibung der Zeitschrift bei Elsevier
  2. Jan Diederich, Johann Knigge: Rassenkunde am Institut für Humanbiologie. In: AG gegen Rassenkunde (Hrsg.): Deine Knochen - Deine Wirklichkeit. Texte gegen rassistische und sexistische Kontinuität in der Humanbiologie. Unrast Verlag, Hamburg/Münster 1998, S. 61-62, ISBN 3-928300-80-6

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