Fingerknochen


Fingerknochen des Menschen

Die Fingerknochen (lat. Ossa digiti manus) sind die knöchernden Stützelemente der Finger. Bei Säugetieren hat jeder vollausgebildete Finger drei knöcherne Stützelemente, die als Phalanx proximalis, media und distalis („körpernaher, mittlerer und körperferner Fingergliedknochen“, auch Phalanx I, II und III; (von altgr. phalanx „Schlachtreihe von Kriegern“ „Baumstamm“, „Walze“, oder „Rolle“) bezeichnet werden. Der menschliche Daumen besitzt nur zwei Phalangen. Die Verbindungen zwischen Mittelhandknochen und Phalanx proximalis und den Fingergliedknochen untereinander sind die Fingergelenke.

Aufbau beim Menschen

Die Fingerknochen sind vom Aufbau typische Röhrenknochen. Man unterscheidet von körpernah (proximal) nach körperfern (distal) Fingerknochenbasis (Basis phalangis), -körper (Corpus phalangis) und -kopf (Caput phalangis).

Die Fingerknochenbasis der Phalanx proximalis trägt eine konkave Gelenkfläche für das Fingergrundgelenk, die Gelenkflächen der Basis der unteren Fingergliedknochen einen sagittal gestellten Führungskamm. Die Gelenkflächen des Kopfes an Phalanx proximalis und media werden als Trochlea bezeichnet. Der Kopf des Endgliedes ist abgeflacht und trägt handflächenseitig (palmar) eine Rauhigkeit, die Tuberositas phalangis distalis manus, an die sich die Haltebänder der Fingerbeeren (Retinacula cutis) anheften.

Vergleichende Anatomie

Die Zahl der Fingergliedknochen der einzelnen Finger beim Menschen (2-3-3-3-3) entspricht dem Grundbauplan der Säugetiere, bei primitiven Reptilien findet man die Phalangenformel 2-3-4-5-3. Stärkere Abwandlungen innerhalb der Säugetiere gibt es bei den Walen, bei denen zusätzliche Fingerglieder ausgebildet sind (Hyperphalangie, Formel 2-12-8-1).[1]

Bei Huftieren werden die drei Fingergliedknochen als Fessel-, Kron- und Hufbein bezeichnet, bei Raubtieren wird die Endphalanx auch als „Krallenbein“ bezeichnet. An der Basis der Phalanx media befindet sich bei den vierfüßigen Säugetieren handrückenseitig ein Fortsatz (Processus extensorius) zum Ansatz des Musculus extensor digitorum lateralis und handflächenseitig eine Rauigkeit (Tuberosits flexoria) zum Ansatz des Musculus flexor digitorum superficialis.[2]

Die Phalanx distalis zeigt aufgrund der unterschiedlichen Fußung bei den vierfüßigen Säugetieren deutlichere Unterschiede zum Menschen. Hier unterscheidet man in der Tieranatomie eine Gelenkfläche (Facies articularis), eine Wandfläche (Facies parietalis) und eine Sohlenfläche (Facies solearis). An der Gelenkfläche der Phalanx distalis liegt eine Gelenkfläche für das Strahlbein (Facies articularis sesamoidea). Die Sohlenfläche trägt die Ansatzstelle für den Musculus flexor digitorum profundus, die als Tuberculum flexorium (Wiederkäuer, Raubtiere, Schweine) bzw. Facies flexoria (Pferde) bezeichnet wird. Am vorderen Kronrand erhebt sich der Processus extensorius zum Ansatz des Musculus extensor digitorum communis.[2]

Bei Vögeln besitzen der kleine Finger (Digitus minor) und der Eckfittichfinger (Digitus alulae) nur eine Phalanx, der große Finger (Digitus major) hat zwei Fingergliedknochen.[3]

Literatur

Walther Graumann, Rolf Baur: CompactLehrbuch Anatomie. Schattauer Verlag 2004, ISBN9783794520626, S. 317.

Einzelnachweise

  1. Alfred Sherwood Romer und Thomas S. Parsons: The Vertebrate Body. Holt-Saunders International Philadelphia, 1977, ISBN 0-03-910284-X, S. 203–204
  2. 2,0 2,1 F.-V. Salomon: Bewegungsapparat. In: F.-V. Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag, Stuttgart 2. erw. Aufl. 2008, S. 22-234. ISBN 978-3-8304-1075-1
  3. Franz-Viktor Salomon und Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns: Anatomie der Vögel. In: Salomon et al. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke Stuttgart, 2. erw. Aufl. 2008, S. 754-814. ISBN 978-3-8304-1075-1

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...
03.09.2020
Künstliche Intelligenz hilft in der Archäologie
Künstliche Intelligenz ist besser als bisherige Softwareanwendungen in der Lage, den Ursprung archäologischer Funde aus naturwissenschaftlichen Unte...
26.08.2020
Bronzezeit: Fremde Ernährungstraditionen in Europa
Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit beeinflusste auch ein neues Lebensmittel die ökonomische...
26.08.2020
Wie sich Neandertaler an das Klima anpassten
Klimaveränderungen kurz vor ihrem Verschwinden lösten bei den späten Neandertalern in Europa eine komplexe Verhaltensänderung aus: Sie entwickelte...
17.08.2020
Radiokarbonuhr zur C-14 Datierung neu geeicht
Die Radiokarbondatierung wird genauer als je zuvor: Als Teil eines internationales Forschungsteam trug die Universität Hohenheim dazu bei die Technik...
06.08.2020
Langer Hals half Saurier bei Unterwasserjagd
Sein Hals bestand aus dreizehn extrem verlängerten Wirbeln und war dreimal so lang wie sein Rumpf: Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus lebte vor 24...
06.08.2020
Ein Riesenkranich aus dem Allgäu
Forschungsteam beschreibt rund elf Millionen Jahre alten Vogelschädel von der Fundstelle Hammerschmiede als frühesten Nachweis eines großen Kranich...
04.08.2020
Jonah’s Mausmaki: Internationales Forscherteam entdeckt in Madagaskar neue Primatenart
Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus sechs Ländern hat in Madagaskar eine neue Mausmaki-Art entdeckt. Das Forscherte...
31.07.2020
Bisher älteste Bissspuren von Säugetieren auf Dinosaurierknochen entdeckt
Forschungsteam der Universität Tübingen belegt, dass kleine Säuger aus dem Nordwesten Chinas vor 160 Millionen Jahren Aas nicht verschmähten.
30.07.2020
Wie die Landwirtschaft ins Ammertal einzog
Forschungsprojekt erstellt geoarchäologisches Archiv der ersten Mensch-Umwelt Interaktionen in Tübinger Region: Landschaft wandelte sich vom Feuchtg...
30.07.2020
55 Millionen Jahre altes Skelett einer Eule
Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat mit Kollegen aus Belgien und den USA eine neue fossile Eulenart beschrieben. Das Skelett von Primoptynx po...
25.07.2020
Kluge Köpfe entwickeln geschickte Hände
Affenarten mit grossen Gehirnen beherrschen schwierigere Handgriffe als solche mit kleinen Hirnen. Doch das Erlernen feinmotorischer Fähigkeiten wie ...
25.07.2020
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Schmerz wird durch spezielle Nervenzellen übertragen, die aktiviert werden, wenn potenziell schädliche Einflüsse auf verschiedene Teile unseres Kö...
20.07.2020
Werkzeug-Satz aus Elfenbein
Meißel aus Mammutstoßzähnen wurden vor 38.000 Jahren multifunktional eingesetzt – Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgesc...
16.07.2020
Schwanz wog zweieinhalb Tonnen
Ein Forscherteam unter der Leitung von Verónica Díez Díaz, Postdoktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Museum für Naturkunde Be...
14.07.2020
Katzen: Unabhängig seit 6000 Jahren
Forschende des Senckenberg Centers for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team die Na...
14.07.2020
Dem Vergessen entrissen – 57 Jura-Muschelarten in fränkischer Tongrube entdeckt
Paläontologen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) in München und der Universität Erlangen untersuchten 7.00...
09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet. Das belegen Analysen eines fast v...
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden. Denn dort herrscht...
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
Protokolle zur Umwandlung von pluripotenten Stammzellen (iPSC) in Organoide, Mini-Organe, ermöglichen es Forschern Entwicklungsprozesse in verschiede...