Deutsch-Australier sind die viertgrößte ethnische Gruppe in Australien mit einem Anteil von 4 Prozent (ca. 821.540, Stand 2006).

Geschichte

Im frühen 19. Jahrhundert waren Deutsche als Missionare und Forscher in Australien aktiv.

Die ersten deutschen Siedler kamen aus den preußischen Ostgebieten. Der preußischen König Friedrich Wilhelm III. wollte die lutherische und die reformierte Kirche zur Landeskirche zu vereinigen und erließ eine neue Gottesdienstordnung. Trotz Ankündigung harter Strafen bei Verstößen gegen die neue Ordnung wollten die Gläubigen ihre altlutherische Gottesdienstordnung weiterhin praktizieren. Da der König nicht einlenkte, wanderten zahlreiche Menschen deshalb nach Australien aus.[1] Von November bis Dezember 1838 erreichten mehrere Schiffe mit deutschen Auswanderern South Australia und Port Adelaide.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Ansturm auf Gold. 1891 ließen sich rund 45.000 Deutsche Auswanderer in South Australia, New South Wales (Riverina) und Queensland nieder. In der Zeit während des Ersten Weltkrieges bis zum Zweiten Weltkrieg galten die Deutschen als der „Feind innerhalb“. Einige wurden verbannt oder interniert.

Wirkungen des Ersten Weltkrieges

Preußen/Deutschland gewann den Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871 und Deutschland wurde eine neue Großmacht in Europa. Es gab ein neues deutsches Nationalgefühl auch in Australien. Die zwei Ortsnamen Sedan (eine Schlacht im Deutsch-Französischen Krieg) und Bismarck (Reichskanzler in Deutschland) in Australien stammten aus diesen Jahren. Vor allem der deutsche Flottenbau weckte Argwohn und Misstrauen in Australien wie in England. 1899 gab es einen „Deutschen Flottenverein“ in Brisbane. Einige Leute meinten, dass deutsche Agenten hinter allen Problemen im britischen Weltreich steckten, etwa den Aufständen in Indien, Persien und Ägypten.

Die Bevölkerungszahl Australiens im Jahre 1911 betrug 4.455.005. In Australien lebten im Jahre 1914 etwa 100.000 Deutsche. Der Weltkrieg war eine sehr schwierige Zeit für die Deutsch-Australier. Vor dem Krieg waren sie sehr respektiert. Zwischen 1839 und 1914 leisteten die Deutsch-Australier einen großen Beitrag zur Entwicklung Australiens, besonders von South Australia (im Jahre 1900 waren fast 10 % der südaustralischen Bevölkerung Deutsch-Australier). Als Deutschland durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum Feind des Commonwealth wurde, entstand eine landesweite antideutsche Hysterie, und viele Britisch-Australier vergaßen den großen deutschen Beitrag zum Aufbau des Landes. Sie dachten vielmehr, dass die Deutschen in Australien den deutschen Kaiser unterstützen würden.

Im Jahre 1914 identifizierten sich die meisten weißen Australier mit „Mother England“. In ihrem Buch The Anzacs schreibt hierzu die australische Autorin Patsy Adam-Smith: „The people didn't know what to do, my father answered when, as a child, I questioned him about the ill-treatment of a German in his town. We hadn't had a war before this.“

Es kam während des Krieges zu vielen Diskriminierungen von deutschstämmigen Australiern. Viele Deutsch-Australier wurden interniert. Auf Bruny Island wurde z. B. ein Internierungslager errichtet. Die Arbeitssituation wurde für Deutsch-Australier so schwierig, dass nicht wenige gezwungen wurden, selbst in ein Internierungslager zu gehen. Einige britischstämmige Australier wollten nicht mehr gemeinsam mit „Deutschen“ arbeiten, und es wurde schwieriger für Deutsch-Australier, Arbeit zu finden. Hermann Homburg, der Justizminister von South Australia, musste seine Stelle aufgeben. Viele Deutsch-Australier wurden auch gezwungen, andere Namen anzunehmen.

Im Verlauf des ersten Weltkriegs erfolgten zahlreiche Umbenennungen deutscher Ortsnamen, die vor allem in South Australia in großer Anzahl entstanden waren und von deutschen Pionieren stammten. Die Umbenennung geschah entweder durch Petition oder durch Erlass von Gesetzen. So änderte die Regierung in South Australia insgesamt 69 Orts- und Landschaftsnamen. Auf Tasmanien wurden die Ortschaften Bismarck und German Town in Collinsvale und Lilydale umbenannt.

Es kam auch zu diversen Angriffen auf deutsch-australische Einrichtungen. Deutsche Schulen mussten schließen; die deutsche Sprache wurde in staatlichen Schulen verboten. Der Ministerpräsident von South Australia veranlasste, dass das Kultusministerium niemanden beschäftigen durfte, der einen deutschen Hintergrund oder deutschen Namen hatte. Die meisten Britisch-Australier waren gegen die deutsche Sprache, aber der Erziehungsminister in New South Wales, Arthur Griffith, sagte am 29. Juni 1915 im Parlament in New South Wales: „I might remark that we are at war with the German nation; we are not at war with German literature.“ In South Australia mussten im Jahre 1917 alle 49 lutherischen Schulen schließen. Nach den Winterferien wurden viele dieser Schulen als staatliche Schulen wiedereröffnet, in denselben Gebäuden, aber mit neuen Lehrern. Die Regierung mietete die Gebäude von den Gemeinden. Die Schüler bekamen zudem keinen Deutsch- und Religionsunterricht mehr.

Die nationalistische Leidenschaft half, den Verkauf von australischem Lagerbier zu steigern, während nun weniger importierte deutsche Biere gekauft wurden, die bis dahin einen guten Ruf genossen hatten. Das Australian Brewer’s Journal schrieb: „Die teutonischen Biersorten, die vom Feind hierher exportiert worden sind, sind tabu. Unsere Lagerbiere sind genauso gut, wenn nicht besser als ihre Modesorten.“

Der St. Kilda Football Club in Melbourne änderte für ein paar Jahre seine Trikotfarben. Die St.-Kilda-Farben "schwarz-weiß-rot" waren dieselben Farben wie diejenigen der deutschen Reichsflagge. Das neue St.-Kilda-Trikot im Jahre 1915 hatte die Farben schwarz-rot-gold der belgischen Nationalflagge. Heute sind die Farben von St. Kilda wieder schwarz-weiß-rot.

Während des Krieges versuchte die australische Bundesregierung, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen. Im Oktober 1916 verwarfen die Australier beim ersten „Conscription Referendum“ (Volksentscheid die Wehrpflicht in Australien). Selbsternannte „Patrioten“ machten die Katholiken und die Deutsch-Australier für das Scheitern dieses Volksentscheides verantwortlich. Diese „Patrioten“ waren sicher, dass die Deutsch-Australier gegen die Wehrpflicht im Volksentscheid gestimmt hatten und die große Zahl der Deutsch-Australier das Scheitern der Abstimmung zur Folge hatte. 1917 verweigerte dann Premierminister Billy Hughes den Deutsch-Australiern das Stimmrecht. Trotzdem scheiterte auch der zweite Volksentscheid über die Wehrpflicht. Die Verweigerung des Stimmrechts, dieses Zeichen des Zweifels an ihrer Loyalität, ärgerte viele Deutsch-Australier, die in den australischen Streitkräften dienten.

In „The Australian People and the Great War“ schrieb Michael McKernan, dass bis 1914 die Deutsch-Australier „bewundert und respektiert wurden. Aber die Australier, vom Krieg emotional so stark beansprucht, brauchten einen Krieg in ihrer eigenen Nähe, damit ihr Stricken und ihr Geldsammeln nicht ihre einzige Kriegserfahrung blieben. Die Deutsch-Australier wurden die Sündenböcke für Australiens fanatische und (einigermaßen) naive Kriegsbegeisterung.“

Wirkung des Zweiten Weltkrieges

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Australien einen großen Zufluss von Displaced Persons aus Deutschland. 1991 gab es 112.000 in Deutschland geborene Einwanderer in Australien.

2001 sprachen 76.400 Personen Deutsch als Muttersprache. Damit ist Deutsch auf Rang 8 der am weitesten verbreiteten Sprachen in Australien nach Englisch, Chinesisch, Italienisch, Griechisch, Arabisch, Vietnamesisch, Spanisch und Tagalog.

Liste bekannter Deutsch-Australier

  • Eric Abetz, Politiker
  • Eric Bana, Schauspieler
  • Henry Bolte, Politiker
  • Wolfgang Blass, Winzer
  • Dieter Brummer, Schauspieler
  • Ernest Burgmann, Anglikanischer Priester und Sozialaktivist
  • Carl Ditterich, Australian-Football-Spieler
  • Timothy Fischer, Politiker
  • Gotthard Fritzsche, Missionar
  • Erich Glowatzky, Unternehmer
  • Andre Haermeyer, Politiker
  • Heinrich Haussler, Radrennfahrer
  • Helmut Newton, Fotograf
  • Hans Heysen, Maler
  • Nora Heysen, Malerin und Tochter von Hans Heysen
  • Bert Hinkler, Flugpionier
  • August Kavel, Missionar
  • Gerard Krefft, Zoologe
  • Ludwig Leichhardt, Entdecker
  • Stewart Loewe, Australischer Footballspieler
  • Bertha McNamara, Polit- und Sozialaktivist
  • Ferdinand von Mueller, Botaniker
  • Olivia Newton-John, Sängerin
  • David Neitz, Australian-Football-Spieler
  • Nick Riewoldt, Australian-Football-Spieler
  • Hermann Sasse, Theologe
  • Manfred Schaefer, Fußballer
  • Les Scheinflug, Fußballer
  • Mark Schwarzer, Fußballer
  • Wayne Schwass, Australian-Football-Spieler
  • Gert Sellheim, Künstler
  • Wolfgang Sievers, Fotograf
  • Carl Strehlow, Missionar
  • Ted Strehlow, Anthropologe
  • Shane Warne, Cricketspieler
  • Chris Watson, Politiker und ehemaliger Premierminister
  • Markus Zusak, Autor

Literatur

  • Bennett, Robin: Public Attitudes and Official Policy towards Germans in Queensland in World War 1. Honours Thesis, University of Queensland 1970.
  • Harmstorf, Ian: Insights into South Australian History, vol. 2, South Australia’s German History and Heritage. Historical Society of South Australia Inc. 1994.
  • McKernan, Michael: Manufacturing the war: 'enemy subjects' in Australia. Sydney Collins, 1984.
  • Monteith, P. (Hrsg.): Germans: travellers, settlers and their descendants in South Australia. Wakefield Press, Kent Town, South Australia 2011, ISBN: 978-186-254911-1.
  • Tampke, Jürgen und Doxford, Colin: Australia, Willkommen. New South Wales University Press 1990.
  • Voigt, Johannes H: Australia-Germany. Two Hundred Years of Contacts, Relations and Connections. Inter Nationes. Bonn 1987.

Siehe auch

  • Barossadeutsch
  • Deutsche Siedlungen in Australien
  • Deutschstämmige
  • Auslandsdeutsche

Weblinks

  • teachers.ash.org.au Liste von deutschen Städte in Südaustralien mit ursprünglichen und neuen Namen

Einzelnachweise

  1. lr.online.de: Bernd Marx in der Lausitzer Rundschau: Von Klemzig nach Klemzig, vom 7. Juni 2008, abgerufen am 28. August 2012

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