Gerold Rosenberg / CC BY-SA 3.0

Anton Johannes Waldeyer (* 3. März 1901 in Tietelsen (Beverungen); † 10. Juni 1970 in West-Berlin) war ein deutscher Anatom. Sein erstmals 1942 erschienenes Werk Anatomie des Menschen hat Generationen von Studierenden und Ärzten begleitet und wurde 2012 in 19. Auflage herausgegeben.

Leben und Wirken

Anton Waldeyer wurde in eine westfälischen Bauernfamilie geboren. Der Anatom Wilhelm von Waldeyer-Hartz (1836–1921) war sein Großonkel. Wie er erhielt auch Anton Waldeyer seine Schulausbildung in Paderborn. Er studierte Medizin an den Universitäten Würzburg und München. In München wurde er 1925 mit einer Dissertation „Zur Individual- und Rassenanatomie des menschlichen Kehlkopfes“ promoviert. Bereits einen Teil seiner Medizinalpraktikantenzeit verbrachte Waldeyer in der Anatomie. 1927 wurde er approbiert. Im gleichen Jahr wurde er in Würzburg mit der Arbeit „Der Bau der Aortenwand bei Amphibien und Reptilien“ nochmals promoviert. Später wechselte er an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Nach erneutem Wechsel und Habilitation wurde Waldeyer 1931 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zum Privatdozenten ernannt. Noch im gleichen Jahr wurde er als Professor für Anatomie an die Tongji-Universität Shanghai berufen. Im Jahr 1934 trat er der NSDAP bei.[1] 1935 ging Anton Waldeyer an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, wo er 1936 zum außerordentlichen Professor für Anatomie und Histologie ernannt wurde. In Berlin verfasste er sein bekanntes Lehrbuch Anatomie des Menschen als Grundriss für Studierende und Ärzte, dessen erster Band erstmals 1942 erschien und bereits innerhalb eines Jahres vergriffen war. Es unterschied sich von zeitgenössischen Konkurrenten (vgl. etwa Wilhelm Lubosch) durch seine praktische Ausrichtung, enthielt also weniger Theoretisches und wurde deshalb anfangs von der Fakultät abgelehnt - aber kriegsbedingt sah man sich zur vereinfachten Mediziner-Ausbildung gedrängt. 1945 wurde Anton Waldeyer als Professor mit Lehrauftrag an die Universität Münster berufen. Der Umbruch des zweiten Bandes der Anatomie des Menschen war im Zweiten Krieg zerstört worden und konnte daher erst 1950 erscheinen. 1953 kam die 2. Auflage des ersten Bandes heraus.

1954 kehrte Anton Waldeyer nach Berlin zurück. In Nachfolge des 1952 verstorbenen Hermann Stieve wurde er zum Professor für Anatomie an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen und zum Direktor des Anatomischen Instituts ernannt. Später (1961) war er Dekan der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität. Waldeyer widmete sich insbesondere dem Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Instituts, welches er bis 1966 leitete.

Am 15. Januar 1961 wurde Waldeyer als ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, der heutigen Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, aufgenommen.[2]

1970 verstarb Anton Johannes Waldeyer im Alter von 69 Jahren in West-Berlin und wurde auf dem Friedhof in Tietelsen bestattet.

Anton-Waldeyer-Stiftung

Anton Waldeyer und seine Frau Ursula Waldeyer (1919–2006) hinterließen der Anatomischen Gesellschaft testamentarisch eine Geldsumme, die in Form der „Anton-Waldeyer-Stiftung“ festgeschrieben worden ist. Sie wurde von der Bezirksregierung Köln als selbständige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Sankt Augustin am 26. Januar 2009 als rechtsfähig anerkannt. Aus den Erträgen des Stiftungskapitals wird in regelmäßigen Zeitabständen der „Anton-Waldeyer-Preis“ der Anatomischen Gesellschaft ausgelobt.[3]

Schriften (Auswahl)

  • Zur Individual- und Rassenanatomie des menschlichen Kehlkopfes. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München 1925.- Auch in: Z. Morph. Anthropol. 26 (1927): 68-126
  • Der Bau der Aortenwand bei Amphibien und Reptilien. Dissertation, Julius-Maximilians-Universität Würzburg 1927
  • Die Entwicklung der Vogelniere mit besonderer Berücksichtigung des Gefäßsystems: Untersuchungen am Hühnchen. Habilitationsschrift, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 1931
  • Anatomie des Menschen für Studierende und Ärzte. 2 Bände, 1. Auflage 1942 (Band 1), 1950 (Band 2), Walter de Gruyter (19. Auflage 2012, Lehrbuch und Atlas in einem Band)

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Harry Waibel: Diener vieler Herren : Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR. Lang, Frankfurt am Main 2011 ISBN 978-3-631-63542-1 S. 356
  2. Kurzbiografie Anton Waldeyer
  3. Satzung des „Anton-Waldeyer-Preises“ der Anatomischen Gesellschaft

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